laut.de-Kritik

Endlich massentauglich dank Will.I.Am und Autotune.

Review von

"Es ist das am besten produzierte Album, das ich bisher aufgenommen habe", kommentiert Dizzee Rascal seinen sinnig "The Fifth" betitelten fünften Longplayer. "Wenn ich mit der letzten Platte den Fuß in den Pool der Glückseligkeit getunkt habe, schwimme ich mit dieser jetzt richtig. Rücken, Butterfly, alle Lagen ... nicht mehr nur Herumpaddeln."

Ein bisschen dankbar bin ich Dizzee Rascal ja schon, dass er selbst die Parallele zu "Tongue N'Cheek" zieht. Ich schrieb es nämlich damals schon, "The Fifth" markiert nun die konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses: : raus aus "Da Corner", rauf auf die Tanzfläche. Oder, in Dizzees Worten: "I just catch a vibe and then follow it."

Allein schon die Featuregäste sprechen Bände: Mit Jessie J, Sean Kingston, Robbie Williams und Will.I.Am treten längst keine Untergrund-Künstler mehr an, sondern Charts-gepuderte Mainstream-Nasen, die zwar für keinerlei Überraschung sorgen, dafür aber Club- und Massentauglichkeit garantieren. Das klingt genau, wie es sich liest: schrecklich langweilig.

Haben es denn alle vergessen oder verdrängt? Als wären die 90er nicht lang und furchtbar genug gewesen, jaulen platte Synthies und bis zur Unkenntlichkeit ausgeleierte Elektro-Effekte um die Wette. Die Hooklines erfahren entweder gnadenloses Autotuning ("Spend Some Money", "Arse Like That") oder rutschen im üblichen R'n'B-Schmonz schier aus ("Good", "Heart Like A Warrior").

Inhaltlich herrscht ähnliche Einöde: "I want to show you like a good time looks like." Über Partyparty und den Mädels abwechselnd auf die Titten und den Arsch zu stieren, kommt "The Fifth" dabei nicht hinaus. Dass im Zentrum des Halligallis einer, und nur einer zu stehen hat, daran lässt Dizzee Rascal mit Tupac'scher Forderung erst gar keinen Zweifel aufkommen: "All eyes on me!"

Beschränkte sich sein Aktionsradius einst noch auf Londons Eastside, operiert Dizzee längst "worldwide": Der Erfolg sei ihm von Herzen gegönnt. Kein Wunder, hegt er keinerlei Bedürfnis, die Zeit zurückzudrehen. Wer will schon wieder in einem schimmligen Keller sitzen, wenn er im VIP-Bereich abhängen kann?

"All I do is flex, I don't need a reason." Sein rasender, kantiger, Grime-gestählter Flow hat so wenig gelitten wie sein unverkennbar britischer Akzent. Dass mit dem Hunger der Grant auf der Strecke geblieben ist: zweifellos gut für Dizzee Rascal persönlich. Seiner Musik hat der Popularitätsschub allerdings nicht gut getan.

Klar, "The Fifth" erweist sich als durch die Bank kopfnickbar wie "Bonkers". Eine Aufforderung wie "Let's get freaky" wirkt angesichts der gnadenlos auf Großraumdisko-Zwecke getrimmten Show allerdings wie der blanke Hohn. "Freaky" erscheint hier gar nichts mehr, wohl aber penibel durchkalkuliert.

Die Idee, Will.I.Am aus dem Hut zu ziehen, verdient in jedem Fall den Titel "Something Really Bad". Robbie Williams klingt in "Going Crazy" zwar nicht viel innovativer, die dick produzierte Nummer besitzt aber wenigstens Ohrwurmpotenzial und besticht mit grandios beklopptem Video. Immerhin: Alle Beteiligten haben ihren Spaß.

Wie weit "The Fifth" unter seinen Möglichkeiten bleibt, lassen die beiden Tracks ahnen, die aus dem Rahmen fallen: Zusammen mit den beiden ortskundigen Kollegen Bun B und Trae Tha Truth besucht Dizzee Rascal deren "H-Town". Dunkler, weicher, zugleich um Welten spannender als das sonstige Synthieeinerlei klingt der Beat, den A-Trak für diesen Trip bereit hält.

Ja, und "Bassline Junkie": Dass der ohne Singleauskopplung den Sprung von einem Mixtape in die britischen Charts schaffte, liegt weder an einer teuren Produktion noch an einem namhaften Featuregast noch am artigen Bedienen kommerzieller Erwartungshaltungen, sondern ausschließlich an der hingebungsvoll zelebrierten Kraft des "big dirty stinkin' bass", für den man Speed, Heroin und Koks gerne links liegen lässt.

"H-Town" und "Bassline Junkie" beweisen, was der Rest der Platte höchstens andeutet, was seit "Boy In Da Corner" aber ohnehin jeder wissen könnte: Dizzee hat es drauf. Er ist nur momentan zu sehr damit beschäftigt, im Pool der Glückseligkeit zu planschen. "The Fifth" geht dort bedauerlicherweise baden.

Trackliste

  1. 1. Superman
  2. 2. I Don't Need A Reason
  3. 3. We Don t Play Around
  4. 4. Good
  5. 5. Spend Some Money
  6. 6. Arse Like That
  7. 7. Something Really Bad
  8. 8. Goin' Crazy
  9. 9. Love This Town
  10. 10. H-Town
  11. 11. Heart Of A Warrior
  12. 12. Life Keeps Moving On
  13. 13. Bassline Junkie

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