Nicht behindert, sondern scheiße
Aber noch einmal zurück zur Flintenuschi: Glaube zwar nicht, dass "gendergerechte Titel" die Bundeswehr in meinen Augen sehr viel besser dastehen lassen, aber seine Sprache und Ausdrucksweise unter die Lupe zu nehmen und kritisch zu hinterfragen, das kann im Grunde …

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  • Vor 2 Jahren

    Ich hab als Jugendlicher gestottert und war in einem Bildungswerk. Darf ich also behindert sagen, schwul aber nicht, weil ich hetero bin? Pseudodiskussion. Der Gedanke ist das Gift, nicht der Ausdruck. Niemand, der im Hip-Hop Kontext diese Begriffe nutzt, meint echte Randgruppen damit. Cyphers gehör(t)en zum Rap dazu und dort hat sich eben etabliert, was als Schwäche im Männlichkeitsgebaren galt. Irgendwie hat es dann etymologisch seine eigentliche Bedeutung komplett verloren. Höre ich einen Wack MC, denke ich "behindert". Sehe ich einen Spastiker, denke ich "Armer Kerl, Hochachtung vor seinem Lebensmut!"

    Im Gegensatz zu aktuellen Diskussion zb um Negerkuss und Zigeunerschnitzel waren "schwul, behindert, Spastiker" etc in ihrer ursprünglichen Form deskriptiv und sind nicht aus Xenophobie oder Repression heraus entstanden.

    Ich hab oft den Eindruck, in der Öffentlichkeit und sozialen Medien sind alle heute toleranter und kosmopolitischer als je zuvor, im stillen Kämmerlein hingegen so reaktionär, dass Björn Höcke die Buchse platzt. Holt das Gift aus den Köpfen, dann sind Worte sowas von egal...

    • Vor 2 Jahren

      Sehe ich einen spastiker/Mongo/behindi, denke ich:" sucht laut.de noch Praktikanten? Wer schreibt in Zukunft den Metalsplitter?"

    • Vor 2 Jahren

      Der Shitstorm, der Serdar Somuncu in den "sozialen Netzwerken" in den letzten entgegen geschlagen ist, weil er genau auf das hingewiesen hat. Ich finde ein Hauptproblem der (vor allem Internet-) Aktiven in diesem Kontext ist, dass es extrem heuchlerisch wirkt. Sehr Privilegierte diskutieren darüber, was gesagt werden darf/kann und was nicht. Meist mit einer extremen sozialen Distanz zu denen, denen sie meinen damit einen Gefallen zu tun. Und ohne, dass relevante Kriterien mit einbezogen werden, oder die Diskussion auf wirklichen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt wird. Dementsprechend hatte es fast etwas Prezident-eskes, dass genau die Twitter-Weltverbesserer, die er mit seinen Aussagen beschrieben (und provoziert) hat, sich dann in diesen sozialen Netzwerken über ihn echauffieren.

      Als Linker finde ich das äußert schade, da a) relevante soziale Kämpfe kaum noch eine Rolle spielen und b) dieses emotionale aufgebracht sein keinerlei Ziel und wirkliche Agenda hat, sondern peinlich wirkt. Während sich also die rechte Bubble auf Facebook über Merkel echauffiert, echauffieren sich Linke auf Twitter. (in diesem Fall über andere Linke)

    • Vor 2 Jahren

      "Niemand, der im Hip-Hop Kontext diese Begriffe nutzt, meint echte Randgruppen damit."

      Ändert das denn irgendetwas? Deswegen sind es ja trotzdem Begriffe, die synonym mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe sind, die abwertend/beleidigend benutzt werden. Ist halt irgendwie immernoch beschissen oder nicht?

    • Vor 2 Jahren

      Hihi, "Hip-hop-Kontext"...

    • Vor 2 Jahren

      Und irgendwie muss sich die Verwendung ja auch einmal etabliert haben. Man hätte sich auch fünftausend andere Worte dafür ausdenken können, hatte aber kein Problem damit dann die Assoziation von etwas Negativem zu "behindert" herzustellen. Ist halt für mich ein Fall, wo das Gift tatsächlich schon in der Verwendung an sich liegt.

