laut.de-Kritik

"Easy" im besten Sinne.

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Das Debüt geht den meisten Bands leicht von der Hand, beim zweiten oder dritten Album handelt es sich oft um das vielzitierte "schwierige". Für den achten Longplayer existierten bis jetzt noch keine gängigen Adjektive. Die Kaiser Chiefs schaffen nun Abhilfe mit dem Titel ihrer neuen LP: "Kaiser Chiefs' Easy Eighth Album"

Bereits der Opener "Feeling Alright" gibt die Richtung vor. "Easy" steht in diesem Fall tatsächlich für leichtfüßigen Pop bzw. Pop-Rock. Für simple Lyrics ebenso ("I'm yours tonight.", "I'm yours and your're mine."). Aber keineswegs für einen Studioschnellschuss. Die ehemaligen Festivalstammgäste um Sänger Ricky Wilson wissen ebenso wie die beiden Produzenten Amir Amor und Nile Rodgers, was sie wollen: tanzbare Ohrwürmer mit der optimalen Mischung aus Gitarren, Bass, Drums und Synthies. Und diese optimale Mischung finden sie nicht nur auf dem Opener. Das ist nicht nur catchy, das ist auch ungewohnt groovy.

So sehr nach den frühen Beatles wie auf "Beautiful Girl" klangen die Kaiser Chiefs und insbesondere Ricky Wilson bis dato selten, nicht nur wegen mccartneyschen "Lalalalalas". Trotzdem handelt es sich um einen der schwächeren Songs des Albums. Das gilt auch für die erste, bereits im November 2022 veröffentlichte Vorabsingle "How 2 Dance", mit der die Band wie zu ihren schlimmsten Zeiten den Rock gänzlich hinter sich lässt und sowohl musikalisch als auch lyrisch allzu offensichtlich auf das Formatradio und den Großraumdisco-Dancefloor schielt. Ricky Wilson kündigt im Refrain an, uns das Tanzen beizubringen. Der maximal generische Song lässt uns sein Angebot ablehnen – zunächst.

Auf den schwächsten Song des Albums folgt jedoch der stärkste: Der bluesig-groovige "Job Centre Shuffle" überrascht mit einem gekonnten Bläsereinsatz, einem ungewohnt tiefen Timbre Wilsons und einer punkartigen Gesangsbridge mit weiblichen Guest Vocals. Gilt das im vorherigen Song unterbreitete Tanzunterrichtsangebot noch immer? Diesmal nehmen wir es gerne an! Nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch überzeugt der Shuffle mit seiner klaren und doch augenzwinkernd artikulierten Aussage: Arbeit nervt!

"Buttons to press and switches to flick / Curtains to twitch and it's making me sick. / P45 arrives strapped to a brick / Cos I'm bored." Genau dieses Augenzwinkern hatte man auf den letzten, nicht nur in musikalischer Hinsicht mediokren LPs vermisst. Im Promomaterial zum neuen Album degradiert die Band ihren besten Song seit Ewigkeiten unverständlicherweise zum Fanservice: "This is what the Kaiser Chiefs were best at 20 years ago and I hope it scratches the itch that a lot of our original fans want scratching." Das kann sich eigentlich nur auf die Lyrics beziehen, denn musikalisch geht es auf dem "Job Centre Shuffle" keineswegs zurück in die Anfangszeiten der Band.

Nach dem durchwachsenen Albumstart bis einschließlich "How 2 Dance" folgt ein gelungener Song auf den anderen. "Burning In Flames" gewinnt durch einen geschmackvollen Streichereinsatz, der an das Electric Light Orchestra zu dessen besten Zeiten erinnert. Wer ob des Songtitels glaubte, bei "Reasons To Stay Alive" handele es sich um eine – auf einem in der Britpoptradition stehenden Album fast schon obligatorische – Depriballade, irrt: Balladen gibt es nicht auf "Kaiser Chiefs' Easy Eighth Album", schlechte Laune ebenfalls nicht. Ricky Wilson balzt im besten Sinne durch den straight rockenden Song, den Andrew White mit einem harten Riff veredelt. In "Sentimental Love Songs" gönnt sich (und uns) White sogar ein im Kaiser-Chiefs-Soundkorsett selten gehörtes Solo.

"The Lads", eine abermals die frühen Fab Four in Erinnerung rufende Ode an die Freunde, schließt das Album melodieselig, knuffig und authentisch ab. Genau jene Authentizität lassen die meisten zeitgenössischen vordergründigen Gute-Laune-Alben vermissen. Den Kaiser Chiefs hingegen nimmt man das positive Denken im Jahr 2024 ab.

Eine Band, die in der Vergangenheit Songs wie "Ruby", "I Predict A Riot" und "Never Miss A Beat" hervorbrachte, muss sich selbstverständlich immer auch an der Anzahl der Ohrwürmer auf ihrer neuen LP messen lassen: Auch in jener Hinsicht überzeugt Album Nummer 8, die Ohrwurmrate ist so hoch wie seit "Yours Truly, Angry Mob" nicht mehr.

Gut möglich, dass die Hymnenlieferanten mit ihrem neuen Material ihren zweiten Festivalfrühling einläuten. "Easy" ist die richtige Bezeichnung für das vorliegende Album – easy im besten Sinne.

Trackliste

  1. 1. Feeling Alright
  2. 2. Beautiful Girl
  3. 3. How 2 Dance
  4. 4. The Job Centre Shuffle
  5. 5. Burning In Flames
  6. 6. Reasons To Stay Alive
  7. 7. Sentimental Love Songs
  8. 8. Jealousy
  9. 9. Noel Groove
  10. 10. The Lads

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