laut.de-Kritik

Das Mittagsschläfchen eines alten Mannes.

Review von

Im Gegensatz zum Ex von Michelle Hunziker hatte Mr. Fornaciari stets den künstlerischen Respekt auf seiner Seite. Ob Rock, Blues oder Pop, an dem Mann mit Hut fand man stets Gefallen. Auf "Chocabeck" erlischt schön langsam das einst lodernde italienische Feuer.

So eröffnet das fünfminütige "Un Soffio Caldo" den Reigen von Zuccheros zwölften Studioalbum, das von einem Sonntag in seinem Heimatdorf erzählen soll. Und so ein Sonntag hat es ziemlich in sich. Kinderlachen, dicke Synthies, Streicher, sogar Kammermusik fährt Zucchero auf "Chocabeck" auf und macht es zu einem reinen Popalbum. Muss schön sein, wenn in deinem Dorf an jeder Ecke ein Orchester sitzt.

Als große Hymne angelegt, kommt der Opener natürlich am Kitsch nicht vorbei und steht damit stellvertretend für den Ton des Albums: pompös schmachtend, vor Kitsch triefend und komplett allen Ecken und Kanten beraubt.

Die Formel der Popweichspülung deckt auch das von Bono geschriebene akustische "Someone Else's Tears" mit zentnerschweren Streichern zu, dabei wäre der Song die perfekte Gelegenheit gewesen, Zuccheros Bariton genug Raum zu geben. Denn dieser Stimme würde man auch andächtig und aufmerksam beim Vortrag aus einem Telefonbuch zuhören.

Doch leider greifen die Arrangements so tief in die Pathoskiste, dass die Stimmbänder von Mr. Bluesugar kaum davon ablenken. Daran ändert auch Brendan O'Brien nichts, der bei drei Songs an den Knöpfen drehte.

Im Gegenteil, sein "Un Uovo Sodo" gerät gar in gefährliche Backstreet Boys-Gefilde, man sieht die Faserschmeichler fast schon bei Schneeballschlachten in dicken Wollpullies. Richtig dick trägt auch "Oltre Le Rive" auf und versucht sich am ganz großen Gefühl. Über dieses Musikbett erwartet man sonst eigentlich eine R'n'B-Boygroup, nicht aber den italienischen Chefrocker. Kirchenorgel und ein angestrengt unaufdringlicher Groove machen eben noch lange keine gute Ballade aus.

Soll es mal in die Feelgood-Ecke gehen, greift Zucchero stilsicher zu Drumcomputer ("Chocabeck") und platten Dancegrooves ("Vedo Nero"). Und sollte einmal eine E-Gitarre so unverschämt cool wie in "Alla Fine" auftauchen, sind spätestens beim Refrain Kesselpauken und Violinen zur Stelle, um die arme Klampfe literweise mit Schmalz zu überschütten.

Chocabeck ist ein klassischer Fall von "weniger ist mehr". Der Kitsch-Overkill verdirbt die Laune an Zuccheros toller Stimme und an so mancher netten Melodie. So ist "Chocabeck" nur ein übertriebener Abgesang eines in die Jahre gekommen Künstlers. Che peccato!

Trackliste

  1. 1. Un Soffio Caldo
  2. 2. Someone Else's Tears
  3. 3. Soldati Nella Mia Città
  4. 4. E' Un Peccato Morir
  5. 5. Vedo Nero
  6. 6. Oltre Le Rive
  7. 7. Un Uovo Sodo
  8. 8. Chocabeck
  9. 9. Alla Fine
  10. 10. Spicinfrin Boy
  11. 11. God Bless The Child

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