laut.de-Kritik

Alternative Rock meets True Crime.

Review von

"Das ist unsere Welt, das sind unsere dunkelsten Gedanken und Gefühle – unsere Geister – auf Band. Ihr seid willkommen, euch uns anzuschließen." Laura-Mary Carters und Steven Ansells Einladung zu "Ghosts On Tape" wirkt umso verlockender, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass das Rockduo aus Brighton schon immer eher zu den Außenseitern gehört hat, wie sie auch selbst zugeben: "Wir haben unsere ganze Karriere damit verbracht [...], dass wir abgelehnt wurden, dass wir nicht dazugehören, und mit diesem Album drängen wir bewusst in unsere ganze Fremdartigkeit [...]." Es drängen sich daher die Fragen auf, was sich wohl hinter den dunkelsten Gedanken von Außenseitern verbirgt, und ob sie genauso düster klingen, wie man es sich vorstellt.

Mit "Comply" bereitet das Duo einen gelungenen Psychothriller-Einstieg. Zu der anfangs verstörend-einsamen Klaviermelodie gesellt sich Ansells zusehends verzerrte Stimme, die zum Ende hin nahezu hysterisch wiederholt "I will not comply / I will not comply / I will not comply / I will not comply" - ein erster Einblick in besagte dunkle Gedanken. Denn Ansell verkörpert hier eine eingesperrte Person, die so manch Psycho-Terror mitmachen muss: "And you won't let me go outside / Taking shape / To dominate / Built me up tall / To shrink me smaller than ever".

Der nachfolgende Song mit dem treffenden Titel "Morbid Fascination" schiebt die düstere Spannung beiseite und macht Platz für mehr wummernde Gitarre und schlagkräftige Drums - erinnert auf jeden Fall mehr an Blood Red Shoes' erste Alben. Das bedeutet in diesem Fall aber weniger Gutes, da "Morbid Fascination" zwar mehr Tempo aufbringt, aber weniger dynamisch ist als "Comply" und dadurch schlichtweg eintöniger wirkt. Da bieten auch Carters gewohnt lässige Stimme und die creepy Lyrics nicht genügend Gegengewicht ("Overheard your conversation / In a place, I didn't know / [...] I could barely breathe when you said my name / What I heard now I can't undo (Is it true?)").

Spätestens bei "Murder Me" merkt man, dass das Duo eine Vorliebe für True Crime-Storys hat, da die Lyrics ein beunruhigend reales Mord-Szenario zeichnen, dem Carter mit ihrer fast schon nach Luft ringenden Stimme umso mehr Authentizität verpasst. Der stetige Nachhall verstärkt diese Wirkung noch.

"Give Up" klatscht hingegen von der ersten Sekunde mit ordentlichem Tempo nach vorne, während Ansells verzerrte Stimme und die psychedelisch-düstere Gitarre nahtlos ineinanderfließen, als wären sie ein und dasselbe Instrument. Leider belässt Blood Red Shoes es nicht bei einem temporeichen Rausschmeißer, sondern kappt die Geschwindigkeit auf halber Strecke, um "Give Up" in langsamer, schnöder Atmosphäre zu beenden. Die beiden nehmen dem Song an dieser Stelle wirklich den Wind aus den Segeln.

"I'll make you / Wish you'd never been born / I'll break you / Take you away from your home" - während Carter saftige Drohungen mit höchster Nonchalance verlauten lässt, geht "Dig A Hole" mit dröhnender Gitarre und flottem Schlagzeug voran. Im Chorus übernehmen dann aber unerwartete Saloon-Vibes das Steuer, wodurch "Dig A Hole" erfrischend abwechslungsreich klingt. Denn das vorausgehende "I Am Not You" weist zwar auch große Unterschiede zwischen Strophe und Chorus auf, aber eben nur hinsichtlich der Dynamik. "Dig A Hole" klingt daher wesentlich ausgereifter als "I Am Not You".

Leider hört der Trend zur Langeweile nicht damit auf. Weder "Sucker" noch "Begging" oder "I Lose Whatever I Own" setzen Akzente. In den zwei erstgenannten Tracks kommt Carters Stimme zwar gut zur Geltung, aber nach Überraschungen oder generell Momenten, an die man sich kurz danach noch erinnert, sucht man vergebens.

Insgesamt hat das Duo die klangliche Umsetzung weniger konsequent gestaltet als man es erwartet, wenn man in die eigene 'Fremdartigkeit' eintauchen möchte. Häufig wirken die Songs zu eindimensional und werden den düsteren Lyrics nicht gerecht. Vereinzelt hört man die verstörenden Gedanken durch, aber nicht so flächendeckend, wie es nötig gewesen wäre für die Idee hinter dem Album.

Trackliste

  1. 1. Comply
  2. 2. Morbid Fascination
  3. 3. Murder Me
  4. 4. (I've Been Watching You)
  5. 5. Give Up
  6. 6. Sucker
  7. 7. Begging
  8. 8. (You Claim To Understand)
  9. 9. I Am Not You
  10. 10. Dig A Hole
  11. 11. I Lose Whatever I Own
  12. 12. (What Have You Been Waiting For)
  13. 13. Four Two Seven

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LAUT.DE-PORTRÄT Blood Red Shoes

Sie kommen zwar aus dem englischen Brighton, sind dort aber nicht aufgewachsen. Wo genau die beiden Mitglieder Laura-Mary Carter (Gesang und Gitarre) …

2 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 3 Monaten

    Schade, die letzte Platte war auch schon ganz schön langweilig. Hab die beiden aber schon vier mal live gesehen und würde es wieder tun. Konzerte Anfang Feb. aber auch schon abgesagt.

  • Vor 3 Monaten

    Schon immer sehr ghostige Band, mal gesehen im Vorprogramm von The Gaslight Anthem, sehr blass alles. Live, Alben, die Band an sich. Eigentlich belanglos, beliebig wie das Leben von uns Menschen wenn wir uns die dritte Tasse Kaffee zuführen während wir Lanz und Precht dabei zuhören, warum Nokia den großen Smartphone-Hype verpasst hat. Irgendwo auf der Welt freut sich bestimmt jemand, aber lasst uns mal nicht vergessen, der frühe Vogel fängt den Wurm.

    Grüße gehen raus an den Butter Kai und King Cobra.