In seinem neuesten Roman schreibt der Songwriter über Kaffee-Konsum, Adolf Hitler und die Bürowelt.

Coworking-Space (rnk) - Irgendwo in Deutschland, in einem mehrgeschossigen Haus, sitzt die Romanfigur von PeterLicht in einem Coworking-Space. Er beobachtet die anderen Künstler, Selbständige und Aktivisten ähnlich einer Off-Stimme in lakonischem, wenn auch nicht resigniertem Ton. Über allem steht ein Patron, der möglichst effizient und kostensparend die Räume vermietet. Zu einem festen Ritus gehört der Gang zur Kaffeemaschine, dem Herzen der Arbeitswelt, die alles mit Power versorgt und am Leben hält. Was genau seine Schicksalgenoss*innen arbeiten, davon weiß der Ich-Erzähler auch nicht so viel. Mitunter geht diese Anonymität so weit, dass ein Arbeiter nur "Der, von dem keiner weiß, was er tut" heißt und es gibt eine Frau, die "irgendwas mit Sexualität macht".

Die Profile der restlichen Co-Worker setzen sich ebenso aus Vermutungen zusammen. Co-Existenzen im Space treiben vor sich her, vernetzen sich kurz und sind dann weg. Und dazwischen: Kaffee, immer wieder Kaffee. Praktisch auf jeder Seite des Buches wird der Schmierstoff des Kapitalismus hassgeliebt. Die Entscheidung über Tee oder dem koffeinhaltigen Getränk wird zu Existenzfrage. Das ist alles nicht ungewöhnlich für PeterLicht, der nicht so gerne auf Plakatives abfährt, sondern aus dem Alltag neue Facetten und Absurditäten heraus zieht.

Wie bei seinen Texten muss man oft schmunzeln, obwohl die Thematik in "Ja okay, aber" (Tropen, gebunden, 240 Seiten, 20 Euro) erst einmal gar nicht so lustig wirkt. Allein das Cover des Buchs vermittelt Sterilität, Struktur und womöglich Nachtarbeit. Alles muss ja voran gehen im Kapitalismus und seiner Leistungsorientierung, auch für die kreativen Freidenker in der neuen Co-Working-Space-Welt. Es fühlt sich an, wie das R.E.M.-Video zu "Daysleeper". Die Romanfigur nimmt die Arbeit mit in den Schlaf, das Einschlafen gerät zum nachlassenden Schmerz von der Realität. In den Träumen tauchen Adolf Hitler und sein Scherge Hötz, eigentlich Rudolf Hess, auf. In einem weiteren Traum raubt jemand im Elefantenkostüm eine Bank aus. Auch ein Wiedersehen mit dem krebskranken Vater findet statt. Also wie auf dem Album, wo Candy Käsemann und düstere Songs trotz ihrer Unterschiedlichkeit homogen funktionieren.

Doch auch die Freizeitgestaltung ist fest mit der Arbeitswelt verbunden. Die Leidensgenossen der Schicksalsgemeinschaft gehen auf ein Konzert der Band Die Egalsten, der egalen. Eine Band, die von Dämonen singt und von der Nacht. Fast als ob Licht selber noch einmal als Alter Ego auftaucht. Wie seine Musik entzieht sich auch das Buch einer genauen Einordnung. Es ist nicht der Abgesang auf unsere Arbeitswelt, sondern ein lesenswertes und auch zugängliches Protokoll der Arbeit im 21. Jahrhundert.

Wie PeterLicht selbst über sein Buch spricht könnt ihr hier im laut.de-Interview nachlesen.

Peter Licht: Ja okay, aber*

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