laut.de-Kritik

Wohlfühlen in vollendet arrangierter Atmosphäre.

Review von

"Die Hölle", heißt es in irgendeinem Film, dessen Titel sich gerade störrisch weigert, von meinem Geist festgehalten zu werden, "ist es, jeden Morgen aufzustehen, und nicht zu wissen, wer man ist." Ein durchschnittlicher Wortakrobat hätte mit "Wer ich bin? Der beste Rapper!" eine plausible Antwort parat, doch Mopz Wanted ist eben kein durchschnittlicher Wortakrobat. Die Frage stellt sich, ob er auf seiner Suche nach sich selbst inzwischen fündig wird, wenn ein neuer Morgen anbricht.

"Fight Club"-Autor Chuck Palahniuk hat mal behauptet, große Kunst brauche Krankheit, Verletzung, Wahnsinn. So gesehen hat Mopz Wanted die besten Voraussetzungen. Wann immer er alleine Kraft seines reichhaltigen Wortschatzes eine gänsehauttreibende melancholische Atmosphäre erschafft, wird seine Einzigartigkeit offenbar. Nicht nur auf musikalischer Ebene: Hier könnte man ihn noch am ehesten mit Curse vergleichen, auch wenn ihm dessen vielzitierter moralischer Zeigefinger völlig abgeht.

Mopz Wanted fühlt sich entfremdet von der Welt, das machte er schon auf seinem Debütalbum deutlich. Allerdings hasst er sie deshalb noch lange nicht: "Wir beide sind ein seltsames Pärchen. / Du und ich: ein ungewöhnliches Verhältnis. / Millionen Mal dachte ich, alles zerfällt bald in Scherben, / doch dann sah ich wieder, wie schön diese Welt ist" rappt er in seiner unromantischen und doch um so ehrlicheren Liebeserklärung "Die Welt Und Ich".

Insgesamt schwingt in den Texten des Rappers deutlich mehr Aufbruchstimmung mit als auf dem Vorgängeralbum. Angekommen ist Mopz Wanted dennoch noch nicht, wo auch immer die Reise hingehen soll. Und hier finde ich auch den einzigen wirklichen Kritikpunkt an diesem insgesamt erneut großartigen Stück Musik: So beeindruckend es ist, dem Rapper auf seiner mit wahnwitziger Lyrik vorgetragenen Reise in die eigene Seele zuzusehen, so schwierig ist es, ihm zu folgen. Und das gilt für den Löwenanteil der Tracks, lediglich die erste Single "Mitternachtstraum" und das eben erwähnte "Die Welt Und Ich" treffen eine klare Aussage.

Wer sich allerdings einfach nur in einer in vollendeter Regie geschaffenen Atmosphäre wohl fühlen möchte, wird von dem Künstler bestens bedient. Obwohl dieses Mal nicht jedes einzelne der überaus melodischen Instrumentals überzeugt: Mit "Gemischte Gefühle", "Herz Und Verstand", "Nur Ein Lied" und "Alles Was Zählt" wirft Mopz Wanted auch hier wieder Bomben. Die Programmierung der Beats funktioniert sauberer als beim Vorgänger, der Flow des Rappers hat sich gesteigert, und zuckersüße Eylem-Hooklines dringen nach wie vor mühelos durch alle Hautschichten.

"Was würd' ich ändern, wenn ich dazu imstande wär'? / Leicht sind nur die Schritte durch den Sand am Meer." Wer vor drei Jahre mit solch einer Granate debütierte und heute einen solchen Zweitling nachlegt, der braucht sich solche Fragen eigentlich gar nicht zu stellen. Gemütlich ein drittes Album aus dem Arm schütteln, das mich wieder über die melancholischen Phasen der folgenden drei Jahre rettet. Mehr will ich ja gar nicht.

Trackliste

  1. 1. Ein Neuer Morgen
  2. 2. Souvenir
  3. 3. Mitternachtstraum
  4. 4. Gemischte Gefühle
  5. 5. Sunny ft. Eylem
  6. 6. Herz Und Verstand
  7. 7. Die Welt Und Ich
  8. 8. Nur Ein Lied
  9. 9. Alles Was Zählt
  10. 10. Bis Zum Horizont
  11. 11. Was Ich Noch Sagen Wollte

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6 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 15 Jahren

    Das erste Album "Zeichensprache" ist meiner Meinung nach kaum mehr zu überbieten. "Ein neuer Morgen" muss den Vergleich mit dem Mopz Wanted- Debutalbum dennoch nicht scheuen. Gewohnt tiefgründige Lyrics, gute Beats und fantasievolle Symbole hat der Mopz wieder im Gepäck. Die Beats haben alle etwas besonderes aber kommen in meinen Augen nicht an die Beats vom ersten Album ran. Trotzdem gibts genügend "Gänsehautmomente" beim Hören dieses Albums. Eines muss man "mopz" aber auf jeden Fall hoch anrechnen: Er ist, wie man im Hip-Hop-Biz zu sagen pflegt, "real geblieben" und ist wie es scheint nicht in die Fänge des (bösen) Kommerz geraten um dann nur noch Müll zu produzieren.. Heutzutage ist das ja schon was besonderes... Mein Anspieltipp: Lied Nr. 10.