    • Vor 2 Jahren

      Ich finde die Diskussion ist total retrospektiv. Man kann sich natürlich darüber unterhalten, WIESO damals Begriffe wie "Schwuchtel" und "behindert" genutzt wurden. Und daraus schließen, dass vermutlich die Menschen, die dies zu einer Zeit etabliert haben, damit negative Dinge assoziiert haben, speziell Männlichkeit damit negieren wollten.

      Das ändert aber nichts daran, dass es mittlerweile einen Sprachwandel gab. Und dieser dazu geführt hat, dass beispielsweise behindert entkoppelt wurde von dem eigentlich gehandicapten Mensch. Und dass man grundsätzlich nicht jedem, der diesen Begriff nutzt, eine (in diesem Fall) behindertenfeindliche Einstellung unterstellen muss. Ist ja ein klassischer Kategorienfehler. Ich setze in diesem Fall, wie es der Autor tut, Begriff und Denkmuster gleich. Etwas, dass ich 1. nicht nachweisen kann und 2. niemals ganzen Gruppen und einer Vielzahl an Personen sollte.

      Denn prinzipiell sind die Denkmuster und Handlungsmuster von Personen relevant. Und nicht, wie sie sprechen.

      Außerhalb der Diskussion bleibt ja auch immer, dass die, die sich über dieses Thema "Sprache" zu aufregen, selten die in diese Diskussion mit einbeziehen, die wirklich so sprechen. Es ist ja schön unter Intellektuellen darüber zu diskutieren, aber die wenigsten Twitter-Rambos haben die Eier sich mal an ne Hauptschule zu hocken und dort die Jugendlichen zu fragen, wieso die mit solchen Wörtern um sich werfen und was diese wirklich über die entsprechenden Themen denken. Dadurch wird die ganze Diskussion scheinheilig.

    • Vor 2 Jahren

      "Und dass man grundsätzlich nicht jedem, der diesen Begriff nutzt, eine (in diesem Fall) behindertenfeindliche Einstellung unterstellen muss."

      Ne, darum geht es ja (zumindest mir) auch gar nicht. Deswegen ist die Begriffssetzung an sich aber halt trotzdem ziemlich scheiße und es gibt mMn auch keinen guten Grund, warum man die Verwendung unbedingt beibehalten müsste.
      Selbst wenn man jetzt einmal davon ausgeht, dass es bei dem Begriff überhaupt keine Grauzonennutzung gibt und niemand da bewusst oder unbewusst assoziative Brücken schlägt, hast du halt immernoch ein Problem, wenn du einem Behinderten erklären musst, was er jetzt mit einem wack MC gemein hat oder wo da die Verbindung besteht. Und du lieferst Vollidioten immernoch eine perfekte Waffe in die Hand, frei diskriminieren zu können und sich dann billig mit "war ja ganz anders gemeint" herausreden zu können. Die Begriffsverwendung hat schon an sich eine gewisse Grundproblematik und die wird man auch nie ganz wegreden können. Von daher kann man sie halt auch einfach mal begraben.

    • Vor 2 Jahren

      Ich ergänze mal, daß es auch nicht mehr ganz so üblich ist, Menschen mit Behinderungen einfach "behindert" zu nennen. Dadurch ist der Begriff auch eher als Übertreibung verwendbar als das mal der Fall war, was ihn natürlich für nicht ganz so ernstgemeinte Beleidigungen akzeptabler macht.

    • Vor 2 Jahren

      Welcher ist denn nun üblich? Ragindert? :D

    • Vor 2 Jahren

      Komm schon. Nenn mich gern behindert, aber dieser Fail schmerzt auch ohne Badumm-Ts...

    • Vor 2 Jahren

      Nix gegen Mongos hier!

  • Vor 2 Jahren

    man sollte als behinderter halt auch einfach keinen hiphop hören. sondern lieber (black)metal. das ist ein komplettes (sub)genre von/für menschen mit schwerer Beeinträchtigung

  • Vor 2 Jahren

    Wenn der Kollege sich durch so eine Line in seiner Existenz und Behinderung diskriminiert fühlt, dann hat er eine ganz einfache Lösung. Er kann es sich nicht anhören. Eine Alternative wäre drüber stehen, was heute leider vielen schwer fällt. Dass diese Alternative nicht funktioniert wundert mich immer sehr. Fehlt den entsprechenden Personen, die sich verletzt fühlen, das Ego? Ich wurde auch häufig Kanacke genannt und konnte damit umgehen. Ich konnte abschätzen, ob wie es jemand meint, ob er es eben sagt oder auch denkt. Wenn er es nur sagt, kann es dafür viele Gründe geben, zum Beispiel Humor oder Dummheit. Wenn er es meint, kann ich es ignorieren, oder ihm als Einzelperson eine reinhauen. Aber ich brauche nicht darüber in sozialen Netzwerken weinen und versuchen die ganze Welt zu ändern durch affigen Internet-Aktionismus.

