laut.de-Kritik
Alte Tori mit neuem Organ.
Review von Giuliano BenassiAls Tori Amos im September 2003 die erfolgreiche Tour zu "Scarlet's Walk" (2002) abschloss, kündigte sie an, sich erst mal zurück ziehen zu wollen. Eine Pause, die sie und ihr Label geschickt kaschierten, denn anschließend erschienen mit "Tales Of A Librarian" (2003) eine Neuinterpretation alter Stücke und mit "Welcome To Sunny Florida" (2004) ein gelungener Livemitschnitt.
"The Beekeeper" beweist von Beginn an, dass Amos auch über die Schwelle der 40 weder ihren Biss noch ihren Drang zur Weiterentwicklung verloren hat. Die Grundlage des Albums sei die Feststellung des Klaviers, dass es ein "organ" besitzt, verkündet die US-Amerikanerin auf ihrer Webseite. Was angesichts ihrer Texte und Posen durchaus zweideutig klingen könnte, ist einigermaßen wörtlich gemeint: "Mit meiner rechten Hand an ihrer Orgel und meiner linken auf den Klaviertasten hat mich die Beziehung zwischen diesen wunderbaren Geschöpfen, dem Bösendorfer-Klavier und der Hammond B3-Orgel, verändert".
Revolutionen sind deshalb keine zu erwarten. Der Opener "Parasol" besticht mit Amos' ausdrucksvoller Stimme und einem einfachen, aber wirkungsvollen Klavier. Das ist ebenso wenig neu wie ihre Begleitung, die seit Jahren unverändert aus Matt Chamberlain (Schlagzeug) und Jon Evans (Bass) besteht. Die Orgel spielt lediglich im Hintergrund eine Rolle.
Im Gegensatz zur Vergangenheit verzichtet Amos darauf, ihre Zuhörer mit melodischen Brüchen aufzuschrecken. "Sweet The Sting", "Sleeps With Butterflies", "Ribbons Undone" oder "Original Sinsuality" fließen gemächlich vor sich hin und offenbaren eine tiefe Zufriedenheit. Die Texte handeln nach eigenen Angaben von den tiefgründigen Problemen der US-Gesellschaft, dennoch stehen eher die gekonnt gewobenen Klangkonstrukte und weniger die Aussagen im Vordergrund.
Obwohl sie erst 2004 fünf neue Stücke auf den Livemitschnitt packte, hatte Amos immer noch genüg Material übrig, um "The Beekeeper" bis fast zur letzten Rille voll zu packen. Respekt, zumal die CD keine nennenswerten Durchhänger enthält. Wer dennoch nicht genug hat, sollte sich in einen Bücherladen begeben: Zeitgleich mit dem Album erscheint die Autobiografie "Piece By Piece".
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