laut.de-Kritik

Der Platte fehlt es an Entschlossenheit.

Review von

AFI fingen als Hardcore-Punk-Band an und integrierten dank des Einflusses von Gitarrist Jade Puget ab Ende der 90er immer mehr melodische Einflüsse in ihre Musik. Ab "Sing The Sorrow" von 2003 lehnte sich das Quartett aus Ukiah in Kalifornien zunehmend an die Post-Punk und Gothic-Ästhetik der 80er an, ohne sich von seinen Wurzeln zu lösen. Nun schimmern auf "Bodies" die düsteren Vorbilder der Band so offensichtlich durch wie nie zuvor.

Das verdeutlicht schon "Twisted Tongues", wenn wirbelnde Schlagzeug-Klänge und wavige Gitarrentöne in den Strophen eine subtile Spannung erzeugen, nur damit der Song in einem hymnischen Refrain mündet, der für AFI typischer kaum sein könnte. Bei aller Hymnenhaftigkeit schwingt aber auch immer eine gewisse Trauerweiden-Stimmung mit, die sich bis auf wenige Ausnahmen durch das gesamte Album zieht. Zudem bricht Puget hinter den Reglern den Sound der Kalifornier bis auf die Knochen herunter.

"Far Too Near" erweist sich im Anschluss als melodische Nummer, die treibend nach vorne geht. Jedoch hört man unterschwellig immer etwas Bedrücktes, wenn der Bass Hunter Burgans stoisch vor sich hinbrodelt und Puget nachdenkliche Akzente setzt. "Dulcería" erinnert mit tanzbaren Schlagzeugrhythmen Adam Carsons und abgehangenen Saiten-Klängen an The Cure zu "The Head On The Door"-Zeiten, nur ohne das Unbeschwerte, gleitet doch Davey Havoks Stimme immer mal wieder ins Weinerliche.

Die folgenden Songs hinterlassen kaum einen bleibenden Eindruck. In "On Your Back" deutet sich schon durch die melancholischen Klaviereinsprengsel eine gewisse Tendenz zur Behäbigkeit an. Melodisch fällt der Band in diesem Stück auch nicht besonders viel ein. "Escape From Los Angeles" überrascht zwar mit einem glamrockigen Refrain, verliert sich aber in den Strophen in blassen Elektro-Rock-Sphären. Der Dark-Punk-Track "Begging For Trouble" rauscht ohne nennenswerte Höhepunkte am Hörer vorbei. Das folgende "Back From The Flesh" klingt wie eine lahme Kopie des Depeche Mode-Sounds nach der Jahrtausendwende. Mehr Hang zur großen "Decemberunderground"-Geste hätte der Nummer sicherlich nicht geschadet.

Gut, dass AFI die düsteren Ansätze im Anschluss auch mal kurzzeitig hinter sich lassen und mit "Looking Tragic" sowie "No Eyes" zwei luftige Punk-Rock-Hymnen aus dem Ärmel schütteln, die dazu animieren, eine Runde auf dem Skateboard zu drehen. Dazwischen streift das Quartett in "Death Of The Party" Industrial-Gefilde, wenn postpunkige Gitarrentöne und kühler Gesang auf präzise Hammerschläge und pluckernde, sequenzerartige Sounds treffen. Im abschließenden "Tied To A Tree" findet sich die Formation schließlich in atmosphärischen Joy Division-Gefilden wieder, wobei sich der Kontrast aus akustischen, leicht gespenstischen Strophen sowie grauen und tristen Wave-Klängen im Refrain als äußerst spannend herausstellt.

Letzten Endes hätte ein großes Album entstehen können, wenn AFI mehr Mut und Entschlossenheit zur Unkonventionaliät gezeigt hätten. Die musikalische Richtung stimmt zwar, aber die US-Amerikaner offenbaren auch viel ungenutztes Potenzial, das auf der Strecke bleibt.

Trackliste

  1. 1. Twisted Tongues
  2. 2. Far Too Near
  3. 3. Dulcería
  4. 4. On Your Back
  5. 5. Escape From Los Angeles
  6. 6. Begging For Trouble
  7. 7. Back From The Flesh
  8. 8. Looking Tragic
  9. 9. Death Of The Party
  10. 10. No Eyes
  11. 11. Tied To A Tree

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