    Wenn der Kollege sich also als in der "linken Szene" aktiv nennt, sollte er bessere Mittel kennen, um zu kämpfen, als darüber zu twittern.

    • Vor 2 Jahren

      dir ist schon klar, dass der dude körperlich behindert ist? und sich, je nach schweregrad seiner spastik, im schlimmsten fall nicht mal n brot selber schmieren kann? der kann "kämpfen" wenn du ihm den atombombenknopf in die hand drückst. sonst bleiben ihm nur die sozialen medien und "internet-aktionismus". was okay ist. er hat eine gute ausrede dafür. deine anderen linken freunde nicht.

    • Vor 2 Jahren

      Mir ist schon klar, dass eine Spastik sehr vielseitig sein kann. Da ich keine Informationen über "Leon" finden kann, kann ich das also nicht bewerten. Wenn er dazu fähig ist, eine Tastatur zu bedienen, wird er auch dazu fähig sein, sich zu bewegen und raus zu gehen. Wenn nicht, ist das seine Sache. So oder so ändert es nichts daran, dass ihn keiner dazu zwingt die Musik zu hören, die Wörter und Themen beinhaltet, die ihm nicht passen.

      Ich frage ich, was sein Ziel ist. Genauso wie bei allen anderen, die die Sprache der Rapper/Musiker kritisieren? Verbote? Ein Umdenken der Akteure? Ich glaube 1. ist nicht wünschenswert und für 2. das das falsche Vehikel.

    • Vor 2 Jahren

      "Wenn er dazu fähig ist, eine Tastatur zu bedienen, wird er auch dazu fähig sein, sich zu bewegen und raus zu gehen."

      Ähh... Nein. Erstmal gibt es für Schwerstbehinderte auch andere Eingabemöglichkeiten und die Folgerung (kamn Tastatur bedienen) => (kann rausgehen) ist lächerlich.

    • Vor 2 Jahren

      "The|SquaLL Vor 12 Stunden

      Mir ist schon klar, dass eine Spastik sehr vielseitig sein kann."

      :lol:

    • Vor 2 Jahren

      Ich bin da schon bei dir, Squall. Man sollte sich vielleicht einfach ein dickeres Fell zulegen, statt sich über jeden Mist aufzuregen. Das spart Kraft und Zeit, auch für die Betroffenen. Also in Bezug auf Kunst.

    • Vor 2 Jahren

      ich denke JEDER hier weiß, dass es DEUTLICH EINFACHER ist eine tastatur zu bedienen statt "rauszugehen".
      ich bin da bei capsi. ich habe während meiner ausbildung einen dude betreut, der schwere ataxie hat. der sah von der körperform aus wie ein menschlicher shrimp und ist gerade so in der lage einen e-rollstuhl zu steuern. der macht auch irgendwas an der tastatur. der kann auch tippen nur braucht er halt länger. darüber hinaus, gibt es, wie caps sahgt, auch andere eingabeformen als die standardtastatur

    • Vor 2 Jahren

      Naja, so wie sich der verlinkte Artikel liest, ist dieser Leon in der Lage, Konzerte und Demos zu besuchen - auch als Behinderter. Ich will das nicht runterspielen, aber ich denke, er ist "nur" Rollstuhlfahrer und hat keine schweren Formen.

    • Vor 2 Jahren

      NIEDECKENS bapsi

  • Vor 2 Jahren

    Es ist doch sprachgeschichtlich immer wieder vorgekommen, dass sich die Semantik einiger Wörter komplett verändert hat. Natürlich sind die Begriffe noch negativ konnotiert, aber doch weit weg vom Ursprung. Assoziativ sollte das eigentlich auch jeder merken. Meist springen eher diejenigen reflexartig darauf an, die ihre ungeliebten Selbstanteile darin wiederfinden. Toleranter werden wir durch Inklusion und ein Miteinander, nicht durch übervorsichtiges Sprachverhalten...

