laut.de-Kritik

Sein Name ist Williams, Robbie Williams. KREISCH!

Review von

Robbie Williams größter Traum droht zu zerplatzen: Die James Bond-Rolle wird wohl auch diesmal nicht an ihn gehen. Henry Cavill kristallisiert sich als Favorit heraus, aber es kann noch alles anders kommen. Nur Robbie, der wird es nicht. Stattdessen spielte er vorletztes Jahr lieber die Hauptrolle in einem wirren Pizzagate-Interview.

Mit dem Bond-Song wird das wohl ebenso nichts mehr. Barbara Brocollis Anruf bleibt aus. Mittlerweile spielt Robbie Williams einfach zu weit vom Zeitgeist zunehmend nur noch in der Bubble seiner eigenen Fanbase eine große Rolle.

Zwar tritt er weiter von 100.000 Menschen auf, zwar verkaufen sich seine Alben weiterhin, doch die Kreativität, der Nachdruck und der Elan seiner frühen Jahre verpuffte zuletzt nahezu komplett. Zu Beginn folgten Alben und Hits im Takt eines Augenzwinkerns aufeinander. In den letzten zehn Jahren schaffte er es hingegen auf gerade einmal zwei - freundlich ausgedrückt - durchschnittliche Longplayer mit neuem Material. Selbst die lang ersehnte Rückkehr von Guy Chambers auf "The Heavy Entertainment Show" wendete das Blatt nicht zum Besseren. Der Rest: Ein Swing-Wiederkäuer und Weihnachtskitsch.

Zum 25. Jubiläum gibt nach sechs Jahren folgerichtig nicht etwa ein neues Album, sondern eine Art Best-of. Die alten Songs noch einmal raus holen und neu aufnehmen. Überraschenderweise mal NICHT im Swing-Gewand, sondern mit großem Orchester. Welch gewitzte Idee. Hierfür orchestrierten Jules Buckley, Guy Chambers und Steve Sidwell die angestaubten Gassenhauer neu und ließen sie vom renommierten Metropole Orkest einspielen.

All zu viel ändert sich an den meisten Stücken jedoch nicht. Viele halten sich an ihre Vorgabe, ersetzen halt nur das ehemalige Arrangement mit mehr Streichern und Trompeten. Fast jeder Longplayer findet mit mindestens einem Track einen Platz. Nur "Rudebox" muss draußen bleiben und sich weiter schämen. Dabei liegt der Fokus klar auf Williams' Anfangszeit. Die letzten fünf Longplayer werden mit gerade einmal fünf der neunzehn Lieder abgefrühstückt. Mit "Lost" gesellt sich ein neuer Songs hinzu.

Einem Naturgesetz folgend steht "Let Me Entertain You" natürlich an erster Stelle. Schnell verdeutlicht sich, dass sich die Neuinterpretationen überwiegend an die Vorlagen halten, nun aber über etwas mehr Lametta verfügen. Immerhin: Trotz aller Exzesse haben die 48 Jahre offenbar noch keine großen Spuren auf Williams Stimme hinterlassen.

Nur selten funktioniert das Konzept wirklich. "Come Undone" verkommt zu einer kitschigen Weihnachtsballade. Das einst eher zurückgenommene "Feel" kippt dank einer theatralischer Opernsängerin ins Peinliche. Hätte "Millennium" gerade ein Highlight sein können, finden Orchester und Band hier keinen gemeinsamen Nenner und bleiben sich fremd. Williams wirkt fast ein wenig verloren zwischen den beiden Fronten.

Schnelle Nummern wie "Rock DJ" haben es schwer in dem Konzept. Ohne Kylie Minogue wäre "Kids" nur die Hälfte wert, also schaut sie auch diesmal vorbei. Das Orchester macht derweil eine Pause, um ganz erfrischt zu "Angels" wieder aufzutauchen. Für seinen größten Hit ziehen sie wirklich alle Register und Klischees, die eine Zusammenarbeit von Pop-Star und Klassik zu bieten hat. Im Guten wie im Schlechten.

Viel besser funktioniert dies im ähnlich aufgebautem "No Regrets", das nach ruhigem Anfang von Bläsern durchgeschüttelt und zu einem neuen Leben erweckt wird. "The Road To Mandalay" findet einen viel ruhigeren Ansatz, bei dem es erstaunt, wie gut der "Bom bom bom ba da dup bom bom"-Refrain auch hier passt. Das ausufernde Ende könnte kaum schöner umgesetzt sein. Spätestens in diesen beiden Augenblicken hat Robbie Williams sie dann doch noch: Seine James Bond-Momente.

Trackliste

  1. 1. Let Me Entertain You
  2. 2. Come Undone
  3. 3. Love My Life
  4. 4. Millennium
  5. 5. The Road To Mandalay
  6. 6. Tripping
  7. 7. Bodies
  8. 8. Candy
  9. 9. Supreme
  10. 10. Strong
  11. 11. Eternity
  12. 12. No Regrets
  13. 13. She's The One
  14. 14. Feel
  15. 15. Rock DJ
  16. 16. Kids
  17. 17. Angels
  18. 18. Lost
  19. 19. Nobody Someday

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