laut.de-Kritik

Auch 35 Jahre nach ihrem Meisterstück noch immer in Form.

Review von

15 Jahre nach dem letzten regulären Album "Capricornia" kehrten Midnight Oil 2017 überraschend auf die Bühne zurück und performten rund um den Globus. Drei Jahre später folgt das Minialbum "The Makarrata Project", dessen Erlöse ausschließlich den Interessen der australischen Ureinwohner zugute kommen. Dem schieben die Oils nun ihr offizielles 13. Studioalbum nach und kündigen parallel ihre letzte Welttour an.

Schade, eigentlich. Denn auf "Resist" legt die Band wieder los, wie man das hören will. Die Drums und E-Gitarren von "Rising Seas" und "The Barka-Darling River" gehen straight nach vorne und wie eh und je ins Ohr. Auch die lässigen Ovation-Gitarren ("Tarkine" oder "To The Ends Of The Earth") transportieren die abgehangen groovenden Midtempo-Harmonien der Australier. In den Arrangements sitzt noch immer alles am richtigen Platz.

Grundsätzlich nehmen die Songs Midnight Oils die Lagerfeuer dieser Welt im Sturm, aber sie schreien eben zugleich nach Schlagzeug und Bass, nach einer Rockband. Diese zwei Seiten der Medaille dürften das Erfolgsgeheimnis der Band ausmachen. Dabei klingen die politisch motivierten Australier, die sich in ihrer Karriere stets für die Belange der Urbevölkerung zu Wort meldeten und den schamlosen Raubbau an der Natur geißelten, immer noch nach der Hitze des Outbacks, die Synths erinnern derweil an den Peak der Band in den 80ern ("Nobody's Child").

Peter Garretts sehr spezielles Organ, das prägnante Aushängeschild der Oils, klingt ebenfalls wie immer. Auch wenn es zuweilen etwas wackeliger, brüchiger erscheint - was 50 Jahre nach der Gründung, 35 Jahre nach dem Meisterstück "Diesel & Dust" und im Alter von fast 70 Jahren keine Schande ist. Im Gegenteil, er stellt sich gleich zu Beginn der Platte. Fast eine Minute lang steht seine Stimme im Zentrum des Openers: Eine Gesangsline, bei der man live jeden wackeligen Ton hören würde. Zumal Garrett im zweiten, langsamen Teil von "The Barka-Darling River" im gemütlichen Folkrock-Ambiente beweist, dass er es natürlich noch kann. Für die Ballade "We Resist", die fast komplett ohne Drums auskommt, gilt dasselbe.

Beim besten Stück der Platte, "Reef", meint man dann, ein Stück Stadion-Britpop durchziehe die Weiten Australiens. Wer typische Midnight-Oil-Licks hören will, skippe zum Four to the floor-Beat des sphärischen "Lost At Sea", ebenfalls ein Highlight der Platte. "Undercover" liefert zudem ein klasse Bassriff aus - drei schöne Stücke.

Letzteres verantwortet der Ende 2020 verstorbene Bones Hillman: Der Midnight Oil-Langzeit-Tieftöner hatte noch beide neuen Alben in einer sechswöchigen Aufnahmesession Ende 2019 eingespielt. Die Veröffentlichung von "Resist" hatte sich aufgrund der Corona-Pandemie dann verschoben.

Inhaltlich ist, wie oben angedeutet, ebenfalls alles an seinem Platz: Es geht um die kranke Natur, deren Hilferufe bisher zu wenige Menschen klar vernehmen. Das Streben nach Profit scheint noch immer wichtiger zu sein als Umweltzerstörung und die Klimakrise. Jeder Einzelne stehe vor gewaltigen Herausforderungen, schreibt die Band. Garrett, ehemals australischer Umweltminister, kritisiert dabei auch die Politik für ihren Wankelmut bzw. die mangelnde Priorisierung dieser Fragen.

Die Eckpfeiler der Musik der Oils stehen insofern auch Jahrzehnte später gewohnt felsenfest, über Albumlänge klingen sie dennoch relativ abwechslungsreich. Auf diesem Alterswerk fehlt eigentlich nur das, was man vermuten konnte: ein oder zwei endcoole Mitsing-Hymnen wie "The Dead Heart", "Beds Are Burning" oder "Put Down That Weapon".

Nur ein Narr glaube, dass er dasselbe Level wie vor 25 Jahren bringen könne, das Renommee einer Band sei schnell beschädigt, zitiert der Guardian Garrett auf die Frage, warum die Band in Zukunft nicht die Bühne meiden wolle. Wie auch immer, sollte die kommende Tour die letzte einer der wichtigsten Bands Australiens gewesen sein: Liebe Oils, Liebe für immer!

Trackliste

  1. 1. Rising Seas
  2. 2. The Barka-Darling River
  3. 3. Tarkine
  4. 4. At The Time Of Writing
  5. 5. Nobody's Child
  6. 6. To The Ends Of The Earth
  7. 7. Reef
  8. 8. We Resist
  9. 9. Lost At Sea
  10. 10. Undercover
  11. 11. We Are Not Afraid
  12. 12. Last Frontier

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