laut.de-Kritik

Magnum mögens heiß.

Review von

Magnum, Flagschiff des Melodic Rock, steuern 2022 ihre fünfzigste Sonnenumrundung an. Von einem Hänger in den für traditionelle Rockspielarten eher undankbaren Neunzigern einmal abgesehen, liefern die Briten um Hauptsongwriter Tony Clarkin und Reibeisen- wie Goldkehle Bob Catley Album für Album den Beweis ihrer Qualität ab. Die seit den Nuller-Jahren in schöner Regelmäßigkeit erscheinenden Alben spiegeln das Selbstverständnis der Truppe wider und docken an das Achtziger-Referenzwerk "On A Storytellers Night" an, ohne die Blaupause zu kopieren.

Magnum mögens heiß und spendieren ihrem an AOR-Granden wie Foreigner oder Metal-Göttern wie Iron Maiden geschulten Rock mit "The Monster Roars" ein weiteres musikalisch und lyrisch perfekt austariertes Kapitel. Dabei wirkt das Monster auf dem Artwork etwas deplatziert, vielleicht auch nur weil es dem Rezensenten nach zu kurzer Nacht ähnelt. Das verhältnismäßig düstere Cover spiegelt die auf dem neuen Album präsentierte Musik nicht wider.

Clarkin als versierter Songwriter kitzelt aus seiner Mannschaft trotz oder wegen der langen Erfahrung das Maximum des Möglichen heraus. Dabei tritt der Gitarrist als echter Teamplayer auf, der meist seinem Frontman sowie Tastenmann Rick Benton, der das langjährige Mitglied Mark Stanway seit "Lost On The Road To Eternity" behände ersetzt, die Bühne überlässt. Der Titeltrack geht als Lehrstück in puncto Dramatik durch.

Als Mini-Musical konzipiert, leitet eine Piano-basierte Strophe ins Geschehen ein. Sänger Bob Catley führt den Hörer in den emphatischen Refrain. Der charismatische Fronter zählt mittlerweile 74-Lenze, zeigt stimmlich aber keine Abnutzungserscheinungen. Dazwischen streut die Band ein folkloristisches Interlude ein, bevor der letzte Part endgültig in märchenhafte Sphären übergleitet. In eine ähnliche Kerbe schlägt das abschließende Mini-Epos "Can't Buy Yourself A Heaven".

"Remember", "The Present Not The Past", "The Day After The Night Before" oder "I Won't Let You Down" gehen als Gute-Laune-Rocker ins Ziel und laden dazu ein dem schütteren Haupthaar eine Dauerwelle zu verpassen und mit dem Fön vor dem Spiegel zu posen. Mit den Balladen "All You Believe" und dem zauberhaft-anrührenden "Walk The Silent Hours" streuen Magnum zwei Tränenzieher in ihrer unnachahmlichen Manier zwischen Können und Kitsch in die Songkollektion ein. "Your Blood Is Violence", "That Freedom Word" und "Come Holy Men" tragen dann doch ein wenig dem düsteren Cover Rechnung und sind als in Moll und Melancholie getunkte Midtempo-Rocker konzipiert.

Die ungewöhnlichste Nummer horcht auf den Titel "No Steppin' Stones". Eine Live-Atmosphäre baut zu Beginn die Spannung auf, die sich in einem zünftigen Brass-Einsatz entlädt. Die Big Band steht den Briten gut zu Gesicht und ist in Verbindung mit der coolen Hook wie gemacht für die Bretter der Venues. Die letzte Brass-gestützte Nummer im Magnum-Kosmos erschien mit "Midnight" vor 35 Jahren. Trotz der langen Vita sind Magnum lange nicht müde. Fünfzig Jahr, graues Haar, aber wie eine gut geölte 45er: laut und durchschlagend.

Trackliste

  1. 1. The Monster Roars
  2. 2. Remember
  3. 3. All You Believe In
  4. 4. I Won't Let You Down
  5. 5. The Present Not The Past
  6. 6. No Steppin' Stones
  7. 7. That Freedom Word
  8. 8. Your Blood Is Violence
  9. 9. Walk The Silent Hours
  10. 10. The Day After The Night Before
  11. 11. Come Holy Men
  12. 12. Can't Buy Yourself Heaven

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LAUT.DE-PORTRÄT Magnum

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11 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 4 Monaten

    Immer wieder Wahnsinn, welches Potenzial die Jungs immer noch haben. Mit Ausnahme von Rock Art und sleepwalking wird hier insbesondere auch nach dem Comeback immer geliefert. Du legst die Scheibe ein und weißt mit den ersten Klängen, das ist Magnum. Wo das drauf steht ist das auch immer drin. Jedes solo geht sofort ins Hirn und ist dabei wie der Rest zwar immer trademark aber trotzdem nie kopiert. Du kennst es, du ahnst was kommt, aber es ist geil und doch neu. Catley? Überragend! Geilste verbliebene Hardrock Stimme des Planeten. Clarkin? Der songdienlichste, düstere hirnwindungsschneidbrenner der Welt, dessen Songwriting so lässig und konstant daher kommt, als wäre es mal eben das einfachste der Welt.... Und die "neuen", fügen sich da ein, wo die Aussteiger aufgehört haben. Perfekt.

  • Vor 3 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor 3 Monaten durch den Autor entfernt.

  • Vor 3 Monaten

    Eine Rezension die ich nicht nachvollziehen kann. Seit Escape from the Shadow Garden, ihrem wahrscheinlich besten Werk nach ihrer Wiedervereinigung liefert die Truppe doch nur noch Standardware mit austauschbaren Songs und einer viel zu sehr verdichteten Produktion ab. Vorbei die Zeiten in denen jedes Magnum Album ein alleinstehendes Kunstwerk war und keins klang wie das andere. Keines ihrer letzten Alben reicht auch nur im Geringsten an die Klassiker der Band vor ihrer Trennung heran.