laut.de-Kritik

Bei diesem Tenant am besten auf akustischen Eigenbedarf klagen.

Review von

Toto, die Dad-Rocker schlechthin (Alternative für Väter mit verwaschenem grünstichigem Oberarmtattoo: Rush), versuchen sich gerade an einer ihrer zahlreichen Comeback-Touren. Trotzdem findet der mittlerweile zum dritten Mal zu Toto gestoßene Sänger Joseph Williams (wie auch Gitarrist Steve Lukather) Zeit für ein Soloalbum. Gleich zu Beginn die gute Nachricht: "Denizen Tenant" ist nicht wie Totos letzter Output in tutto blues-orientiert, sondern lässt dem eigentlichen musikalischen Zuhause von Williams, dem kalifornischen Yacht-Rock (ich weiß, das kennt ihr von Family Guy), ein kleines bisschen mehr Platz zum Atmen.

Dass "Denizen Tenant" trotzdem kein gutes Album geworden ist, liegt daran, dass diese spezielle Mischung aus Affektiertheit und Bootsgefühl des Yacht-Rock, der vom Musikgott prädestinierte Platz für Williams hohe Stimme, eine zu kleine Rolle spielt gegenüber Wohlfühl-AOR-Soul Marke Sting. Der kann schon gut sein, aber halt nicht wenn er nicht annähernd so gut geschrieben oder ausgeführt ist wie bei Sting.

Der Opener "Never Saw You Coming" fängt den Reigen schmieriger Musik im 90er-Soul-Tempo an. Neben dem schlechtesten Video, das ich überhaupt jemals gesehen habe, versucht der Song leicht dreckig und sehr cool zu sein, bricht dabei an seinem nervtötenden Dauerhall und dem einfallslosen Songwriting aber schon im Startblock zusammen. Der vollkommen harmlose Kuschelrock von "Black Dahlia", bei dem Langzeit-Ex-Toto-Songschreiber David Paich mitschunkelt, und "World Broken" hören sich wie etwas an, für das früher bei tm3 in den Werbepausen Werbung gemacht wurde. Der qualitative Bodensatz "Wilma Fingadoux" versucht irgendwas Richtung R'n'B zu sein und ist schlicht unhörbar. Der Schmalz trieft aus jeder Ecke, alles hört sich wie durch zu lange nicht mehr getauschte Dunstabzugshaubenfilter einer Frittenbude gequetscht an. Im Original von Peter Gabriel und Kate Bush, gibt der Kalifornier auf "Don't Give Up" einen weichgespülten Bon Jovi mitsamt seiner nunmehr musikalisch als vorbestraft geltenden Tochter Hannah.

Die Stimmung verhageln aber vor allem jene Songs, die gut sind und Williams zwingen, etwas Dynamik in sein spezielles und dadurch ja auch interessantes Organ zu legen. Denn es wäre doch so einfach gewesen. Ohne erkennbare Mühe verlässt Williams das nervige Echo der Yeah-Ad Libitum-Vorhölle, und guter Westcoast-Yacht-Rock wie bei "The Dream" und "Remember Her" entfaltet echten Groove. Lukathers hier endlich mal markante Gitarre tut dem letzten Song auch gut, da merkt man erstmal, wie zurückgenommen und wenig distinktiv die musikalische Untermalung des restlichen slow-to-mid-Tempo-Albums ist. Williams hat einen der Songs übrigens selber geschrieben und war beim anderen Co-Songwriter – das gilt aber auch für die Rohrkrepierer dieses Albums.

"If I Fell" schafft es mit Sicherheit nicht in die Top 50 der Beatles-Cover, gerät trotzdem ab Sekunde eins abwechslungsreicher als Dreiviertel des restlichen Albums. Das Cover tut sein Bestes, den Song in Schmonz absaufen zu lassen, aber die Akkorde sind nun mal, wie sie sind, und das reicht schon, um den Sepp als Sänger positiv ins Licht zu rücken.

Albumhighlight ist "No Lessons", geschrieben von Jay Gruska, mit dem der Sänger wiederum schon für Chicago Hits schrieb. Ein AOR-Genrestandard samt Sax, gut gemacht, und Williams legt sich stimmlich richtig ins Zeug. Man erwischt sich dabei, wie man zwischendurch die Faust ballt und pathetisch die Augen schließt- mission accomplished, zumindest für einen Song.

Trackliste

  1. 1. Never Saw You Coming
  2. 2. Liberty Man
  3. 3. Denizen Tenant
  4. 4. Wilma Fingadoux
  5. 5. Black Dahlia
  6. 6. Don't Give Up
  7. 7. The Dream
  8. 8. Remember Her
  9. 9. No Lessons
  10. 10. Mistress Winter's Jump
  11. 11. If I Fell
  12. 12. World Broken

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9 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor einem Jahr

    Rezensionen sind immer subjektiv. Danke an Franz Mauerer, dass mit dieser hier zumindest ein Echo ausgelöst wird für eine Scheibe, die sonst vermutlich keine große Aufmerksamkeit erreichen würde. Denn seien wir mal ehrlich: wer verbindet den Namen Joseph Williams mit Toto. Nur diejenigen, die sich für die Bandgeschichte interessiert haben.
    Bei allen provokativen Äusserungen, ich kann einige Kritikpunkte nachvollziehen. "Wilma Fingadoux" empfinde ich bei aller Abwechslung als Anbiederung an heutige Radiostandards. "If I fell" wirkt zahnlos und mit einem Cover von "Dont give up" kann man eigentlich nur verlieren, aber....
    die beiden Opener sowie "Remember her" sind sehr nah an der Stammband angelegt und hätten auch gut dort platziert werden können. "Denizen Tenant" atmet Steely Dan und "No lessons" ist für mich eine der schönsten Balladen seit langem.
    Wie Andi Z sagt, ich mag's einfach - und sogar mehr als das zeitgleich erschienene Album seines Bandkollegen Steve Lukather. Toll produziert und abwechslungsreich :-)

  • Vor einem Jahr

    Komisch bei Laut wird stets gute Musik durch den Kakao gezogen. Vielleicht sollte dem Schreiber mal jemand erklären, dass Kritik nicht gleichzusetzen mit "Ich finde etwas richtig schlecht" ist. Im Rahmen einer Kritik darf es durchaus auch Lob und Begeisterung geben. Nur, wenn er es nicht erträgt eine Platte oder große Teile davon zu hören, dann sollte er besser auch nicht darüber schreiben. Denn so exteme negative Kritiken bringen keinem was. Vor allem keine Lust, sich vielleicht mal ein eigenes Bild zu machen. Vorliegende wird der Musik weitestgehend nicht ansatzweise gerecht.

    Vielleicht mag Herr Mauerer keine Musik? Oder er mag einfach nörgeln. In jedem Fall sollte er dann lieber mal schauen, dass er etwas findet, was er gerne hören mag; und versuchen darüber zu schreiben. Dabei wünsche ich ihm viel Glück.

    Aber das hier ist journalistisch wertlos.

  • Vor 3 Monaten

    Herr Mauerer, gehen Sie doch bitte wieder in ihre Höhle, klopfen auf Steine und erfreuen sich am Kling Klong....