laut.de-Kritik

Tinas Reibeisenröhre veredelt die eher einfach gestrickten Songs

Review von

"When The Heartache Is Over" heißt die vorausgekoppelte Single von Tina Turners neuer Platte und der Titel gibt die Thematik des Albums vor. Wie die meisten (und besten) Songs der mittlerweile 60-jährigen handelt "Twenty Four Seven" von Liebeskummer, Leid und Lebenskrisen und wie immer ist es die großartig rauhe Stimme der "Queen Of Rock'n'Roll", die solch düsteren Gefühle ein glaubwürdiges Leben einhaucht.

Ohne diese Stimme wäre 'Heartache' eine eher fade Disconummer mit einem einfallslosen Beat. Doch offensichtlich setzen die Produzenten Brian Rawlings und Marc Taylor, die erst kürzlich Cher mit "Believe" zu einem Superhit verholfen haben, genau auf diesen Gegensatz zwischen glatten, einfach gestrickten Songs und Tinas Reibeisenröhre.

Die Mischung trägt: Rhythmusmaschine und blubbernder Bass treiben "All The Women" voran, geschickt gesetzte Pausen nehmen dem Song den flächigen Charakter und geben erst den richtigen Groove. "Absolutely Nothing's Changed" ist eine leicht depressive Soulnummer, "Go Ahead" eine feine melancholische Ballade mit Synthieflächen und sparsamen Samples und das Titelstück "Twenty Four Seven" astreiner Bluesrock.

Trotz moderater Modernisierung und dem durchaus erkennbaren Willen zur Stilvielfalt überwiegen bei Tina Turners neuem Album doch die vertrauten und bewährten Klänge. Die Rock-Oma wirkt keineswegs müde, aber vielleicht hat man mit 60 einfach einen anderen Blick für die Modeerscheinungen der Gegenwart. O-Ton Tina: "Sie fügen ein paar Sounds hier hinzu, ein paar Drum-Beats dort, aber es ist im Grunde die gleiche Musik, wie wir sie auch früher machten". Wie wahr, wie wahr.

Trackliste

  1. 1. Whatever You Need
  2. 2. All The Women
  3. 3. When The Heartache Is Over
  4. 4. Absolutely Nothing's Changed
  5. 5. Talk To My Heart
  6. 6. Don't Leave Me This Way
  7. 7. Go Ahead
  8. 8. Without You
  9. 9. Falling
  10. 10. I Will Be There
  11. 11. Twenty Four Seven

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