laut.de-Kritik

Eine seltsame Mischung aus Lauryn Hill und Andrea Berg.

Review von

Olexesh macht's mit Vanessa Mai. Andreas Gabalier lädt die 257ers zum MTV Unplugged. Und DasDing fragt in einer Straßenumfrage: "Rap vs. Schlager – hörst du den Unterschied?" Die Grenzen zwischen den Genres verschwimmen. Schlager und Hip Hop begegnen sich mittlerweile auf Augenhöhe – egal, ob es um die Popularität oder die plumpen Texte geht.

Alexa Feser wäre gerne die Brücke zwischen den Stilen. Das hat sie zwar nie behauptet, doch ihr fünftes Studioalbum "Liebe 404" klingt so. Eben wie eine kräftig durchgeschüttelte Mischung aus Lauryn Hill und Andrea Berg. Klar, dass die 42-Jährige damit offene Türen bei einem Kool Savas einrennt. Die gemeinsame Single "Fluchtwagen" hätte auch neben "AMG" auf "Aghori" gepasst.

"Liebe 404" fußt auf melodiösen Hip Hop-Beats. Die Snares und Kicks drücken kräftig, die Arrangements sind dezent ausproduziert. Synthie-Spuren stehen über organischen Instrumenten. "Einen" schreckt nicht einmal vor Chipmunk-Soul zurück. Obwohl das Album innerhalb von zwei Jahren entstand, klingen die zwölf Songs zumindest wie aus einem Guss.

"Und wenn es sein muss, fahr ich für dich sogar den Fluchtwagen", heißt es in dem bereits angesprochenen Stück mit Kool Savas. Die Inhalte von Alexa Fesers Texten lassen sich mit wenigen Worten zusammenfassen: Liebe, Herzschmerz, Kopf hoch. Wirklich hängen bleibt inhaltlich nichts im Laufe der 35 Minuten. Dafür trägt sie die Texte deutlich und sauber mit tiefem Gesang vor.

Feser nutzt eine einfache Sprache mit einfachen Doppelreimen. Das hört sich gesungen zwar gut an, trägt aber nicht zur Tiefe der Texte bei. "Beide Hände aus dem Schiebedach, endlich fühle ich mich wieder wach", heißt es an einer Stelle. Die Presseinfo verrät, was die Künstlerin damit beschreiben möchte: das "Gefühl, die Hände endlich wieder gen Himmel zu strecken und sich selbst spüren zu können". Sag bloß.

Doch Feser, die ihre Karriere als Studiosängerin von unter anderem Thomas Anders und den No Angels begann, weiß genau, was sie da anstellt. Diese einfachen Popstücke wollen ins Ohr und schaffen es auch. "Liebe 404" besteht durchgehend aus unerträglich eingängigen Refrains. Das ist auch eine Kunst – und Feser beherrscht sie mit Bravour.

"Sie reden es klein, du machst es groß, singt sie in der Falco-Reminiszenz "Optimist". Feser ist keine Schlechte. Im Gegenteil. Sie beherrscht ihr Handwerk, nutzt es aber für langweilige Radiomusik. Wer sich ärgert, dass die Amigos-Tochter OG Keemo den ersten Platz in den Albumcharts weggeschnappt hat, gehört nicht zur Zielgruppe. "Liebe 404" bleibt Kompromissmusik für Menschen, die beide Welten mögen.

Trackliste

  1. 1. Fluchtwagen (feat. Kool Savas)
  2. 2. Air Max
  3. 3. Aufstehmensch
  4. 4. Liebe 404 (feat. Sero)
  5. 5. Memo
  6. 6. Belvedere
  7. 7. Schiebedach (feat. Esther Graf)
  8. 8. 100 Samurai
  9. 9. Minibar
  10. 10. 404 Interlude
  11. 11. Einen
  12. 12. Optimist

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