Erstmals werden in den britischen Charts neben den realen Singleverkäufen auch reine Downloads gezählt. Mit dieser Umstellung könnten Oldies einen zweiten Frühling erleben.

London (sos) - Es kommt einer kleinen musikalischen Revolution gleich, die allerdings längst überfällig war: Am Freitag gab die Official UK Charts Company bekannt, dass ab sofort jeder Song, der im Internet legal herunter geladen wird, in den britischen Single-Charts gezählt wird - unabhängig davon, ob es das Stück im Plattenladen gibt oder nicht. Bisher wurden nur Singles berücksichtigt, die auch regulär auf Tonträger erhältlich waren.

Diese Nachricht hört sich im Jamba-Klingelton-Zeitalter vielleicht wenig spektakulär an, aber die Umstellung bringt einige Vor-und Nachteile mit sich. Einerseits könnten so wieder Uralt-Singles auftauchen. So könnten z. B. die Klassiker Beatles bald wieder die Top Ten aufmischen, aber auch Songs, die aufgrund aktueller Schlagzeilen begehrt sind. Etwa alte Kamellen der Spice Girls, die dank Mel B.s Beziehungsdrama mit Eddie Murphy wieder zum Thema werden.

Die erste Ausgabe der nach den neuen Regeln erstellten Charts brachte allerdings keine spektakulären "Wiedergänger". Auf Platz neun findet sich Snow Patrols "Chasing Cars", das bereits im Juli erstmals in den Charts verzeichnet war. Auch Nelly Furtados "Maneater" und Gnarls Barkleys "Crazy" feiern aufgrund der Download-Verläufe den Wiedereinstieg.

Der Sprecher der Musikindustrie-Organisation BPI erklärte der britischen Presse dazu stolz: "Wir wollen in den Charts abbilden, was die Menschen wirklich kaufen. Nun kann jeder digital verfügbare Song die Nummer eins werden." Die Aussage bezieht sich gleichwohl nur auf die bezahlten Downloads der von der Musikindustrie genutzten Plattformen.

Auf der anderen Seite könnten die Klassiker aber Newcomern im Weg stehen - ein Nachteil, den die Musikindustrie auf jeden Fall verhindern will. "Man könnte dann den Verbleib in den Charts zeitlich begrenzen", beschreibt OUCC-Direktor Omar Maskatiya eine mögliche Notbremse.

In der deutschen Branche beobachtet man die Vorgänge auf der Insel derweil "mit Interesse". Die Verantwortlichen wollen erst die Erfahrungen der Kollegen abwarten, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Britische Experten rechnen mit sichtbaren Veränderungen in den Charts, aber eher mittel- als kurzfristig.

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