laut.de-Kritik

Biss schlägt Raffinesse um Längen.

Review von

Was sollen eigentlich immer diese Fortsetzungen? Es geht doch eh schief: War der erste Teil ein Meilenstein, enttäuscht das Sequel - von abzählbar vielen Ausnahmen einmal abgesehen - meist die hoch gesteckten Erwartungen. Der Versuch, eine Erfolgswelle ein zweites Mal zu reiten, plätschert oft nur allzu verhalten daher, ehe er grußlos im Sand verläuft.

Im Fall Chakuza liegen die Dinge ein wenig anders: Sein Mixtape "Suchen Und Zerstören" aus dem Jahr 2006 gilt allgemein eher nicht als Klassiker, wenngleich es den Einstieg einer hörenswerten Stimme ins Rap-Geschäft markierte. Der Mann aus Linz hat demnach keinen Legendenstatus, wohl aber einen Ruf als harter Hund zu verlieren.

Letzteren verteidigt er mit Zähnen und Klauen, und macht daraus von Anfang an keinen Hehl: "Ich hab' nix zu verkünden. Fuck, ich zünd' einfach den Sprengkopf." Seine Reime, grimmig und verkniffen wie stets, rumpeln ungebrochen vorwärts und planieren dabei, was sich ihnen in den Weg stellt. Biss schlägt Raffinesse wieder einmal um Längen.

Bei allen Potenz-Posen, aller Schwengel-Schwingerei geht Chakuza dennoch tiefer, lässt immer wieder Blicke in seine persönlichen Abgründe zu. Lebensfreude is' in der Regel nicht. Ersnichtlängerguterjunge zeichnet seine Welt über weite Strecken wie gewohnt in Dunkelgrau und Schwarz, zelebriert seine Enttäuschungen, lässt Selbstzweifel zu. "Ich hasse, was ich sehe, brech' den Spiegel entzwei."

Man fühlt sich fast zu einem tröstenden "Nicht doch!" samt aufmunterndem Schulterklopfen verleitet. Doch Chakuza braucht derlei Aufmunterung gar nicht wirklich. "Ich hör' alle sagen: Chak, mach' dies, Chak, mach' das, Chak verkackt es - aber: nix!" Er fliegt auch mit gebrochenen Flügeln, tanzt seinen letzten Tango notfalls mit Holzbein.

Nicht unerheblich Hilfestellung leisten dabei die Beats, die selbstredend fast sämtlich der eigenen Schmiede Beatlefield entstammen. Im bewährten Verbund mit DJ Stickle klopft Chakuza hier meisterhaft unmittelbar auf dem Nervenkostüm herum. Grummelig wabernde Bässe regieren, Streicher schillern drohend - man kennt diese Klaviatur.

Doch "Suchen Und Zerstören 2" überrascht darüber hinaus mit ungewohnten Sounds. "Hättest du das jemals geglaubt? Draußen hörts zu regnen auf", würgt er in "Denk Nicht Nach" den überstrapazierten Dauerregen ab. Zuvor ertönte bereits ein ganz ungewohnter Reggae-Groove "In Richtung All".

Für "Nanana" schusterte sich "Chak, der Punisher" eine coole Bass-Percussion-Kombination auf den Astralleib seiner überschnappenden Stimme. Der "Robocop Tanzt" ebenfalls nicht ohne Grund: Der blecherne Rhythmus lässt ihm kaum eine andere Wahl. Für den "Monster Remix" legen sich Timid Tiger samt weicher, melodischer Akustikgitarren mit ins Zeug.

Grenzen und Berührungsängste waren offenbar gestern. Chakuza präsentiert sich zwar derbe wie eh und je, gestattet sich musikalisch dafür mehr Freiheiten als je zuvor. So legt er für "Hellboy" auch mal Synthiesounds über sägende Gitarren. Am besten unterhält Chakuza aber, wenn er den Alpenländer in sich von der Leine lässt und zusammen mit Landsmann Jack Untawega in Bergsprache das gepflegte Wichsen zur allgemeinen Pflicht erhebt.

Angesichts dessen beuteln einen bei der Abschiedsrede im "Outro" kurzzeitig die Verlustängste: "Ich leg' das Mic einfach zur Seite, die MC-Zeiten sind um." Entwarnung folgt allerdings auf dem Fuße: "Aber nächstes Jahr ... " Nächstes Jahr denken wir uns dann bitte wieder einen frischen Albumtitel aus!

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Sorry
  3. 3. Teufelsgitarre
  4. 4. In Richtung All feat. Vega
  5. 5. Ich Wünsche feat Marc Sloan
  6. 6. Aber Nix
  7. 7. Monster Rmx feat. Timid Tiger
  8. 8. Nanana
  9. 9. Robocop Tanzt feat. Bizzy Montana
  10. 10. Proletenwunder
  11. 11. Denk Nicht Nach feat. David Asphalt
  12. 12. Hier Und Da feat. D-Bo
  13. 13. Egal
  14. 14. Bei Uns Beiden feat. Nyze
  15. 15. Hellboy feat. Marc Sloan
  16. 16. Winterstürme feat. David Asphalt
  17. 17. Wixxa feat. Jack Untawega
  18. 18. Outro

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