laut.de-Kritik

Als hätten sich Suzanne Vega und die junge Nina Persson zusammengetan.

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Bist du ein alter, weißer Mann? Leidest du an toxischer Männlichkeit? Fühlst du dich aufgrund deines Schwengels neuerdings gar schrecklich unterdrückt? Dann ist Stella Donnellys "Beware Of The Dogs" nichts für dich. Denn egal wie du es drehst und wendest, du bist hier der Schurke. "Are you scared of me, old man? / Or are you scared of what I'll do?", fragt die Sängerin gleich zu Beginn in "Old Man".

Trotz der wichtigen, ernsten Themen bleibt das Debüt der australischen Singer-Songwriterin federleicht. Als hätten Suzanne Vega und die junge Nina Persson zusammengetan, um ein von Belle And Sebastian inspiriertes Album aufzunehmen. All dies angereichert mit einer gehörigen Portion pointiertem Humor.

Stellas Sprache bleibt jederzeit direkt, ohne Umschweife. Verpackt in einer Kuscheldecke liefert sie rasierklingenscharfe Lyrics. "Boys Will Be Boys", das es von ihrer 2017 erschienen EP "Thrush Metal" rüber geschafft hat, und ein halbes Jahr vor #metoo entstand, beschäftigt sich mit der Rape Culture. Mit dem Victim Blaming, das Frauen nach einer Vergewaltigung noch als Schuldige darstellt ("Why was she all alone / Wearing her shirt that low"), während der Bub mit einem "Boys will be boys / Deaf to the word 'no'" und einem Klaps auf die Schulter in die Nacht entlassen wird.

Hörte man auf der EP ausschließlich Donnelly und ihre Gitarre, begleitet nun eine unaufdringliche Band. Dabei kommt in Songs wie "Mosquito" die Romantik nicht zu kurz. Ein schelmisches Stück über glutenfreie Liebe ("I wanna bring you cake back home from work / But you're allergic"), angereichert mit munterer Masturbation (I use my vibrator / Wishing it was you").

Ihre Songs erzählen keine Geschichten, sondern bieten vielmehr Momentaufnahmen, gleichen eher einer Aneinanderreihung schon leicht angegilbter Polaroids. Sie hätte ihre Wut laut herausschreien können, doch stattdessen beschwört sie in ihren Liedern den Sommer. Ihre bittere Medizin versüßt kein Löffelchen, sondern gleich eine Schöpfkelle voll Zucker. Diese interessante Diskrepanz zwischen Musik und Lyrik, die in der Deutlichkeit an Adam Greens "Friends Of Mine" erinnert und Stella Donnellys Händchen für schöne Melodien machen "Beware Of The Dogs" aus.

Vielleicht hört diese Platte dann doch der ein oder andere alte weiße Mann beim gemütlichen Schlürfen des ein oder Craft Beers auf dem sonnigen Balkon guter Freunde an. Und vielleicht bleibt unterbewusst doch etwas hängen. Denn immer dran denken: "Your personality traits don't count if you put your dick in someone's face" ("Old Man").

Trackliste

  1. 1. Old Man
  2. 2. Mosquito
  3. 3. Season's Greetings
  4. 4. Allergies
  5. 5. Tricks
  6. 6. Boys Will Be Boys
  7. 7. Lunch
  8. 8. Bistro
  9. 9. Die
  10. 10. Beware Of The Dogs
  11. 11. U Owe Me
  12. 12. Watching Telly
  13. 13. Face It

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