Was vor vierzig Jahren als Zufallsprodukt begann, als man Blixa Bargeld fragte, ob er nicht im Berliner Moon-Club auftreten wolle, entwickelte sich im Laufe der Zeit zum einflussreichsten musikalischen Exportprodukt aus deutschen Landen seit Can und Kraftwerk. Für die Einstürzenden Neubauten aber …

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  • Vor 2 Jahren

    Sehr ausführliche Rezi, natürlich gibt's dafür 5 Sterne vom Rezensenten, ist ja schließlich ganz große Kunst. Die Neubauten gelten schon immer als unantastbar, obwohl eigentlich kaum jemand ihre Musik hört. Über weite Strecken ist der Krempel ja auch unanhörbar, wenn wir mal einen Moment lang versuchen, ganz ehlrich zu sein.
    Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Geräusch-orientierte Herangehensweise auf viele Musiker Eindruck gemacht hat (vor 30 bis 35 Jahren oder so, als Samples noch ganz neu waren und voll innovativ). Allerdings waren es dann auch andere Bands und Musiker, die das alles viel besser (auch zugänglicher) gemacht haben als die Neubauten selbst. Und so ist Blixa Bargeld bis heute als Person (oder vielleicht auch nur als Name) viel, viel bekannter als seine Musik. Insofern haben wir's hier mit einer Kunst zu tun, die für Künstler gemacht ist. Wie ein Haus VON Architekten FÜR Architekten, alles total futuristisch und neu, aber eben ansonsten von beschränkter Nachvollziehbarkeit, was dazu führt, dass es eigentlich keiner so richtig haben will. Alles irgendwie sehr beeindruckend, aber eben ein Ladenhüter, der am Ende in der Auslage stehen bleibt.

    • Vor 2 Jahren

      "Allerdings waren es dann auch andere Bands und Musiker, die das alles viel besser (auch zugänglicher) gemacht haben als die Neubauten selbst."
      Ist ja wohl auch keine Kunst, in dieser Richtung zugänglicher zu sein. Das war glaub ich nie ihre Intentionen. Was meinst du denn beispielsweise für Bands?

    • Vor 2 Jahren

      Cleaner, das ist jetzt vielleicht deine Meinung, würde das aber nicht verallgemeinern. Ich bin jetzt kein Neubauten-Kenner, höre aber auch ab und zu "anstrengende" Musik. Es gibt halt so Künstler oder Alben, die kann man sich nicht ständig geben, vielleicht auch nur ganz selten, in den richtigen Momenten kommt der Sound dann aber umso besser. Zu behaupten, dass alle die Neubauten nur loben um intellektuell rüberzukommen ist halt auch Quatsch, zumal deren Tracks auch gerne auf DarkWave/Industrial-Parties gespielt werden, wo du jetzt nicht nur ein typisches Künstlerpublikum hast.

    • Vor 2 Jahren

      Spätestens mit dem Album "Tabula Rasa" von 1993 waren die Neubauten überaus hörbar. Ich wundere mich, dass man die Band immer noch mit Krach assoziert. So waren klassische Streicher schon Anfang der 90-er ein wichtiger Teil des Neubauten-Klang-Kosmos. "Krach" und Presslufthammer wurden immer mehr zu einem nostalgischen Zitat der Anfangszeit.

    • Vor 2 Jahren

      Ist ja auch gut so, der Schockeffekt von den Noise-Eskapaden zu Anfang hätte sich anders ja auch schnell abgenutzt und die Band wäre irrelevant geworden.

    • Vor 2 Jahren

      Blixa Bargeld hat selbst zugegeben dass er nur sehr selten Neubauten hört. Erfordert halt eine recht spezielle Stimmung.
      Aber dadurch dass die Neubauten diese spezielle Nische füllen haben sie mehr Existenzberechtigung als viele andere Bands, die sich untereinander kaum unterscheiden. So sehe ich es zumindest.

  • Vor 2 Jahren

    Ihr Frühwerk war immens wichtig, aber man kann nicht 40 Jahre lang einfach nur Krach machen. Insofern finde ich die Entwicklung der Band erstaunlich und erfreulich. "Alles in allem" ist in der Tat ihr kompaktestes und wahrscheinlich bestes Werk seit "Silence is sexy".

  • Vor 2 Jahren

    Bin scheinbar nicht Oberschicht genug um dem ganzen was abzugewinnen. Ist für mich tatsächlich eher Tutanchamun als tatsächliche Musik. Ganz schlimm.

  • Vor 2 Jahren

    Alles in Allem überraschend eingängiges Album, das man von Anfang bis Ende durchlaufen lassen kann. Richtig gut.

