Das Internet hätte es richten können. Plötzlich war es viel einfacher, vom Zauber dieser Musik zu erfahren. Man musste nicht mehr ständig den Typ im Plattenladen löchern oder überteuerte UK-Magazine am Bahnhof kaufen für Details der Bandgeschichte. Man ging online und dort existierten plötzlich …

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  • Vor 3 Monaten

    Leider habe ich mich bisher nie wirklich in das Erstlingswerk vom Gun Club eingehört. Ich nehme diesen Meilenstein aber mal als Anlass dafür, da ich mich zuletzt ohnehin mal wieder ein wenig mit der Band beschäftigt hatte.

    Unabhängig davon hat man es hier aber mit einer absolut fantastischen, wegweisenden Band zu tun. Lustigerweise hat mich die nähere Beschäftigung mit verschiedenen Subgenres immer wieder zurück zu ihnen gebracht, immer zu einem anderen Album von ihnen. Ein größeres Kompliment kann ich daher quasi gar nicht aussprechen.

    Irgendwann vor 10-12 Jahren stieß ich ursprünglich auf The Gun Club, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon lange großer Fan von Countrymusikern und Bands wie Ryan Adams/ Whiskeytown oder Uncle Tupelo war und ich mich daher gezielt in die Richtung und Geschichte des Alternative Country (oder, spezieller noch, des Dark Country) reinhören wollte. Also recherchierte ich und fand dabei die Band und ihren Übersong "Mother of Earth" vom Album "Miami", quasi so ein Protosong des Subgenres . Gott, der schlug bei mir ein wie eine Bombe. Fantastischer Song!

    Einige Zeit später beschäftigte ich mich aufgrund meiner großen Liebe zu Mazzy Star mehr mit dem Dream Pop und seinen musikalischen Ursprüngen. Auch hier stieß ich wieder auf The Gun Club und ihr brillantes Album "Mother Juno". "The Breaking Hands" hab ich daraufhin rauf und runter gehört und trage es bis heute fest in meinem Herzen. Auch "Hearts" ist wirklich herausragend. Jeffrey Lee Pierces' Gesang scheint (soweit ich es einschätzen kann) auch so ziemlich auf seinem Höhepunkt gewesen zu sein.

    Den Blues haben sie damit natürlich nicht erfunden, aber dennoch hat mich konsequenterweise auch ihr letztes Werk "Lucky Jim" erneut richtig tief bewegt. Insbesondere "Cry To Me" oder auch "Idiot Waltz" sind so unglaublich gut!

    Der rote Faden beim Gun Club ist für mich diese tiefe, intensive Melancholie, die sich über alle (mir geläufigen) Alben zieht. Und auch große Traurigkeit, irgendwie. Ich kann The Gun Club nicht hören, ohne von Wellen der Trauer erfasst zu werden. Vielleicht liegt es an der Musik, aber ich denke das geht alles von Jeffrey Lee Pierce selbst aus. Natürlich kenne ich im Grunde nur das über ihn, was man so bei Wikipedia etc. lesen kann, aber mein Gott, der Mann muss eine gequälte Seele gehabt haben. Diese Qual ist bisweilen fast greifbar in seiner Musik und haut mich beim Hören auch nach Jahren immer noch um.
    Es freut mich aber, dass er unter anderen Musikern so geschätzt wird. So möchte ich an dieser Stelle einfach mal das Lied "Andere Ufer" von Tocotronic empfehlen, das Dirk von Lowtzow als Hommage an Pierce geschrieben hat.
    https://www.youtube.com/watch?v=o4jhJVh-4NQ

    Danke für alles, Jeffrey!