laut.de-Kritik

Live aus dem Proberaum.

Review von

Awolnation standen vor einem dreiviertel Jahr wie viele andere Bands vor einem Scherbenhaufen: Corona machte alle Pläne zunichte. Das Studioalbum "Angel Miners And The Lightning Riders" releaste Bandchef Aaron Bruno im April dann trotzdem. Die Idee, dieselbe Platte ein paar Monate später erneut zu veröffentlichten, als Livealbum aus dem Proberaum und ohne Publikum, ist natürlich immer noch der Seuche geschuldet.

Denn man hört "Angel Miners & The Lightning Riders Live From 2020" an, dass die Band auf eine Tour definitiv vorbereitet war. Die fünf Musiker sind eingespielt und haben die Tracks verinnerlicht. Allein, sie durften nicht. Man entschied sich für die nächstbeste Variante und spielte alle Songs so, wie sie für die Bühne geplant und arrangiert waren, also ohne nachträglich eingefügte Backing-Tracks.

Im Ergebnis dauert so beispielsweise "The Best" fast eine halbe Minute länger als im Original. Die eher nach Synthie klingende Hook im kurzen, ruhigen Mittelpart hört sich nun deutlicher nach E-Gitarre an, und der Drummer haut gegen Ende richtig rein. Beim ebenfalls verlängerten "Slam" setzen Awolnation im letzten Viertel ein R'n'R-Gewitter drauf.

Auch das starke "Radical" und "Pacific Coast Highway In The Movies" dauern ein paar Sekunden länger, während sich alle restlichen Tracks an der Spieldauer der Originale orientieren. Letztlich bleiben solche Unterschiede in den Arrangements aber vernachlässigungswürdig. Wenn, dann fallen Nuancen in der Instrumentierung auf, hier mal etwas weniger Effekt auf der Gitarre, dort lässt der Drummer noch schnell seine Spieltechnik aufblitzen.

Dass sich Studio- und Liveplatte so ähneln, liegt aber in der inneren Logik des Soundkonzepts begründet. Awolnation wollen live wie auf Platte klingen. Das sieht man schon auf der Bühne: Statt Verstärkerwände zu errichten, werden alle Instrumente, Drums inklusive, mittels eines Bühnenrechners gepusht. Dieser Ansatz passt auch zum starken elektronischen Anteil im Sound.

Insgesamt klingt die Liveplatte etwas kompakter und leiser als die Studioversion, Brunos Stimme ist ein Stück weiter weg vom Hörer, die Snare schlägt etwas weniger durch. So oder so kommt der spezielle Mix Awolnations aus Elektro-Atmo, Metal-Affinität und melancholischem Popappeal ("Mayday!!! Fiesta Fever" oder das famose "I'm A Wreck") bestens zur Geltung. Am Tag der Veröffentlichung stellten die Amerikaner auch den kompletten Livestream zum Album ins Netz - inklusive Spendebutton zugunsten eines Hilfsfonds, der Musiker*innen in finanziellen und anderen Notsituationen unterstützt.

Trackliste

  1. 1. The Best
  2. 2. Slam (Angel Miners)
  3. 3. Mayday!!! Fiesta Fever
  4. 4. Lightning Riders
  5. 5. California Halo Blue
  6. 6. Radical
  7. 7. Battered, Black & Blue (Hole In My Heart)
  8. 8. Pacific Coast Highway In The Movies
  9. 9. Half Italian
  10. 10. I'm A Wreck

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