    • Vor 2 Jahren

      "Toleranter werden wir durch Inklusion und ein Miteinander, nicht durch übervorsichtiges Sprachverhalten"

      Naja, wie möchtest du denn Behinderte vollumfänglich in die Hiphop-Community einbinden, wenn du jedes Mal erklären musst, ob du einen MC gerade beleidigt oder nur über seine Einschränkungen gesprochen hast. Kommunikation ist zentrales Element unseres Miteinander und wenn wir uns auf barrierefreien physischen Zugang einigen können, sollten wir uns auch auf (soweit es geht) barrierefreie Sprache einigen können. Nichts wird dadurch schlechter. Selbst wenn sich nur ein Behinderter von der Hiphop-Community ausgestoßen fühlt, weil die unterschiedlichen Kontexte für ihn ohne die Kontexterfahrung nun einmal nicht ersichtlich sind und nicht ersichtlich sein können, ist das schon ein unnötiger, vollkommen vermeidbarer Verlust.

    • Vor 2 Jahren

      Sehr sehr richtig, Euli. Zudem: Sprache formt alles. Es ist letztendlich (positive) Hypnose und es funktioniert auch.

    • Vor 2 Jahren

      "wie möchtest du denn Behinderte vollumfänglich in die Hiphop-Community einbinden, wenn du jedes Mal erklären musst, ob du einen MC gerade beleidigt oder nur über seine Einschränkungen gesprochen hast."

      Ja, aber dann frag das doch mal einen behinderten MC. Es gibt ja welche. Bei jedem HipHop-Konzert siehst du Menschen, mit einer Behinderung. Der gute "Leon" ist bisher die einzige Person, von der ich aktiv mitkriege, die damit ein Problem hat. In Freiburg lebte in meiner Straße ein behinderter Rapper, der scheinbar in der Szene funktionieren konnte, trotzdem die Begrifflichkeiten so genutzt werden. Juicy Gay funktioniert auch. Ich will damit nicht sagen, dass jeder Behinderte damit klar kommen sollte, aber ich möchte darauf hinweisen, dass die "Community" als solche heute nicht mehr existiert und gewisse Teile der Community extrem offen sind. Egal wie sie sprechen.

      Die Sprache wird dadurch schlechter. Da unsere Sprache sehr stark auf Konventionen und Funktionalität aufbaut. Und der Rückschritt, Wörter aus unserer Sprache zu streichen, nicht gelingen wird. Und das ist ja das Ziel, die Funktion eines Wortes seinem Ursprung zurück zu führen. Und ich denke Beispiele, wo das funktioniert hat, sind kaum zu finden.

      Außerdem hast du bei jeder "Community" Verluste durch gewisse Prozesse und Eigenarten eben dieser Community. Das lässt sich ja gar nicht vermeiden. Und eine Anpassung kaum erzwingen. Dafür ist ja auch die Integration ein viel zu komplexer Schritt. Wer etwa die Nutzung von "behindert" in der HipHop-Szene als einen Exklusionsgrund sieht, wird vermutlich noch 30 weitere finden.

    • Vor 2 Jahren

      Davon abgesehen gibt es viele geistig behinderte Rapper, die der Szene gerne Fernbleiben dürften, diese fühlen sich nur leider nicht angesprochen...

    • Vor 2 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Jahren

      War das jetzt Absicht, den guten Willen und das Pochen auf Differenzierung, die du hier aufgebaut hast mit dem nächsten Kommentar gleich wieder mit dem Arsch einzureißen?

    • Vor 2 Jahren

      Übrigens Chris:

      "Toleranter werden wir durch Inklusion und ein Miteinander, nicht durch übervorsichtiges Sprachverhalten..."

      Zumindest ich werde an diesem Vorhaben auf Laut.de regelmäßig und auch nachhaltig(!) scheitern (müssen). Aber schöner Satz!

    • Vor 2 Jahren

      almanya hat sehr viel behinderte rapper sie sind auch sehr bekannt in charts und tv

    • Vor 2 Jahren

      Nein, das war Humor. Gegen Dünnhäutigkeit und Beißreflexe. Wer ist für dich geistig behindert, ein armer Tropf mit Trisomie 21...oder ein "Rapper" mit dem Wortschatz einer Waldameise und dem Gebaren eines Kampfhundes? Eben.

