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Elmar Hörig: Radio-Moderator fischt am rechten Rand

Nicht, dass Hörig heute noch die Relevanz besitzen würde, die er sich in den 1980er Jahren als Radio-Moderator beim Baden-Badener Sender SWF3 erarbeitet hat. Aber ich saß damals eben wie Tausende anderer Heranwachsender ohne Internet auch in devoter Haltung Sonntag Abends vor meinem Kassettenrekorder, um durch seine Sendung "Popshop Hitline" zu erfahren, dass dieser coole ältere Gitarrenrocker George Harrison ("Got My Mind Set On You") früher mal ein Beatle war und vor allem um mir meine Meinung darüber zu bilden, ob es nun A-ha oder eher Bros verdient haben, den Pet Shop Boys den Spitzenplatz der Charts streitig zu machen.

Hörig war vor allem deshalb Kult, weil er der damaligen Jugend eine Stimme gab, indem er sich weder in An- noch in Abmoderationen, geschweige denn inhaltlich an gängige Sender-Standards hielt. Als Hörig in den 90er Jahren plötzlich auf dem Bildschirm auftauchte, noch dazu in einer substanzlosen Sat.1-Gameshow, sank sein Stern freilich rapide. Dass er wegen sexistischer und homophober Sprüche 1999 seinen Job beim SWR verlor, bekam ich schon gar nicht mehr mit.

Ab sofort werde ich mich mit der Person auch nicht mehr weiter beschäftigen, denn offenkundig ist der frühere Radio-Star zu einer bemitleidenswerten Kreatur verkommen, die nur mittels verbaler Entgleisungen überhaupt noch bei irgendwem Gehör findet. So entblödet sich Hörig nicht, Stimmung auf dem Rücken von Flüchtlingen zu machen, die gerade Familien und Heimat verloren haben. Seine widerwärtigen Worte zum Thema "totes Flüchtlingskind" kann man folgendem Posting entnehmen.

Mal sehen, wann seine rechten Verschwörungstheorien auch den Community-Supervisorn in Dublin auffallen. Dass Hörig für eine Handvoll Fehlgeleitete den Facebook-Agigator gibt, scheint nicht ganz neu zu sein. Medienberichten zufolge soll der studierte Gymnasiallehrer vor zwei Jahren das "RTL Dschungelcamp" mit einem Konzentrationslager verglichen haben und dafür von Facebook Hohn sprechende sieben Tage gesperrt worden sein. Von einer Entschuldigung danach jedoch keine Spur, die Mehrheit der Leute verstünde seine Witze eben nicht, soll sich Hörig seinerzeit geäußert haben. Der Frust darüber, dass heutige Moderationsstars das Zehnfache seines einstigen Gehalts abrufen, während seine Kalauer nur noch einer tumben Social Media-Masse vorenthalten sind, sitzt augenscheinlich tief. Wie man es auch dreht und wendet: Eine Tragödie, der Mann. Selbst wenn euch Mutti und Opa immer was anderes erzählen: Alter schützt vor Dummheit nicht. Man muss schon auch selbst ein bisschen mitdenken.

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