laut.de-Kritik

Seid ihr Härtner oder Softies?

Review von

Produzent Jens Bogren tituliert "Halo" als Pop-orientiert, während die Band betont, dieses Mal im Vergleich zum Vorgänger "Queen Of Time" betont fordernder und härter zu Werke zu gehen. Ja was denn nun? Seid ihr Härtner oder Softies?

Auch "Halo" bleibt dem Motto 'Höher, Schneller, Weiter' der finnischen Bombast-Metaller Amorphis treu. Seit dem Einstieg von Tomi Joutsen auf "Skyforger" hat die Band mit Platten wie "The Beginning Of Times" oder "Under The Red Cloud" ihren Sound perfektioniert und liefert auch dieses Mal Hymnen ab, die besonders gut flankiert von Flammensäulen auf dem Headliner-Slot zur Geltung kommen. Im Land der tausend Seen ansässig präsentiert das Sextett ein Füllhorn an Ideen, die Pop, Klassik-Pomp, Folk und Metal-Spielarten zu einem beeindruckenden Hörerlebnis zusammenbinden.

Auch die Formation um Esa Holopainen ging die Aufnahmen Lockdown-bedingt getrennt an. Dies hört man den meisten Songs nicht an. Die Formel ist ausformuliert. Jeder weiß, was zu tun ist. Einzelne Tracks wie der Opener "Northwards" sind mit ihrem schroffen Dualismus aus Melodie und Matsche und den konstruierten progressiven Einschüben wenig bekömmlich.

Anderswo funktioniert die Mischung aus Underground und Metal-Disse vorzüglich. Die Gothik-affine erste Single "The Moon" oder das orientalisch angehauchte "Seven Roads Come Together" durchlaufen eine Entwicklung und gelingen dynamisch und emotional mitreißend. "The Wolf" zeigt die Zähne für eine ansprechende Schwarzwurzelbehandlung, bevor ein metrisch ansprechend gestalter Part die Melodien betont.

Texter Pekka Kainulainen schreibt in der Heimatsprache. Die Übersetzung in das Englische erfolgt erst sekundär. Insofern spielt die finnische Mythologie eine große Rolle. In "On The Dark Waters" etwa nimmt Kainulainen Bezug auf den Fluss Tuonela und dreht dessen Fließrichtung um. Dies setzt der Storyteller in Analogie zum Tod, der nicht mehr das Ende darstellt, sondern einen Anfang.

"War" ist ein vertontes Schlachtengemälde, aufgepeppt mit martialisch-schmetterndem Chor. Die Backings in der abschließenden Ballade "My Name Is Night" wehen hingegen als Schmachtfetzen um die interessierten Lauscher.

Amorphis führen ihren Weg weiter. "Halo" wartet mit finsteren und facettenreichen Songs auf, die das Hirn fordern und das Ohr faszinieren. Insofern lautet die Antwort auf die Eingangs gestellte Frage schlicht: Beides!

Trackliste

  1. 1. Northwards
  2. 2. On The Dark Waters
  3. 3. The Moon
  4. 4. Windmane
  5. 5. A New Land
  6. 6. When The Gods Came
  7. 7. Seven Roads Come Together
  8. 8. War
  9. 9. Halo
  10. 10. The Wolf
  11. 11. My Name Is Night

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4 Kommentare

  • Vor 6 Monaten

    Kleine Anmerkung: Tomi Joutsen ist bei "Eclipse" (2006) eingestiegen. "Skyforger" war bereits das dritte Album mit ihm.

  • Vor 6 Monaten

    Irgendwie passt der Text nicht zur Wertung; und das Album ist ja alles andere als mittelmäßig! Amorphis pendeln auf dem Album zwischen genial und mindestens gut - somit wären 4 Punkte locker angebracht. Zumal die Jungs ohnehin in ihrer eigenen Liga spielen.

  • Vor 6 Monaten

    Ich geb mal vier Sterne. Das Album lässt sich geschmeidig hören und ist handwerklich gelungen. So, wie man es von Amorphis gewohnt ist. Einen Stern Abzug gibt es für die geringe Weiterentwicklung.
    Positiv ist noch das Mastering zu bewerten. Die Dynamikkompression wurde dieses mal nicht bis zum Anschlag gefahren (oder, wie auf früheren Alben öfters, darüber hinaus ... Clipping).

  • Vor 6 Monaten

    Ich finde die nach wie vor ganz gut, aber leider hat sich die Mucke bei mir auch etwas abgenutzt. Die letzten Alben waren allesamt zwar gut hörbar, aber richtig hängen geblieben ist nicht viel, könnte nicht sagen, welcher Song nun von welcher Scheibe stammt. Ist halt immer das gleiche Schema mit Tirili-Intro, Gesang/Growl im Wechsel, ähnliches Melodieschema usw. Diese Scheibe wird es nur mal in die Spotify-Playlist schaffen, aber wohl nicht ins Regal.