laut.de-Kritik

Unorthodoxes Album zwischen Country und Blues.

Review von

"Death Wish Blues" schöpft die Chancen einer recht spontan in zehn Tagen durchgezogenen Platte aus. Blueserin Samantha Fish und Country-Rocker Jesse Dayton setzen auf knackige Riffs, auf breite Dynamik sowie auf interessante Kontraste zwischen Starkstrom-Passagen und Abschnitten, in denen die Gesänge frei stehen. Jesse und Samantha teilen sich die Vocals unorthodox auf.

Schon formal sorgen sie damit im "Death Wish Blues" für Hinhör-Effekte. Sie säuseln keine klassischen Duette, sondern umgarnen einander in ihren Zeilen manchmal, unterstützen sich wechselseitig, singen choral, überlassen dem Partner mal kurze, mal lange Abschnitte. Keine*r von beiden führt, und man weiß nie vorneweg, wann sie sich abwechseln. Mal singt nur sie ( "No Apology", "Rippin' And Runnin'", "Settle For Less"), mal nur er ("Trauma"), oft sind beide dran. Beide spielen Lead Guitar, beide mit Passion und Virtuosität.

Dynamik bedeutet hier, dass es laute, säbelnde Stellen und frei stehende mit wenig Instrumentierung und Fokus auf die Stimmen gibt. Diese Aufteilung macht bereits der zweite Track, "Down In The Mud", sehr klar. Während Samantha-Konzerte und auch ihre Solo-Alben bis einschließlich "Kill Or Be Kind" konsequent Lärm-Tapeten entwarfen, stehen nun die Song-Erzählung und die eindeutige Verständlichkeit der Sprache im Vordergrund. Daran erinnert in erster Linie noch "Dangerous People". Aber auch da übernimmt in der Amplifier-Kakophonie bereits viel Rock'n'Roll das Ruder.

Ansonsten gilt: Strophen, Refrains und Bridges grenzen sich messerscharf voneinander ab und distanzieren den Modern Electric Blues von den Bonamassa-Bottichen, in denen einfach viele Minuten Gegniedel ein undurchdringliches Ganzes malen - ein Stil, an dem sich viele orientierten und der eigentlich die letzten zwölf bis 15 Jahre gerade in Deutschland sehr gut ankam.

Samantha probiert jetzt, wohlgemerkt mit einem Nicht-Blueser an ihrer Seite, das Inkorporieren von Garage-Gitarren-Riffs aus, so im energischen "Settle For Less". Dazu passt, dass Jesse Dayton mal mit einer Punkband tourte. Zwischenrein ist auch einfach mal Alternative Rock-Storytelling mit betörendem Basslauf angesagt, im großartigen "Rippin' And Runnin'". Das dunkle und emotional auffiebernde Stück zieht als einer der Magneten des Albums vielleicht auch ganz neue Fan-Kreise, die mit Blues oder Country eventuell nicht ganz so viel am Hut haben.

Dynamik heißt hier zudem, dass die anrührende, bittersüße Ballade "No Apology", mit Skunk Anansie-Magie in den ersten zwei Dritteln und Stax-Feeling im letzten Drittel, gegen Dröhn-Wumms mit Megaphon-Ästhetik ("Deathwish") prallt und zwischendrin Figuren aus Prog-Rock und Industrial aufjaulen ("Trauma").

"No Apology" zeigt ein bisschen Etta James-Kehle in der gesteigerten Dramatik der zuletzt wiederholten Hook, und "Don't Let Me Down" der Beatles hallt zwischen den Zeilen ebenfalls wieder. Was ganz schön festzustellen ist, obwohl es das Hörerlebnis ein bisschen stolpersteinig macht, ist das Vermeiden von allzu viel Eingängigkeit und der Mut zum Schroffen, bisweilen Schiefen und Schrägen. "Lover On The Side" etwa lässt sich wie eine triumphale Jagd von Cowgirl und Cowboy mit dem Lasso auf ihren Hengsten an und klettert am Ende rasend auf der Tempo-Skala ins Wilde. Ein bisschen überdreht, aber definitiv nicht wie das, was man sonst hört, eine Art ZZ Top in High-Speed vorgespult.

Spätestens im raunenden Spoken Word mit Gequieke, Gebratzel, Rockabilly-Riffs, satirischen Lyrics über eine Gucci tragende Cadillac-Fahrerin wird offenkundig, dass Jon Spencer das Album produziert hat. Samantha legt Wert darauf, dass die unkonventionelle Herangehensweise des Blues Explosion-Chefs ganz bewusst ihre eigene Arbeit zu neuen Ufern führen sollte.

Wie dann auch Country-Pop der Zukunft klingen könnte, markiert das erst liebliche, dann dissonante "Know My Heart", womit Fish und Dayton einen unerwarteten Schluss unter ein ungewöhnlich frei gehaltenes Album setzen. Zwar mangelt es an einem erkennbaren Hit. Als quirliger Longplayer mit Karacho und Feingefühl ist "Death Wish Blues" sein Experiment jedenfalls wert.

Trackliste

  1. 1. Deathwish
  2. 2. Down In The Mud
  3. 3. Riders
  4. 4. Settle For Less
  5. 5. Trauma
  6. 6. No Apology
  7. 7. Flooded Love
  8. 8. Lover On The Side
  9. 9. Rippin' And Runnin'
  10. 10. Dangerous People
  11. 11. Supadupabad
  12. 12. Know My Heart

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