Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern.

Schleyerhalle, Stuttgart (giu) - Ob Sonisphere, Rock im Park/am Ring oder Rockavaria - im neuen Jahrtausend waren Metallica ein Garant für erfolgreiche Festivals. Überraschend also, als sie 2017 ankündigten, ein Jahr später auf Hallentour gehen zu wollen.

An mangelnder Popularität konnte es nicht liegen, denn die Tickets waren im Nu ausverkauft. Eher daran, dass die Band aus San Francisco ihre Spezialbühne einsetzen wollte. So standen die vier Mitglieder auch am Samstag in Stuttgart mitten in der Halle und nicht in der Ecke, was selbst bei 15.000 Zuschauern ein Gefühl der Nähe vermittelte. Dazu bespielten sie ausgiebig das aktuelle Album "Hardwired...To Self-Destruct", ihr bestes seit Ewigkeiten, und nicht die gewohnte Best Of-Show abziehen. Das war gut für Fans und Band, denn die sechs neuen Stücke brachten sie mit so viel Begeisterung rüber, dass auch die Klassiker fast schon frisch wirkten.

Die Bühne in der Mitte bereitet allerdings auch Probleme. Vor allem beim Sound, der in alle Richtungen ausstrahlt. Gemessen daran war er druckvoll und erstaunlich gut abgemischt. Auch hatten die Bandmitglieder keine schützende Wand im Rücken oder die Möglichkeit, sich mal kurz zurückzuziehen. Sänger James Hetfield nutzte eifrig die acht aufgestellten Mikrophone und spulte wie Gitarrist Kirk Hammett und Bassist Roberto Trujillo ordentlich Strecke ab, um alle Ecken zu beackern. Selbst Schlagzeuger Lars Ulrich stand auf, oft auch mitten in den Stücken, und sprintete an der Rand der Bühne, um den Zuschauern einzuheizen.

Was nicht wirklich nötig war. Spätestens, als Metallica nach dem traditionellen Ennio Morricone-Intro und "Hardwired" sowie "Atlas, Rise!" aus dem neuen Album den Klassiker "Seek And Destroy" spielten, gab es im Publikum kein Halten mehr. Statt ihr Programm runterzuspulen, bauten Metallica immer wieder kleine Spielchen ein, etwa als sie bei "Now That We're Dead" gemeinsam auf das Schlagzeug eindroschen.

Mit Notenständern ausgestattet versuchten sich Trujillo und Hammett später an "Marmor, Stein und Eisen bricht". Florian Silbereisen, der am Abend davor an selber Stelle "Das Große Schlagerfest" präsentiert hatte, wäre von der Gesangsqualität Trujillos wenig begeistert gewesen, doch die Halle bebte. Eine nette Idee übrigens, in jedem Land einen Gassenhauer einzubauen - in Wien war es eine Woche zuvor Falcos "Rock Me Amadeus" gewesen.

Dank der zentralen Lage verzichteten Metallica auf Riesenleinwände, um das Geschehen auf der Bühne im XXXL-Format abzubilden, und setzten dafür mehrere Dutzend Videowürfel ein, die unablässig von der Decke hoch- und runterfuhren und wirkungsvoll die Musik unterstrichen. Ob zerschnipselte Albumcover, Rotlichtviertel-Neonlichter, fratzenschneidende Schädel, reißerische Schlagzeilen oder gar Albrecht Dürers "Adam und Eva" - es lohnte sich, hinzuschauen. Fast schon ergreifend wirkten die Fotos namenloser Soldaten und Kampfszenen aus dem Ersten Weltkrieg zu "One" und eine Videoaufnahme von Gründungsbassist Cliff Burton, der 1986 bei einem Unfall des Tourbusses ums Leben gekommen war. Sein Nach-Nachfolger Trujillo spielte dabei das Bass-Instrumental "Pulling Teeth (Anesthesia)" aus Metallicas Debütalbum "Kill'em All" von 1983.

Auch schon eine Weile her, wie Hetfield feststellte. "Metallica gibt es seit 37 Jahren. Wenn ich sehe, wie viele junge Zuschauer heute hier sind, müssen wir wohl nochmal 20 Jahre dran hängen", erklärte er mit einer Grimasse. Nachdem sich die Bandmitglieder mit "Enter Sandman" und knappen zweieinhalb Stunden artig verabschiedeten, warfen sie noch lange Plektren in die ersten Reihen. Bei so viel gegenseitiger Zuneigung klang Hetfields Ansage eher wie ein Verheißung als wie eine Drohung.

Fotos

Stuttgart Schleyerhalle 2018 Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern.

Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Ein intimer und intensiver Auftritt vor 15.000 Zuschauern., Stuttgart Schleyerhalle 2018 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi)

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