laut.de-Kritik

Um die Zukunft von Deathcore ist es gut bestellt.

Review von

"Oh What The Future Holds" - genregemäß nichts Gutes. Wobei das mit dem Genre bei den Herrschaften von Fit For An Autopsy gar nicht so leicht ist. Von Deathcore zu reden ist, als würde man von der Cousine von dem Freund, den der Arbeitskollege kennt, sprechen, so viele Stilrichtungen sollen sich in diesem schwer zu greifenden Bastard-Genre vereint haben. Ideenlosere Zeitgenossen nutzen solche Amalgame gerne, um ihre mangelnde Inspiration zu kaschieren. Breitbeinige Riffs, Halftime, grantelnde, kaum verständliche Lyrics, dazu ein paar Breakdowns, und schon hat man (k)ein Deathcore-Album.

Für diese 'Kollegen' können nun aber weder das Genre noch Fit For An Autopsy etwas. Der eigentliche Witz am Deathcore und den Spielarten seiner Umgebung unterscheidet sich nur wenig von dem anderer Musikgenres: Das Songwriting macht den Unterschied. Und hier brilliert "Oh What The Future Holds" als sechstes Album auf gewohntem Bandniveau. Gitarrist Will Putney fungiert wiederum als Produzent, abseits der Band mit einer mittlerweile mogulischen Kundenliste. Haupt-Songwriter ist er auch noch, in der Umsetzung sind für den Bandsound aber noch vor Sänger Badolato Bassist Spinazola (Hörbeispiel: "Conditional Healing") und Drummer Martinez (versucht mal, "Savages" nachzuspielen) entscheidend. Die ständige Drei-Mann-Gitarrenwand von Fit For Autopsy bildet dann eher den feinen Pinsel, der für die Ornamentierung zuständig ist. Gottlob bedeutet das nicht ständiges Gegniedel, Tempo nehmen die im Rahmen der Songstruktur geradezu servil dienlichen Gitarren fast nie raus, agieren wie auf "Collateral Damage" eher noch als Treiber.

Der Opener "Oh What The Future Holds" zeigt ergänzend zu den obigen Ausführungen, wo die Reise hingeht: Tempiwechsel werden bei den Garden State-ern großgeschrieben, überhaupt stehen Abwechslung und melodische Passagen im Vordergrund der Songs. Der "Pandora"-Refrain erinnert gar an einen Corey Taylor (den coolen, nicht den jetzigen), gegrowlt wird, wenn es in den Song passt, nicht andersrum. Nicht jede langsame Passage dient nur der Vorbereitung des nächsten Breakdowns. Klare und Chorpassagen in "Far From Heaven", überlagerter Gesang bei "In Shadows" sind weitere Beispiele der offenen Interpretation ihrer selbst postulierten von Fit For An Autopsy.

Eine solche Varianz, ohne jemals das Genre Deathcore wirklich zu verlassen, verlangt einiges an Souveränität. Diese besitzen die Mannen nicht nur dank der bemerkenswert ausdifferenzierten Produktion und ihrer offensichtlichen handwerklichen Fähigkeiten, sondern zuvorderst dank des starken Songwritings. Fit For An Autopsy wirken stets, als hätten sie ihren Sound gefunden und eben nicht, als würden sie den immer gleichen Song schreiben, der halt dann noch ein bissel variiert wird. Vielmehr bilden Band und Badolato eine kohärente, gemeinsam vorgehende Sinneinheit, die so in eine vordergründig rein aggressive Musik eine Palette von unterschiedlichen Emotionen und Stimmungen packen kann. Und das, während die konsequente Umsetzung der eigenen musikalischen Idee im zu Beginn Richtung Chino Moreno schielende "Two Towers" ein Überstehen ohne heftiges Kopfnicken quasi unmöglich zu machen scheint. Dadurch gelingen dann auch authentisch wirkende Variationen wie der Alt-Rock-Nickelback-Anfangspart von "The Man That I Was Not", den die Band mit Lust statt mit Scham über eine weinerliche Pflichtübung einreißt. Und für die egalen Texte entschädigt das großartige Cover.

Trackliste

  1. 1. Oh What The Future Holds
  2. 2. Pandora
  3. 3. Far From Heaven
  4. 4. In Shadows
  5. 5. Two Towers
  6. 6. A Higher Level Of Hate
  7. 7. Collateral Damage
  8. 8. Savages
  9. 9. Conditional Healing
  10. 10. The Man That I Was Not

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