Die neue Single des Essener Rappers nimmt ein paar Klischees mit, aber spielt sie effektiv.

Urlaub (ynk) - Man holt sich ein RAF Camora-Feature, wenn man es auf einen Hit anlegt. Schwer zu sagen, wann das so gewachsen ist, aber im deutschen Gangster-Rap ist der Mann eben irgendwann synonym damit geworden, ein bisschen mehr über den Genre-Tellerrand und den Melodien-Horizont herauszugucken. Das dachte sich KC Rebell, der nach einer kreativen Flaute wohl mal wieder ein bisschen Input brauchen konnte. Und tatsächlich: "Gelebt" erfindet zwar das Rad mitnichten neu, aber funktioniert einwandfrei.

Die meiste Aufmerksamkeit hat hier die Hook abbekommen. Aufgestaffelt in zwei Sektionen mit jeweils einschlägigen Kadenzen und mal von RAF, mal von KC übernommenen Vocal-Partien klingt das atmosphärisch und gelungen. Es geht um das Gewissen, dass trotz aller Widersprüche und Zweifler am Ende eine ausgefüllte Bucket List in der eignene Hosentasche liegt. Kein innovatives Thema, nein, aber wie sie es mit "sag ihnen, ich habe gelebt" adressieren, hat doch seine Wirkung. Allen voran hat es Wiedererkennungswert: Wenn die Drill-Trap-Hybrid-Produktion zum letzten Refrain mit einer sich aufbauenden Kick-Roll in einen letzten Bass-Drop schaukelt, entsteht einer der bessere Momente der jüngeren Arbeit beider Rapper.

Die Verses wirken dagegen ein bisschen pflichtschuldig mitgeliefert. Klar, da müssen halt Verses zwischen die Hooks, also rappen beide Dudes einmal noch ihre üblichen Themen hinterher. Mir geht es gut, dir geht es schlecht, so etwas halt. Und es ist ja nicht so, als würde einer von beiden da nicht gekonnt auf den Beat flowen, aber weder textlich noch musikalisch entsteht hier das Momentum, um den Song wirklich ins Großartige zu transportieren. Vom Gefühl wirkt es wie gute Hook, Hinhalte-Duty von RAF, gute Hook, Hinhalte-Duty von KC, starker Abschluss, raus. Das neue KC-Album "Rebell Army" erscheint laut Website am 21. Januar. Mal hoffen, dass er mindestens auf diesem Level bleibt.

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