Anna Von Hausswolff sollte ein Konzert in einer Kirche in Nantes spielen. Katholische Radikale hinderten sie daran und warfen ihr satanistische Inhalte vor.

Nantes (fan) - Am Dienstag hatte Anna Von Hausswolff ein Konzert in der Notre-Dame-De-Bon-Port-Kirche in Nantes geplant. Doch katholische Fundamentalisten sabotierten ihren Auftritt, indem sie unter anderem Eingänge blockierten. Die Protestierenden warfen der Schwedin Satanismus vor. Kurz vor Beginn wurde das Konzert abgesagt. Ein französischer Journalist teilte Videos des Geschehens auf Twitter.

Die Funeral-Pop-Sängerin ist momentan auf Europa-Tour und tritt häufiger in kirchlichen Einrichtungen auf. Eigentlich war das Konzert für März 2020 in der Saint-Clément-Kirche geplant, wurde aber wegen Corona-Maßnahmen auf Dezember 2021 verschoben. Die französische Zeitung Aleteia berichtet, dass in der Zwischenzeit einige Gemeindemitglieder den zuständigen Pfarrer darauf aufmerksam machten, dass die Musikerin satanistische Inhalte verbreite. In ihrem Song "Pills" zum Beispiel heißt es metaphorisch, dass sie Sex mit dem Teufel gehabt habe. Daraufhin wurde das Konzert in die andere Kirche verlegt. Weil Von Hausswolff aber ausschließlich instrumentale Orgelmusik ohne Gesang geplant hatte, sah der Pfarrer keinen Grund, das Konzert ganz abzusagen.

Später am Abend postet Anna ein Bild mit folgender Unterschrift auf Instagram: "Gestern Abend hat der rechtsextreme katholische Integralismus über die Kunst gesiegt, aber nicht über die Liebe. Hier warte ich in der Kirche, während ich etwa 50-100 Integralisten höre, die vor den Türen der Kirche skandieren und schreien und den Weg für fast 400 Menschen blockieren. Es war eine beängstigende, angespannte und traurige Situation, und uns blieb nichts anderes übrig, als abzusagen, wir hatten zu wenig Sicherheit. Meine Gedanken gehen an all die fantastischen Fans, die friedlich und geduldig vor diesen Typen standen, ich fand es toll, dass ihr euch daran erinnert habt, dass diese Dinge niemals mit Gewalt gelöst werden können. Ich und die Kirche arbeiten zusammen und nicht gegeneinander. Das hat sehr gut funktioniert, beide Seiten sind glücklich. Es gibt viel Liebe und Respekt. Tausende von Menschen sind angereist, um diese Shows zu besuchen, und es lag nichts als Liebe und Zuneigung in der Luft, sowohl von meinem Publikum als auch von der Kirche. Wenn verschiedene Menschen versuchen, Unterschiede und Barrieren zu überwinden, dann beginnt wahre Heilung."

Viele Menschen zeigten sich verständnislos, darunter beispielsweise auch Bessam Asseh, der stellvertretende Bürgermeister von Nantes: "Eine Handvoll intoleranter Radikaler provoziert die Absage eines Konzerts in N-D du Bon-Port, das in Absprache mit dem Bistum angesetzt wurde. Es gab keinen Grund, eine solche Zensur auszuüben. Das entspricht nicht unserer Vorstellung von einem Gesellschaftsprojekt, das auf Dialog und kultureller Offenheit beruht".

Heute sollte das letzte Konzert in Frankreich stattfinden. Die Pariser Kirche Saint-Eustache hat es nach diesen Vorfällen aber kurzfristig abgesagt, die Begründung: Sicherheitsbedenken. Wenn keine weiteren Eklats stattfinden, wird ihre Tournee ab Samstag in den Niederlanden weitergehen.

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