Kreischende Fans und ein tanzender Frontmann: Die Metal-Shootingstars liefern ein visuelles Spektakel ab. Fotos/Review.

Berlin (dp) - Masken sind in der Populärmusik nun wirklich keine neuen Accessoires. Kiss malen sich ihre Gesichter seit den 70ern an, im Black Metal sorgt Corpse Paint für mehr Verschlagenheit, Slipknot verstecken sich hinter fantastischen Fratzen, