laut.de-Kritik

"Hip Hop and Metal, I'm gonna love you til I die!"

Review von

Mist! Warum hat man eigentlich nur zu den seltensten Zeitpunkten die passende Antwort parat? Jüngst fragte mich ein freundlicher Wikinger auf einem Death Metal-Konzert merklich erstaunt: "Sag mal, wenn Du sonst Hip Hop hörst ... fällst du da bei den Shows nicht brachial auf?" (Es handelte sich, nebenbei bemerkt, um die Release-Party von "Resilience" der großartigen Crusade, zu der ich ganz offensichtlich passend gekleidet erschien. Gruß nach Wien.) Necro hätte für den Mann einen exzellenten Musik-Tipp abgegeben, um die Vereinbarkeit beider Genres zu demonstrieren.

Der Titel ist Programm: Necro nennt seine Crossover-Kreation aus harten Riffs, eingegrölten Hooklines und brachialster Gewalt-Lyrik plakativ "Death Rap". Ein Blick aufs Cover erklärt sofort, wieso dieses Album zunächst in die Klauen des Kollegen Edele geriet. Doch obwohl eine ganze Legion Kollaborationspartner aus der metallenen Ecke aufgefahren werden: Man bekommt es doch unzweifelhaft mit einer Veröffentlichung für die Kopfnickerabteilung zu tun.

"Hip Hop and Metal, I'm gonna love you til I die", bringt Necro seine Beweggründe in "Keeping It Real" an der Seite Adam Jacksons von den Twelve Tribes auf den Punkt. Das Konzept ist nicht neu. "Body Count" brüllt es in meinem Kopf. Necro aber vollzieht den Spagat, der bei genauerer Betrachtung gar keiner ist, seit Jahren und tönt dabei weit weniger ideenlos als Kollege Ice Ts letzter Streich "Murder 4 Hire".

Was mir Edele zahm als "Metzellyrik" beschrieb, liefert problemlos Stoff für zwei bis drei Horrorfilme nebst etlicher gediegener Bonus-Alpträume. Woher dieser Knabe, wenn er nicht gerade wie auf dem Vorgängeralbum über Hardcoreporno-Magazine zu flowen scheint, seine apokalyptischen Gewaltphantasien nimmt, möchte ich lieber gar nicht so genau wissen. In der richtigen Stimmung - also eigentlich immer, wenn man von ohnehin gnadenlos überschätzten Candlelightdinner-Situationen absieht - bereiten mir "Creepy Crawl"-Szenarien durchaus diabolisches Vergnügen.

Bewegen wir uns bei "No Remorse", wenn auch genreuntypisch mit Gitarren, Drums und Backgroundgesängen garniert, oder dem düsteren, pianogeschwängerten "Some Get Back" noch relativ eindeutig in Hip Hop-Gefilden, sieht die Sache bei "Belligerent Gangsters" schon anders aus. Den Herrn, der hier ins Mikrofon brüllt, lieh sich Necro gut gelaunt bei den Cro-Mags aus. Auch bei "Suffocated To Death By God's Shadow" watet man knietief in Drums und E-Gitarren.

Überhaupt scheinen Metal-Künstler weit weniger Berührungsängste zu verspüren als Hip Hop-Artists: Während erstere gleich scharenweise an den Start gehen (vertreten sind unter anderem Mitglieder von Lamb Of God, Suffocation, Anthrax und Fates Warning), lässt sich Necro am Mikrofon lediglich von seinem langjährigen Weggefährten und seinem noch langjährigeren großen Bruder helfen.

Sowohl "Exploitation" mit Mr. Hyde als auch das unwirklich und ziemlich spooky geratene "As Deadly As Can Be" mit Ill Bill erfreuen das Gehör gleich mehrfach: fiese Texte, flüssige Reime, interessante Beats, nur leider, wie das komplette Album, viel zu kurz. Kaum hat man die rhythmischen Kapriolen in "Mutilitate The Beat" detektiert, sich den Ohrwurm "Keep On Driving" in den Kopf gesetzt und sich - "Evil Rules!" - so richtig schön warmgebrüllt, hat der Spaß auch schon wieder ein Ende.

Immerhin verhallt "Death Rap" stilecht in den schwerkranken Walzerklängen von "Forensic Pathology" und mit dem Porträt eines Death-Rappers. Ein wenig mehr Ausdauer und Stehvermögen für mehr als knapp 40 Minuten Performance hätte ich mir allerdings doch gewünscht - oder sollte der Sexorcist in Necro mittlerweile tatsächlich an den Necrophiliac übergeben haben?

Trackliste

  1. 1. Creepy Crawl
  2. 2. No Remorse
  3. 3. Some Get Back (Revenge)
  4. 4. Belligerent Gangsters
  5. 5. Suffocated To Death By God's Shadow
  6. 6. Mutilate The Beat
  7. 7. Keep On Driving
  8. 8. Technician Of Execution
  9. 9. Keeping It Real
  10. 10. Exploitation
  11. 11. As Deadly As Can Be
  12. 12. Evil Rules
  13. 13. Forensic Pathology
  14. 14. Portrait Of A Death Rapper

Preisvergleich

Shop Titel Preis Porto Gesamt
Titel bei http://www.hhv.de kaufen Death rap €15,95 €3,90 €19,85
Titel bei http://www.jpc.de kaufen Death Rap €16,98 €2,99 €19,98
Titel bei http://www.amazon.de kaufen Necro – Death Rap €29,98 Frei €32,97

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Necro

"Hip hop and metal, I'm gonna love you til I die." In "Keeping It Real" bringt Necro seine eigenen Vorlieben auf den Punkt und erklärt gleichzeitig den …

40 Kommentare