laut.de-Kritik

Tanzbarkeit ist erste Songpflicht.

Review von

Keyboarder Johnny Sanders ist weg, Sänger Tom (ebenfalls Sanders) geht seinen Soloumtrieben offensiver als je zuvor nach, und trotzdem sind Teleman nicht totzukriegen. "Good Time/Hard Time" heißt das vierte Werk der Briten und wir freuen uns, dass sie noch unterwegs sind, denn den schmissigen, vordergründig simplen, aber meist mit genug Wenden und Ösen versehenen Trademark-Sound der Band (Überhit: "Fun Destruction") konnte noch niemand so recht überzeugend kopieren. Auch wenn der Band selbst manchmal vorgeworfen wird, Modest Mouse und Metronomy zu verschmelzen, das muss man halt erstmal schaffen. Damit einhergehend stellt sich aber natürlich die Frage, wie J. Sanders ersatzloser Abgang sich eigentlich auswirkte.

"Short Life" zeigt gleich mal, dass an der grundsätzlichen Bandidee nicht gerüttelt wird: komplexe Opern sind auch auf "Good Time/Hard Time" nicht zu finden. Tanzbarkeit ist erste Songpflicht. Der Opener macht es gut, da Keyboard und Bass den Song immer weiter nach vorne treiben, so schwimmt der Track eben so vorbei, bevor er zu lang oder abwechslungsarm würde. "Trees Grow High" nimmt Tempo raus und bestätigt die Entwicklung der Band hin zu mehr Elektronischem (ja, nachdem der Keyboarder ging). Der Refrain ist catchy, ansonsten fehlt das Spiel mit dem Druck. Die guten Ideen des Songs kommen nie so recht zur Entfaltung. "Wonderful Time" greift zwar auf gewohntes Instrumentarium zurück, die Chöre im Song lassen aber jeden Ansatz unter Kitsch und Mittelmaß versinken.

"Easy Now I've Got You" beginnt dagegen deutlich eleganter und packt nicht alles sofort aus. Vor allem zeigt es zum ersten Mal auf "Good Time/Hard Time" eine Richtung auf, die wirklich funktioniert. Sanders und der schillernde Sound umwickeln einander, während der catchy Bass das Bett zum Schwanken bringt. Der Titel nimmt das Hauptthema des Titels auf: Good Time in einer Hard Time suchen. So selbstsicher und fast schon lasziv hörten sich Teleman noch nie an. Die Liebeselegie, das Albumhighlight "Cherish", hält Qualität und Atmosphäre. Auch hier gibt Sanders eher den Crooner als den Indie-Eiferling, und die Rolle steht ihm gut. Die Qualitäten der Band kommen gut durch, das eindringlich Repetitive findet sich auch auf diesem Track, getragen von der tollen Gitarre, die einem 1A-Popsong ihren Stempel aufdrückt.

"Hello Everybody" lässt das romantische Narrativ für den üblichen Optimismus gleich wieder liegen; sein kindlich-simpler Charme ist sein Untergang, zu tapsig und unbeholfen gerät das Ganze. Der doppelte Boden fehlt und übrig bleibt ein Kinderlied. "I Can Do It For You" behaupten die drei Briten daraufhin, und sie haben recht: Ein solider Poprocker im üblichen Bandgewand, dessen Space-Effekte ihn aber nicht über Durchschnitt heben. "The Juice" fühlt sich eher nach sechs als knappen drei Minuten an, die eine Idee – der Keyboard-Beat – hält nicht lange vor. Auf "The Girls Who Came To Stay" passiert gar nicht viel und zwei Minuten länger ist es auch, trotzdem ist es der weitaus bessere Song. Vor Nostalgie triefend erwischen die drei Musiker genau den richtigen Ton. Alles zieht sich angenehm karamellig und wenig bedrohlich, Weird Disco wurde geboren. Der Titeltrick gibt den Closer und gehört eher zur unentschlosseneren Sorte auf diesem so bipolaren Album.

"Good Time/Hard Time", das gilt also auch für den Hörgenuss. Die drei Briten wollen das eigene musikalische Erbe ganz offensichtlich ehren, übertreiben es aber halt ein wenig und stellen der eigenen Weiterentwicklung so ein Bein. Auf "Good Time/Hard Time" sind es manchmal sogar zwei, und das ist angesichts des nach wie vor vorhandenen Talents bedauerlich. Dennoch: Die Zutaten sind da.

Trackliste

  1. 1. Short Life
  2. 2. Trees Grow High
  3. 3. Wonderful Times
  4. 4. Easy Now I've Got You
  5. 5. Cherish
  6. 6. Hello Everybody
  7. 7. I Can Do It For You
  8. 8. The Juice
  9. 9. The Girls Who Came To Stay
  10. 10. Good Time / Hard Time

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Teleman

Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne, denken sich Dreifünftel der Indiepoprocker Pete And The Pirates. Aus der Asche jener Band aus dem englischen …

Noch keine Kommentare