  • Vor 2 Jahren

    Irgendwie schade, dass sowas immer soviel Gegenwind erzeugt (auch hier), finde ich. Erinnert mich ein bisschen an das Gezeter, als der Retrogott es gewagt hat, live alte Texte um alle Beleidigungen rund um Homosexualität zu erleichtern.

    Häufig steht bei PC-Themen ja der Verdacht mit im Raum, das Problem sei ein reines Hörsaal-Phänomen, weit weg vom reellen Alltag derer, die es betreffen soll. Hier äußert sich jetzt mal jemand Betroffenes direkt und wieder muss man das mit Bezug auf seine Person in Zweifel ziehen. Warum nicht einfach mal die Kritik annehmen und ein bisschen sacken lassen?

    Man muss ja nicht gleich alle Texte auf den Scheiterhaufen schmeißen, die im Bezug darauf unsensibel daherkommen. Aber ich glaube schon, dass sich sowas verändern kann, wenn sich ein gewisser Konsens bildet, dass es anders geht. Mag auch an meiner eigenen Spießigwerdung und der meiner Bubble liegen, aber ich bilde mir z.B. ein, dass Schwuchtel, fag usw. im Vergleich zu vor 10 Jahren deutlich dünner im Rap-Standard-Vokabular gesät sind. Warum nicht auch hier?

    • Vor 2 Jahren

      Das ist doch alles nicht falsch. Dennoch bleibe ich, ähnlich wie Serdar, dabei, dass es nur zu einem Scheinkonformismus führt. Ähnlich wie alle Discounter heute Umwelt und Bio als Label und Image nach außen tragen, weil es Mode ist, aber intern weiter Raubbau an Mensch und Natur betreiben. Viel ist Außendarstellung und PC für's eigene Gewissen, vorbei an den eigentlichen Problemen.

      Was natürlich stimmt ist, dass das jeder Betroffene anders sehen kann und es an diesem Punkt schwierig wird. Aber die Meinung welches Betroffenen (pro oder contra) wiegt dann mehr und wer entscheidet das?

    • Vor 2 Jahren

      Dass mit Retrogott hab ich nicht mitbekommen, find ich aber gut, weil es auch nicht seinem Umfeld entspricht und früher schon wie eine gezielte Provokation wirkte. Aber wir fordern von Rap doch immer Authentizität. Wenn also Menschen aus prekären Verhältnissen sprechen wie Studenten, ist das vorbei an der Zielgruppe und wirkt arg gestelzt.

    • Vor 2 Jahren

      Ich nutze es ja selber immer als Argument, aber dieses Klassendenken zwischen "privilegiert und prekär" ist ebenfalls äußerst problematisch, insbesondere wenn man daraus Schlussfolgerungen wie "der darf behindert sagen, der nicht." Da schimmert auch immer so eine ziemlich unangenehme Romantisierung/Paternalisierung von "den" Armen und Unterdrückten der Gesellschaft mit (denen je nach pol. Lager natürlich auch nur bestimmte Bevölkerungsgruppen angehören dürfen). Ich bin da für deutlich mehr Differenzierung. Wenn ein 13jähriger Hauptschüler "behindert" sagt oder sich seine imaginäre Vorstellung von Sex und Frauen halt auf die paar Videos eingrenzen lässt, die er so gesehen hat - ok. Wenn ein "authentischer" 30jähriger Rapper mit 10 Jahren Musikbusiness und mittlerweile mind. 6-stelligem Betrag aufm Konto sich aber immer noch so verhält wie der 13jährige, dann ist das einfach nicht mehr so ok und sollte auch nicht mit dieser "der kommt ja ausm Block!!!1111 Und ist außerdem ein armer armer kleiner Migrant!" entschuldigt werden. Die Welt besteht nicht nur aus Studenten vs. Hartz4 und btw ist Student ja nun weiß Gott kein Prädikat mehr. In Deutschland kann mittlerweile echt JEDER studieren (was ich gut finde, btw), aber das ist ein anderes Thema.

    • Vor 2 Jahren

      Ay, wer macht'n dann noch das gudde deutsche Handwerk ischendwann. Isch sachs eusch, wir akademisiere uns zu Tode!

