laut.de-Kritik

Erstaunlich zugänglich - für Liars-Verhältnisse.

Review von

Wie eine Reise durch ein Wurmloch soll sich das neue Liars-Album anhören, meint Frontmann/Bandgründer Angus Andrew. Anstatt wie in der Vergangenheit hauptsächlich alleine an den Songs zu arbeiten, hat sich der Musiker aus New York für "The Apple Drop" die Unterstützung von Avantgarde-Jazz-Drummer Laurence Pike und Multiinstrumentalist Cameron Deyell gesichert. Beide Musiker haben Andrew schon bei seinen Konzerten begleitet. Die Instrumente wurden im Tonstudio aufgenommen, die finalen Arrangements hat Andrew aber am heimischen Laptop umgesetzt und sich dabei stark von elektronischer Musik und Algorithmen inspirieren lassen, die zufällige Sounds und Texturen erzeugen.

Zugegeben, das klingt alles erstmal ziemlich verschroben, aber am Ende fällt "The Apple Drop" gar nicht so experimentell aus, wie man vermuten könnte. "The Start" drückt ordentlich nach vorne, was vor allem dem Schlagzeugspiel von Laurence Pike in Kombination mit den Synthesizern zu verdanken ist. Generelll wird bereits beim Opener deutlich, wie sauber und organisch hier akustische und elektronische Soundelemente zusammengefügt wurden.

"Sekwar" erinnert mit seiner Synth-Melodie und dem trockenen Vortrag der Lyrics stark an Baxter Durys "The Night Chancers", zumal Zeilen wie "They tell me I'm a juiced up worn out sad sack / And they can't figure out what I'm trying to do here" direkt aus der Feder des besagten Musikers stammen könnten. Ein weiteres Highlight ist "Big Appetite", eine epische Rock-Ballade garniert mit Glitch-Sounds. "My Pulse To Ponder" weckt zudem erfreuliche Erinnerungen an die niederländische Truppe De Staat.

Nach zehn Alben bleiben die Liars eine ungreifbare Truppe, die sich ständig neu formiert und verschiedene Richtungen austestet. Der Gesang von Andrew ist nach wie vor Geschmackssache, ansonsten ist "The Apple Drop" ein hervorragendes Album geworden, das auch neuen Zuhörer:innen den Weg in die Band-Diskographie ebnen könnte.

Trackliste

  1. 1. The Start
  2. 2. Slow And Turn Inward
  3. 3. Sekwar
  4. 4. Big Appetite
  5. 5. From What the Never Was
  6. 6. Star Search
  7. 7. My Pulse To Ponder
  8. 8. Leisure War
  9. 9. King Of The Crooks
  10. 10. Acid Crop
  11. 11. New Planets New Undoings

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1 Kommentar

  • Vor einem Jahr

    Bin sehr gespannt. Abgefahrene Reise mit ihm/ihnen seit meinem persönlichen Einstieg bei "They were wrong, so we drowned". Allein der stilistische Schnitt dort zum von mir nachgeholten Vorgänger damals... Whoa. Die letzten beiden Scheiben rangieren aus verschiedenen Gründen bei mir zwar nur unter "ferner liefen...", aber bei dieser hier treffen spannende Rezi-Eindrücke auf persönliche Optimalbedingungen wie unverplante Rest-Freizeit und offene, interessierte Ohren.