laut.de-Kritik

Gelungenes Indie-Debüt aus Rosenheim.

Review von

Sie kommen aus dem Kaff und wollen in den Kiez. So lautet die Devise der Rosenheimer Band. Damit verfolgen sie ähnliche Ziele wie zuletzt die Kollegen von Provinz. Mit ihrem handgemachten Indie klingen sie auch ein wenig wie die Ravensburger, der rockige Einschlag erinnert eher an die Soeckers und die markante Stimme von Sänger Johannes an das Duo Raum27. Auch eine Nähe zu AnnenMayKantereit wurde schon festgestellt. Doch derartige Dramatik findet man Kaffkiez weder in den Texten, noch in der Musik.

Sie klingen unpolierter, eben wie eine Band, die bis vor kurzem noch in den heimischen Dorfkneipen spielte. Da nannten sie sich Maybe, ehe sie 2020 um die Zeit des ersten Lockdowns vom Englischen ins Deutsche wechselten. Mit dem neuen Namen folgte die erste Single "Nie Allein" und der Wunsch nach "schwarzem Schimmel auf dei'm Toast", eine erste Tour und nun das Debütalbum "Alles Auf Anfang".

Hier tanzen Johannes, Niklas, Florian, Benedikt und nochmal Johannes für das Freiheitsgefühl ("Frei"), besingen Liebeskummer ("Du Sagst"), den Abnabelungsprozess als junger Mensch vom Land ("Ohne Euch") und das Pandemie-Dasein ("Alles Geht Vorbei"): "Weil nichts ist wie es scheint / Und nichts bleibt, wie es ist". Das macht trotz fehlender Hoffnung ("Was ist das?") den besten Track des Albums.

Thematisch also nichts Neues, musikalisch dafür eingängig und locker, flockig, leicht. Mit ihrer klassischen Besetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard kreieren die fünf Freunde einen gewohnten Sound und könnten so im Grunde die neuen Lieblinge der deutschen Radiolandschaft werden. Doch dafür klingen sie vielleicht doch einen Hauch zu alternativ.

Ein- bis zweimal werden Kaffkiez auch etwas politisch. Bei "Scheissegal" prangern sie Intoleranz an: "Mama sagt dir später / Dass sie dich ja trotzdem liebt", bei "Falsch" fehlendes Umweltbewusstsein: "Ich kann gefühlt nicht ohne Plastik / 99 Luftballons". Neben Nena besingen sie hier auch die bekanntesten Songs von Helene oder Jürgen Drews. Nicht selten sprechen sie dadurch als netten Nebeneffekt gleich zwei Probleme an.

"Und ich frag dich, 'Wird alles gut?'" - "Und du sagst mir: 'Es wird alles gut'" schreit Sänger Johannes, während Johannes, der Zweite, euphorisch auf die Klaviertasten schlägt. Das Instrumental bleibt genauso in Erinnerung wie das besungene Sofa und das markante Bassriff in "Du Sagst". "Vielleicht" fehlt es "Alles Auf Anfang" einfach an genau solchen Highlights.

Trackliste

  1. 1. Du Bist Schuld
  2. 2. Falsch
  3. 3. Ohne Euch
  4. 4. Alles Was Wir Wollten
  5. 5. Rette Mich
  6. 6. Vielleicht
  7. 7. Du Sagst
  8. 8. Scheissegal
  9. 9. Frei
  10. 10. Alles Geht Vorbei

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