  • Vor 2 Jahren

    Ich sag trotzdem weiter Neger

  • Vor 2 Jahren

    Ich finde man könnte sich erstmal nach Amerika wenden, da kommt die Kultur her und früher oder später macht Fler das dann nach und 3 Jahre später alle anderen Rapper, die es dann endlich checken und ihn vorher belächeln. Also hier unser Aufruf: Please stop the swearing ! We want no N*ggas in Paris. We want Person of Colour in Paris !!!!

  • Vor 2 Jahren

    bin nicht von der sprachpolizei, aber nach der argumentation von wegen "hab ja gar nix ggn behinderte ist nur so eine floskel im battlerap" kann ich ja dann auch weiter n*/kanake/jude/zigeuner sagen, denn ich meine die ja eigentlich gar nicht so als gruppe und der ex-freund von meiner schwester war auch halb-schwarz. und das n* ist halt teil der rap kultur. außerdem hab ich nix gegen türken, ich esse schließlich auch döner. tschau.

  • Vor 2 Jahren

    naja, wenn manuellsen sagt, er haut jedem (auch mit araber-"rücken") eine machete in den kopf, der n-wort sagt, jubeln alle. auch wenn es dann nur auf sehr wütende und enttäuschende instagramstories hinausläuft. andere marginalisierte randgruppen machen das ähnlich. der dude hier kann halt wahrscheinlich keinem eine machete in den kopf hauen. das wäre dann wohl medialdarwinismus. tatsächlich finde ich seinen punkt sogar nachvollziehbar. wenn die verwendung anderer abfälliger/diskriminierender Bezeichnungen im Sprachgebrauch hinterfragt/geächtet wird, würde ich mich als (körper)behinderter auch angeschissen fühlen, wenn alle die "empowerment"welle surfen und nur meine randgruppe darf weiter verächtlich gemacht werden, nur weil ich keinem eine machete in den kopf hauen kann.

  • Vor 2 Jahren

    "Deutscher Rap ist behindertenfeindlich und behindert"

  • Vor 2 Jahren

    Ich finde das obige Zitat sehr treffend, auch mit der Fortsetzung von torque. Ich finde, dass die Kunst hier ihren Zweck, wegen dessen sie auch besondere Freiheit genießt und von Unterdrückern zensiert und verboten wird, erfüllt. Und zwar das Spiegeln gesellschaftlicher Realitäten und mittelbar auch das Verhandeln unserer Regeln. Es ist wahrscheinlich für jeden gut nachvollziehbar, dass sich Behinderte von der Nutzung von "behindert" diskriminiert fühlen (dürfen). Sollte so eher nicht genutzt werden. Wird es aber. Und die Kunstschaffenden, die das dann bewusst oder unbewusst thematisieren, leisten einen Beitrag dazu, dass sich das langfristig auch ändert, entweder in dem sie ein Bewusstsein dafür schaffen wie hier Nmzs, oder in dem Sie einfach nur etwas Benennbares für den Typen aus dem Beitrag schaffen, womit dieser eine weitaus gesprächigere Grundlage für eine Diskussion schafft, als er es jemals schaffen würde, wenn er sich aufregt, dass seine Arbeitskollegen oder irgendwelche Kids in der Bahn "behindert" pejorativ nutzen.

    Deswegen hat der Typ natürlich recht, was aber dann nicht automatisch heißt, das "behindert" aus dem Rapvokabular gestrichen werden müsste, im Gegenteil, Diskriminierung ist behindert, Spast zu sagen ist schwul (Grüße gehen raus). Kunst darf und soll sogar an der Grenze des Sagbaren, Zeigbaren, Denkbaren herumschleichen, mit dieser spielen und sie überqueren. Denn dann ist Kunst ein Motor gesellschaftlicher Entwicklung und es Wert geschützt zu werden. Selbst wenn das bedeutet, dass gewaltverherrlichende, menschenverachtende und/oder frauenfeindliche (Aufzählung beliebig fortführbar) Werke existieren dürfen.

    • Vor 2 Jahren

      Wenn sich langfristig die Regeln unseres Sprachgebrauchs ändern, dann wird "behindert" automatisch auch weniger in Tracks vorkommen, weil es weniger in der Gesellschaft vorkommen wird und zwar dank dieses Typen und Dank der Rapper die das Wort so genutzt haben.