laut.de-Kritik

Lehrreiches für alle Lebenslagen.

Review von

Wer kennt sie nicht die sympathischen Punks aus Kreuzberg, deren Texte bei der Bundeszentrale für jugendgefährdende Schriften wiederholt auf Unverständnis stießen? Heute zwar kaum noch als Punks erkennbar und inzwischen auch schon um etliche Jahre gealtert, sind die Ärzte aber nach wie vor auf's Höchste aktuell.

Mit ihrem neuen Album "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" beweisen Bela, Farin und Rod wieder mal auf beeindruckende Weise, dass sie in all den Jahren keineswegs ihre Kreativität und ihren Humor eingebüßt haben. Neunzehn Songs enthält die Platte und alle sind wie gewohnt vollgesogen mit scharfsinnig widersinnigen Texten, wie sie nur von den Ärzten kommen können. Auch musikalisch wird der Wortwitz unterstrichen, indem beispielsweise bei "Mondo Bondage" ein Death Metal-Chorus eingesetzt wird, beim Track "Leichenhalle" sorgt der Sisters of Mercy-Stil für die klassische Gruft-Stimmung. "Alles so einfach" wurde mit Ska unterlegt, für "Las Vegas" ersteht Elvis auf und bei "Rock'n'Roll Übermensch" sorgt der Manu Chao-Rhythmus für die perfekt relaxte Atmosphäre. Aber keine Angst, auch die üblichen Schreddelsongs sind in Fülle vorhanden.

In sämtlichen Lebenslagen belehren uns die Lyrics: wie wir mit der Situation umzugehen haben, so sollten wir lieber Menschen anstelle von Schweinen essen; was in uns vorgeht, wenn das Genital wehtut; wie man eine Frau in der Disco kennenlernt; was zwischen Bela und Farin vorgeht und die philosophische Frage, ob die Sonne auch für Nazis scheint. Ja, eigentlich könnten die Jungs mal 'nen "Lebensführer" rausbringen etwa mit dem Titel "Schöner Leben mit den Ärzten" - Material haben sie ja in rauen Mengen.

Als Fazit kann ich nur ziehen, dass das neue Album für Ärztefans ein spaßiges Muss ist und allen anderen 64 Minuten Schmunzeln auch nicht schaden kann. Die Ärzte danken ihren Eltern "dafür, dass es nicht beim Petting geblieben ist und den Verantwortlichen der neuen Rechtschreibung (Vigt euch!)". Und wir danken der besten Band der Welt, wie sich die drei im leichten Anflug von Größenwahn gerne selbst bezeichnen, dafür, dass es sie gibt und für ihr neues Album.

Trackliste

  1. 1. Wie Es Geht
  2. 2. Geld
  3. 3. Gib Mir Zeit
  4. 4. Dir
  5. 5. Mondo Bondage
  6. 6. Onprangering
  7. 7. Leichehalle
  8. 8. Der Optimist
  9. 9. Alles So Einfach
  10. 10. N 48.3
  11. 11. Manchmal Haben Frauen
  12. 12. Las Vegas
  13. 13. Yoko Ono
  14. 14. Rock Rendezvous
  15. 15. Baby
  16. 16. Kann Es Sein?
  17. 17. Ein Sommer Nur Für Mich
  18. 18. Rock'n'Roll Übermensch
  19. 19. Herrliche Jahre

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