laut.de-Kritik

Der Rapperin fehlt die Achtung vor der Kunst.

Review von

Die Hoffnung währt nur kurz. Bevor Katja Krasavice in den üblichen Trott verfällt, gestaltet sie das "Intro" ihres dritten Albums radikal persönlich. Ausgehend von ihrer Geburt in Tschechien zeichnet sie ihre Kindheit in Armut nach. Sie schildert die schwierige Beziehung zu ihrem Vater, den frühen Tod ihrer Brüder und die aufopferungsvolle Rolle ihrer Mutter, die mit ihren Kindern für einen Neuanfang gen Westen flüchtete. "Zwischen Drogen, Prostitution und Gesetzlosigkeit wollte sie uns von den Fesseln befreien. Also fahren wir nach Deutschland mit etwas Hoffnung in der Reisetasche."

Es erscheint fraglich, ob sich das Freiheitsversprechen eingelöst hat, wenn sie ihr heutiges Tagwerk auf die griffige Formel bringt: "'Ne Hoe muss tun, was 'ne Hoe tun muss." Auch wenn sie mit ihrem gerappten Dirty Talk offene Türen einrennt, erfüllt sie die Genre-Pflicht, sich selbst zum Trendsetter zu überhöhen. "Pussy Power" fehlt es an kontroversen Ansätzen. Selbst das Feminismus-Label scheint überzogen, das sie sich in "SOS" selbst verpasst. Krasavice versteht schlicht die Grundlagen der Aufmerksamkeitsökonomie und verfolgt ein simples Ziel: "In mei'm Kopf nur Cash, Cash, Cash."

Die Musik dient auf dem Weg zum Reichtum allerhöchstens als Mittel zum Zweck. Bedenkenlos nutzt sie ihre Songs als Vehikel für eine Webdienst-Werbung. "Sie wollen Ass-Shakes und haben bei Onlyfans Flatrate", definiert sie in "Drop It" ihre Zielgruppe. In "SOS" baut sie gar eine Reklamepause ein: "Du kleine Bitch hatest mich, aber sag' mir: Warum hat dein Freund ein Zwölf-Monate-Abo auf mei'm Onlyfans?" Den Gipfel erreicht sie mit "Onlyfans", der die Verdienstmöglichkeiten im Portal lobt und die Hörerschaft mit intimen Einblicken teast: "Doch willst du das sehen, musst du abonnieren!"

Auch bei der Instrumental-Auswahl behält sie die Erfordernisse des Marktes fest im Blick. Zumeist dient die Musik zur unauffälligen Hintergrundbeschallung. "Moonwalk" empfiehlt sich uneigennützig für die Großraumdisko und "Narben" biedert sich nach allen Regeln der Kunst dem Hörfunk an. Mit Marwin Balsters steht ihr ein Sänger zur Seite, der sich anschickt, das Erbe Tim Bendzkos anzutreten. Während er das Stück mit seinem gefühligen Gesang dominiert, verzichtet Krasavice in ihren wenigen Zeilen auf alle schlimmen Wörter, die ihr einen Strich durch die Radioabrechnung machen könnten.

"Content so verboten, ich werd' noch blockiert", kokettiert sie in "Onlyfans" mit der Grenzverletzung. Dabei befolgt sie brav die Regeln der jeweiligen Plattformen. Sie preist in ihren Unboxing-Videos auf YouTube ihren anatomisch korrekten Masturbator an, legt aber einen Piepton über "Taschenmuschi", um die Monetarisierung des Videos zu sichern. "Nehm' alles in den Mund, keiner sagt mir, was ich reden darf", behauptet sie dreisterweise im Titelsong, als bliebe von ihrer verkrampften Vulgärsprache auch nur ein Wort übrig, wenn Spotify morgen seine Regeln verschärfen würde.

Marktanalysen dürften auch zu der Entscheidung geführt haben, den Song "Tik Tak" von "Pussy Power" zu streichen. Die ursprünglich darauf vorgesehene Haiyti hatte sich in einem Podcast homophob geäußert. Viele ihrer "Hardcore-Fans" haben sich enttäuscht gezeigt, erklärte Krasavice und bereinigte mit moralischer Selbstgefälligkeit die Titelliste. In Wahrheit dürfte sich die zentrale Fragestellung aber weniger um Minderheitenschutz gedreht haben, sondern vielmehr darum, ob sie mit der mainstreamfernen Vollblutkünstlerin mehr Hörer verliert, als sie durch sie gewonnen hätte.

Katja Krasavice fehlt ohnehin die Achtung vor der Kunst im Allgemeinen und Rap im Speziellen. Weder das Sido-Zitat im "Intro" noch das Tupac-Namedropping in "Onlyfans" täuschen darüber hinweg. Woher soll die Anerkennung auch kommen, wenn sich das Genre derart leicht kapern und mit den richtigen visuellen Akzenten mehrfach Nummer-eins-Platzierungen einfahren lassen? Porno-Rap bleibt eine legitime Spielart des Genres, aber "Pussy Power" fällt derart werbend, durchkalkuliert und ambitionslos aus, dass es kaum noch als eigenständiges künstlerisches Projekt wahrnehmbar ist.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Moonlight
  3. 3. SOS
  4. 4. Pussy Power
  5. 5. Onlyfans
  6. 6. Moonwalk
  7. 7. Raindrops (mit Leony)
  8. 8. Lipgloss
  9. 9. Details
  10. 10. Narben (mit Marwin Balsters)
  11. 11. Aventador
  12. 12. Drop It
  13. 13. No Men No Cry
  14. 14. Vordertür

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27 Kommentare mit 62 Antworten

  • Vor 5 Monaten

    Lange nicht so scheiße, wie es viele gerne hätten. Sind ein paar zitierwürdige Punchlines drauf, aber inhaltlich passiert ab nem gewissen Punkt irgendwie nix mehr. Kompetent produziert, aber etwas zu sehr an den Massengeschmack anbiedernd. 2/5.

    • Vor 5 Monaten

      Finde es nebenbei bemerkt interessant wie aufrichtig hier die Künstlerin damit umgeht, dass die Kunst hauptsächlich zum Broterwerb geschaffen wird. Denke nicht, dass das bei einem Kalim, einem Fler, einem Hemso, einem Bushio oder einem KC Rebell großartig anders sein wird, außer halt, dass die diesbezüglich nicht real sind.

  • Vor 5 Monaten

    how sexy would you rank this "artist"?

    i think without all make up and plastic chirugieretsy it would not be a utterly hot gurl id gave her 3/5

    but of course her super hot glamour lifestyle impressions make her very juicy to me so i give her 5/5 wanker points

  • Vor 5 Monaten

    "Regel Nummer eins, das ist weltweit,
    Wenn er lügt, spring mit seinem besten Freund ins Bett rein" finde ich pädagogisch sehr wertvoll.