laut.de-Kritik

Coolness bei 35 Grad im Schatten.

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Während in Deutschland die Wetterfrösche Tag für Tag ihr "zu kalt für diese Jahreszeit" anstimmen, flutschen anderswo den Gitarrencombos die Plektren nur so aus den schweißigen Fingern. Beispielsweise 2000 Kilometer von Süddeutschland entfernt auf Malta, einem winzigen Eiland südlich von Sizilien. 21,3 Grad Durchschnittstemperatur und 8,4 Sonnenstunden im Jahresmittel entsprechen nicht unbedingt dem Bild des Vorzeige-Europäers.

Drei dieser Insulaner formieren unter der Bezeichnung Beangrowers. Und als solche tauschen sie nun seit mehreren Jahren die Sonne gegen künstliches Studiolicht ein. Dort greift das Trio zu Gitarre, Bass und Drumstick und zeigt, wie das geht mit der Coolness bei 35 Grad im Schatten. Daher auch der kühle Blick der süßen Alison im Booklet. Als habe man ihr gerade offenbart, dass es beim Malefix für die Kombination "Indierock mit Frontfrau" heutzutage leider keine doppelte Punktzahl mehr gibt.

Doch aller vordergründigen Coolness zum Trotz macht die Scheibe einiges richtig. Der Titeltrack zum Beispiel klingt wie er klingt, nämlich nach orgeliger Zappelei in der Indiedisco. Bei den oktanstrotzenden Riffrockern "You Are You Are" und "I Like You" stehen die Amps ebenfalls auf 10. Nicht innovativ, aber hervorragende Tanzflurmagneterie. Die Lowlights des Albums stecken vor allem in den Zwischenräumen, die der Rock'n'Roll-Staubsauger nicht erreicht. Wenn Alison, Ian und Mark so tun, als könnten sie auch anders, droht die Skiptaste.

Dann klingen die Beangrowers im besten Fall nach antriebslosen Moloko auf sechs Saiten ("Russian Boulevard"). Nach unten begrenzt "Waltz" die Skala: Was hat dieser Versuch eines Versuchs einer pseudolasziven Garbage-Skizze bloß auf der CD zu suchen? Die ätherische Lavalampen-Akustik vom Fast-Intrumental "Lucky Luca" macht danach auch nichts mehr kaputt. Glücklicherweise ziehen sich die Beangrowers im Anschluss ein letztes Mal in die Garage zurück und zaubern das beschwörende "Analyze" aufs Band.

In den Liner Notes dankt man ausdrücklich dem Tourismusministerium Maltas. Warum nur? Für eine Beangrowers-Gedenkstatue reicht selbst der landesweite Erfolg kaum aus. Haben Alison und Co. nach der Ernennung zu offiziellen Botschaftern des Landes etwa schon alternative Zukunftsentwürfe mit dem Minister ausgehandelt? Als B-prominente Fremdenführer oder Animateure, falls der Traum vom Rockstar-Dasein doch nicht in Erfüllung geht? Anzunehmen, dass die Band am Pool wenigstens so gefällig rüberkommt wie auf Langspielplatte.

Trackliste

  1. 1. The Farewell Party
  2. 2. You Are You Are
  3. 3. Waiting
  4. 4. The Priest
  5. 5. Dance Dance Baby
  6. 6. Russian Boulevard
  7. 7. Star In Monaco
  8. 8. I Like You
  9. 9. Waltz
  10. 10. Lucky Luca
  11. 11. Analyze
  12. 12. 16, 18

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