laut.de-Kritik

Experimentelles Feuerwasser für die Gehörgänge.

Review von

Vor etwa einem Jahr kündigten Thrice ein Konzeptalbum als Nachfolger für das großartige "Vheissu" an. Um die Elemente solle es gehen. Im ersten Moment hatte ich mich doch gefragt, ob die Vier jetzt eine Meise in der Birne trällern haben, aber ich dachte im zweiten Moment: "Lass sie mal machen!", und das war gut so.

Um die vier Elemente aus der klassischen Alchemie geht es. Daher der Titel "The Alchemy Index"; die ersten beiden EPs aus dem vierteiligen Zyklus behandeln Feuer und Wasser. Und so klingt es auch. Die sechs Tracks auf "Fire" präsentieren Thrice, wie man sie kennt. Aggressiv, hart, aber stets melodisch. Feurig, züngelnd, eine schwarze Spur der Verwüstung hinterlassend.

Sirenenartige Gitarren eröffnen "Firebreather" und Sänger Kensrue erzählt von der reinigenden, zerstörerischen Kraft des Feuers. "The Messenger" führt mit elektronischen Beats zunächst ein wenig in die Irre, hier geht es noch einen Zacken härter zu als beim Opener. Derbe Shoutparts wechseln sich mit fast schon schmeichelhaft soften Gesangspassagen ab.

"Backdraft" erhöht die atmosphärische Dichte des "Fire"-Teils noch einmal und zelebriert die Laut-Leise-Wechsel in Perfektion. Die Band ist tight wie ein drei Nummern zu kleines Korsett, die Gitarren Terranishis klingen wie mindestens zwei Six-Strings, das progressive Drumming Riley Breckenridge tut sein Übriges.

Das epische, fast schon poppige "Burn The Fleet" überrascht nach dem 2005er "Vheissu" kaum, und der letzte Track, "The Flame Deluge", ein Stück aus der Sicht des Feuers geschrieben, unterstreicht endgültig den innovativen Ruf, den Thrice offensichtlich zurecht genießen.

Die zweite Hälfte zeigt sie von einer neuen Seite, die seltsamerweise nicht völlig unbekannt wirkt. Die Songs sind wie Wasser. Flüssig, sanft, zum Versinken. Und so geht es auch gleich in "Digital Sea" ums Ertrinken, die Stimme Kensrues dominiert den Song, der auf zurückgenommenen elektronischen Beats fußt.

"Open Water" markiert die wohl lieblichsten Momente auf "The Alchemy Index". Gitarren kommen auf "Water" kaum oder nur im Hintergrund zum Einsatz. Terranishi webt stattdessen dichte, aber stets leichte Soundteppiche mit Synthesizern; dazu die markante Stimme des Frontmanns. Bei "Lost Continent" kommt sie meisterlich zur Geltung.

Das Instrumental "Night Diving" erzählt ohne Worte von einem Tauchgang bei Nacht und all den wundersamen Dingen, die man da unten erlebt und bei denen man hinterher vielleicht nicht mehr weiß, was Einbildung und was Wahrheit war. Bezeichnenderweise kommt hier ein einziges Mal eine 'richtige' E-Gitarre zum Einsatz.

"The Whaler" erzählt die Geschichte eines Seefahrenden und der Entbehrungen, die er ertragen muss. Das abschließende "Kings Upon The Main" bildet den Gegenpart zu "The Flame Deluge". Das Wasser räsoniert durch den Mund des Sängers über seine zerstörerische Kraft.

"The Alchemy Index" stellt einen interessanten Ansatz dar, sich einem ungewöhnlichen Sujet zu widmen. Einziger Kritikpunkt: Man möchte mehr hören. Beide EPs kommen zusammen auf immerhin 49 Minuten, dennoch hat man das Gefühl, es könnte noch länger gehen. Im Frühjahr geht es weiter, dann widmen sich Thrice der Erde und der Luft.

Trackliste

Vol. I Fire

  1. 1. Firebreather
  2. 2. The Messenger
  3. 3. Backdraft
  4. 4. The Arsonist
  5. 5. Burn The Fleet
  6. 6. The Flame Deluge

Vol. II Water

  1. 1. Digital Sea
  2. 2. Open Water
  3. 3. Lost Continent
  4. 4. Night Diving
  5. 5. The Whaler
  6. 6. Kings Upon The Main

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