  • Vor 2 Jahren

    Ja. Seit rd. 30 Jahren bin ich mir bei Blixa und seinen Neubauten nicht sicher, ob das jetzt die große Kunst oder großer Krach ist. Da ich immer mal wieder etwas von ihnen gehört habe und auch auf heute gespannt war, tendiere ich mal eher zu Kunst.

    Krach wird nur einmal angedeutet, beim Rest geht's recht entspannt zu. Der Opener, der mich als einziger Track an alte Neubauten-Tracks erinnert, sticht dann noch ein wenig heraus. Ist auch sicherlich ein Highlight.

    Teilweise in abstrakter, mich an von Lowtzow erinnernde Sprache, teilweise überraschend klar formuliert. Musikalisch die Sprache untermalend. Und Das in ziemlich gut.

    Erstmal zücke ich die 7,5.
    Ich rechne aber mit Wachstum.

  • Vor 2 Jahren

    Bin da voll bei Toni und virpi, hier gibt's nix zu meckern. Die Vorwürfe des ersten Kommentators kommen üblicherweise von Leuten, die mal in ein Stück zu "Kollaps"-Zeiten reingehört haben und der Band seither keinen Fuß breit Weiterentwicklung zugestehen, weil sie sich de facto auch nie wieder mit deren Musik auseinandergesetzt haben.

    "Sabrina" z.B. ist in jeder Hinsicht eine der großartigsten Songschöpfungen des aktuellen Jahrtausends, ganz ohne prätentiösen Lärm oder aufmerksamkeitsheischende Selbstreferenz - einfach ein rundum gelungener Song.

  • Vor 2 Jahren

    5 Punkte bei der Rezi auf Laut.de.
    Schade, sonst hätte ich mal rein gehört.

  • Vor 2 Jahren

    neben Lärm gab es auch öfter mal gute Songs, wie zum Beispiel Blume. Auf Albumlänge keine Musik, die für mich dauerhaft hörbar war. Einzelne Sachen haben mir immer ganz gut gefallen. Ich denke BBargeld wird von den Bad Seeds einiges an Songwriting und Arrangement Erfahrung mitgenommen haben. Da er nun u.U. davon leben muss, was er da auf Tonträger wirft, könnte das der Hörbarkeit positive Aspekte hinzubringen. Die ersten 2 Songs bestätigen den Eindruck schonmal; für diese 4/5.

  • Vor 2 Jahren

    Cover sieht aus wie bei einer Deutschpop-Boygroup, aber ich höre mal rein ;-)

  • Vor 2 Jahren

    Wächst und wächst und wächst.

  • Vor 6 Monaten

    Wenn man sich den ganzen Schrott mal durchliest, der bei anderen als Deutsche Songtexte bezeichnet wird, könnte man weinen. Hier ist das definitiv anders. Mancher Song ist sicher zu verkopft und lyrisch sehr verklausuliert, aber die Ergebnisse sind ziemlich einmalig. Ich persönlich halte Blixa Bargeld für den vielleicht besten deutschen Songtexter. Man muss das nur mal mit einer Platte von Joachim Witt vergleichen und die Sache ist klar, denke ich.

    • Vor 6 Monaten

      Richtig. Ganz große Sprachkunst.
      Der Vergleich zu von Lowtzow, der hier gebracht wurde, ist sicherlich berechtigt.

      Ich kam in den späten 80ern mit „Haus der Lüge“ zu den Neubauten.
      Krach, wie in den Anfängen, gab es da praktisch schon nicht mehr.
      Ist ähnlich wie bei den Krupps. Die haben mal mit „Stahlwerksinfonie“ angefangen.

      Sicher ist das aber trotzdem nichts, was man Sonntagnachmittag beim Familienkaffee im Hintergrund laufen lässt.

      Aber bewusst, gerne auch mit Kopfhörer, zumindest für mich ein Genuss. Live in einer Location wie dem Theater am Marientor (DUisburg 2017) unfassbar gut. Man versteht den Text, der ein ganz wesentliches Element der Musik ist, aufgrund der guten Akustik und sieht zudem wie die Musik „gemacht“ wird.
      Da fällt mir die 2004er Tour zur „Perpetuum Mobile“ ein, faszinierend wie die da mit Druckluft „gearbeitet“ haben.

    • Vor 6 Monaten

      Ich durfte sie mal in der Kölner Philharmonie live erleben und es war wirklich und ehrlich ein Genuß. Und die Solosachen mit Teho Teardo sind ebenfalls sehr hörenswert. Auch live eine kleine Bank, die zwei. Blixa ist da auch etwas lockerer gewesen und hat mal was aus dem Nahkästchen erzählt.