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Gorenoise

Was ist das? Ach je. Eins von denen müssen wir ja mitnehmen. Meine Damen und Herren: Gorenoise. Das Genre, das die brutalisierenden Gitarrenschlammbäder des Goregrind-Genres mit Harsh Noise-Elementen angereichert hat, weil einfach nur das unmelodische Marodieren der Instrumente einer Metal-Band irgendwann langweilig und soft geworden ist. Existieren tut dieser Bodensatz des Edginess-Limbos seit der Mitte der 2000er so richtig und hat seitdem eine stete Präsenz im Untergrund entwickelt. Es ist fairerweise mehr Mutprobe als Genre, mehr Erfahrung als Musik, weil es quasi immer von der Frage getrieben ist, wie brutal, wie extrem und wie unhörbar man die Gitarrenmusik noch ausspreizen kann. Genau wie Goregrind, Pornogrind, Grindgrind, Goregore, Al Gore und Noisenoise ist es 50% ernstgemeint und 50% Running Gag, aber irgendwo auch interessant, wie tief der Abgrund reicht. Selbst die Ästhetik des Genres setzt auf den größtmöglichen Ekel, Leichen und offene Wunden zieren die Cover, die Songtitel speisen sich aus dem Body Horror und beliebte Bands heißen Anal Cunt (mit ihrem Evergreen "Mutilated Infant") oder Liquified Maggots.

Fun Fact: Das Silence-Magazin hat eine Liste wirklich aller Metal-Subgenres veröffentlicht, unter denen sie auch das vielversprechend benannte "Brutal Hyper Speed Death Metal" gelistet haben. Leider ist das Silence-Magazin auch der einzige Google-Treffer für "Brutal Hyper Speed Death Metal" und die eine angeführte BHSDM-Band klingt für meine Laienohren wie Gorenoise. Also sortieren wir das mal hier ab, denn ich hätte wirklich gerne einen Slide namens "Brutal Hyper Speed Death Metal" in der Liste gehabt.

Wie war das Album? Es ist Dienstagmorgen und ich beginne meinen Tag um Punkt 8 Uhr mit gleich zwei Gorenoise-Alben, weil mir irgendein beschissener Blog-Wichser erzählt hat, eines wäre klassisch und das andere eine künstlerische Exploration. "Putrefacation In Progress" heißt das 2006-Stück, das das Genre geprägt haben soll und packt 41 Songs in 25 Minuten. Aber von Songs zu reden ist in diesem Fall müßig, denn diese sich wie zwei Stunden anfühlende knappe halbe Stunde ist ein durchgehendes Recording eines verstopften Duschabflusses über einem Drumset, das ein Treppenhaus aus dem 76. Stock herunterfällt. Die Vocals klingen wie ein Dinosaurier mit Durchfall oder ein Rülpser in Zeitlupe und das disharmonische Geklampfe wabert hypnotisch hinter den viel zu lauten Drums. Ein bisschen fühlt es sich an wie die Art von Alpträumen, aus denen man aufwacht und sich auf morbide Art und Weise gut unterhalten fühlt. Aber ich habe mir notiert, dass ich auf Track 23 ("The Beauty Of Perfection In Sensible Cruelty") definitiv ein wahrnehmbares Riff gehört habe. Schwach. "Worker" von Royal Jelly ist ein Gorenoise-Konzeptalbum über eine Bienendrohne, das zehn Minuten spannt und fast schon Drone-Ausmaße annimmt.

Genre-Rating: How edgy can you go? Es gibt sicher ein paar verschwitzte Dudes, die mir den Kunstwert von Gorenoise erklären wollen. Aber im Namen meiner Sanity deklariere ich dieses Genre zu einer halbernsten Leibesübung in Unaustehlichkeit und mache mit etwas anderem weiter.

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