  • Vor 15 Jahren

    nach dendemann mit die pfütze des eisbergs und prinz pi donnerwetter mal wieder ein wirklich tolles album...

    der deutsche rap ist wieder da! ich dachte schon ich müsste bushido und co fan werden....oder die richtung wechseln! ;)

  • Vor 15 Jahren

    ne musst du nicht;)

    ja das album gefällt mir auch sehr gut

  • Vor 15 Jahren

    habs jetzt echt mehrmals gehört aber mehr als ein durchschnittlich gutes Rapalbum hör ich da einfach nicht raus. Solide beats, gute lyrics, kein echter Ausfall das wars dann für mich unterm Strich. Haut mich insgesamt einfach nicht vom Hocker...

  • Vor 15 Jahren

    rein in den player und durch die strassen der stadt geirrt. eine leicht regnerische kulisse und schon macht die platte mehr sinn. war schön gestern aber die euphorie versteh ich immer noch nicht...

  • Vor 15 Jahren

    Habs mir Dienstag auf nem Schulausflug gekauft, da ich hier die Rezension gelesen habe. Na ja ok, ich hab die Tracks im Saturn doch nochmal kurz angespielt, weil die Meinung der Redaktion von laut.de sich noch nie mit meiner gedeckt hat.

    Zum Album:

    Zuerst war mir etwas unbehaglich, 15€ für 11 Tracks? Das hat mich nicht grad begeistert, aber da das andere Album, das zur Auswahl stand (Ein guter Tag zum sterben) auch nicht grade eine hohe Anzahl Tracks aufwies, entschied ich mich kurzer Hand für "Ein neuer Morgen". Da allein der Titel mich schon ansprach. Ein neuer Morgen, ja das trifft auch auf meine derzeitige Situation recht gut zu. Nach einer depressiven Phase ab in die Ferien, bald neue Schule, neue Leute etc. Da brauchte ich ein Stückchen Hoffnung mit dem melancholischen Tick um mir den "neuen Morgen" zu versüßen. Eigentlich wäre mir ein solches Album schon zu optimistisch gewesen, aber im Moment akzeptabel ;)

    Ok, jetzt mal ans Eingemachte. Mopz' Stimme hat mich erst an Curse erinnert, aber nach einiger Zeit merkt man, dass er außer der Stimme auch nichts weiter mit Curse gemeinsam hat.
    Die Beats sind größtenteils sehr schön und beruhigend. Ich kenn mich da nicht so genau aus, ob das jetzt ein guter, komplizierter oder sonst was für ein Beat ist, aber ich weiß, dass sie mir gefallen und mich einfach berühren.
    Dann sind mir die Hooks aufgefallen. Davon bin ich jetzt nicht so begeistert, die heben sich meistens nicht besonders vom Rest des Liedes ab, außer bei "Sunny" natürlich. Die Hook ist mehr als göttlich! Aber Mopz' eigene Hooks hätten besser sein können.
    Die eigentlichen Parts sind aber einfach das Wichtigste und Beste am ganzen Album. Sie enthalten einfach so viel Gefühl, so starke Emotionen, die man bei sonst kaum einem Musiker raushört. Seine Texte sind so Hoffnung gebend und persönlich, ehrlich wie ich sie selten zuvor gehört habe. Auch wenn man oft denkt "Hä? Worauf will der jetzt eigentlich hinaus?!", diese Unklarheit bewegt einen einfach nur dazu, noch genauer hinzuhören. Ich persönlich finde grade diese Unklarheiten, diesen teils fehlenden roten Faden, genial. Die Tracks werden dadurch verbunden (auch durch die Beats), das Album bildet somit ein zusammenhängendes Kunstwerk, das für mich fast wie ein schwammiges Wasserbett ist. Wenn ich die CD anmache, dann verlässt mein Geist mein' Körper und meine Seele wird von der Platte aufgefangen und ich fühle mich einfach nur geborgen.
    Ist schwer zu erklären, ich weiß auf jeden Fall, dass mich diese CD noch einige Zeit beschäftigen wird.

    Kurz:
    + größtenteils beruhigende, schöne Beats
    + sinnvolle und berührende Texte
    - gewöhnungsbedürftige Stimme
    - z.T. komische Hooklines

    Mopz' Wanted bekommt von mir für das Album auf jeden Fall den größten Respekt. Und auch die laut.de Redaktion mal ein Lob, da sie es doch tatsächlich geschafft hat mal eine angemessene Kritik zu einer LP abzugeben :D