laut.de-Kritik
Von Arschfetischisten, Minimalismus und Rapstars.
Review von Stefan JohannesbergDie Bongos bouncen, und Elektro-Lasergeräusche zischen in Lichtgeschwindigkeit durchs Audio-All. Die Neptunes-Percussion pumpt beim "Light Your Ass On Fire"-Opener von Arschfetischist Busta Rhymes minimalistisch und schweißtreibend wie immer. Als Appetitanreger für kommende Projekte schicken die Beatbastelgenies Pharrell Williams und Chad Hugo die namhafte "Clones"-Compilation voraus. Wie bei Bus-A-Bus legen sie auch den anderen genmanipulierten Rappern perfekt zugeschnittene Beats vor die Füße.
Ludacris bekommt für "It Wasn't Us" sein Dirty South-Gecrunke. Jay-Z darf bei über einem funkig smoothen Gitarrenloop "Frontin'' und den Lady Lover spielen. Nelly mag es bei "If" gewohnt poppig, N.O.R.E. im Stile von Timbalands "Big Pimpin'" gewohnt bouncig (Put 'Em Up"), und Ol' Dirty aka Dirt McGirt knüpft mit dem furiosen-verrückten Kopfnicker "Pop Shit" an "Nigga Please"-Zeiten an.
Für Pimpmeister Snoop Dogg dagegen weicht das Produzentenduo von der bekannten Linie ab. Auf "It Blows My Mind" dominieren tiefe Tom-Drums das Geschehen, ehe eine hypnotische Zylophon-Kinderliedmelodie erklingt. Zucker! Und weitere Überraschungen folgen. Der Spymob, die N.E.R.D.-Liveband, liefert auf "Half Steering" zünftig gespielten Britpop, den Pharrell ganz Ami als Rock meets Soul umschreibt. Auch der melodiöse Punk Rock'n'Roll der High Speed Scene-Combo kommt unerwartet, aber gut.
Doch das Band wächst weiter in die Breite. Super Cat gelingt, unterstützt von einem ausgelassen gequetschten Synthie-Akkordeon, eine Reggae-Hymne mit Hitpotential, und Nachwuchs-Zuckerschnecke Vanessa Marquez liefert ein für Neptunes-Verhältnisse ungewohnt klavierbetontes "Good Girl" ab.
Dass bei den Neptunes-Produktionen meist Style vor Tiefgründigkeit kommt, weiß man ja. So verschwinden die Lyrics vor lauter superben Beats im Nebel der Vergessenheit. Auch die Raps der aufstrebenden Neptunes-Zöglinge Clipse Rosco P. Coldchain und Fam-Lay verlieren haushoch gegen das Soundmonster aus Beat-Minimalismus, Schunkelgrooves, Kopfnickermentalität, Pop-Harmonien und Synthie-Streifen. Es handelte sich eben nur um "Clones". Warten wir also, bis die 'echten Künstler' an den Start gehen.
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