laut.de-Kritik

Klingt am besten, wenn man es wieder "ausmacht".

Review von

Wir schreiben das Jahr 1996, als in Berlin der Sohn eines serbischen Vaters und einer marokkanischen Mutter geboren wird. Knapp 26 Jahre später veröffentlicht Emilio Sakraya Moutaoukkil unter seinem Künstlernamen Emilio sein zweites Studioalbum mit dem selten kreativen Titel "1996".

Eigentlich ist Emilio Schauspieler und unter anderem dank Bibi & Tina oder 4 Blocks bekannt. Doch anders als bei Matthias Schweighöfer und Co. ist der Ausflug ins Musikgeschäft in seinem Fall zumindest nicht allzu abwegig, fing er doch schon mit elf Jahren an, Klavier, Gitarre und Schlagzeug zu spielen. Geben wir dem Ganzen also eine Chance.

Und das Album startet richtig solide. "Lang Nicht Vorbei" verbindet cooles Sampling mit einem schönen Klavier und lässigem Beat, zu dem Emilios Rap-Einlagen erstaunlich gut passen. Mal abgesehen vom belanglosen Text ein wirklich starker Opener! Ganz kurz kommt Hoffnung auf: folgt da womöglich die Überraschung des Jahres? Ein richtig gutes Album?

Um es mit einem Zitat aus der Bibel zu sagen: Matthäus, 5,37. 8. Wort: "Nein." Und zwar ein fettes Nein. Jegliche Hoffnung wird nämlich vom zweiten Song "Ausmacht" Tsunami-artig brutal weggespült. "Und wenn's dir nichts ausmacht ...", singt Emilio. Doch, es macht mir was aus. Vom klischeehaften Deutschpop-Beat über den grauenhaft schnulzigen Text bis hin zum Gesang macht mir einfach alles an diesem Song was aus. Außer wenn jemand ihn ausmacht.

Damit haben wir das Highlight und das absolute Lowlight bereits abgehandelt. Es folgen viele Songs die so lala sind. So lala, weil sich im Ansatz der Instrumentals ganz oft Potenzial andeutet. Etwa bei den netten Gitarren in "Falsches Signal" oder "Warum" oder bei den fröhlichen Klavier-Intros von "Unendlich" oder "Wach". Schade, dass dann meistens eben doch die langweiligen Standard-Pop-Sounds dazukommen.

Solange sich die Tracks nämlich in Richtung Hip Hop bewegen, beispielsweise bei "Schicksal", machen sie tatsächlich vereinzelt Spaß. Das liegt auch daran, dass Emilio deutlich besser rappt als erwartet. Ich kauf es ihm nicht ganz so ab wie etwa einem Majan, trotzdem verdienen die Rap-Skills durchaus Beachtung, beste Beispiele "Winter" und "Lang Nicht Vorbei".

Problematisch wird es, wenn er anfängt zu singen. Die Stimme ist weiß Gott nicht schlecht, aber in Verbindung mit den deutschen Texten kicken einfach auf der Stelle die Wincent Weiss-Vibes rein und ich merke, wie sich ein exorbitantes Aggressions-Gefühl zwischen meinen Ohren ausbreitet. "Wach" erinnert an Mark Forster, "Danke" an Lotte und "SOS" braucht nicht mal eine Assoziation zu einem anderen Artist, um schlimm zu klingen.

Eine Instrumental-Version des Albums könnte sich sicher hören lassen, Produzent Truva hat einen ordentlichen Job gemacht. Besonders die happy Gospel-Einflüsse aus "Bei Mir" kann man an der Stelle noch hervorheben.

Die Texte behandeln zu 90% die üblichen lahmen Liebes- und Trennungsgeschichten, in "Winter" und "Oma Ti" wird es ein wenig persönlicher, nur letzterer wirkt allerdings richtig authentisch. Alles in allem machen die Lyrics nochmal einen fetten Minuspunkt von "1996" aus.

"1996" ist ein Album, dem ich gern mehr abgewonnen hätte, als da ist. Im Endeffekt gab es dieses Jahr schon deutlich schlechteres, aber am besten klingt "1996" dann eben doch, wenn man es ausmacht.

Trackliste

  1. 1. Lang Nicht Vorbei
  2. 2. Ausmacht
  3. 3. Falsches Signal
  4. 4. Warum
  5. 5. Käfig Aus Gold
  6. 6. Winter
  7. 7. Unendlich
  8. 8. SOS
  9. 9. Schicksal
  10. 10. Wach
  11. 11. Danke
  12. 12. Bei Mir
  13. 13. Oma Ti

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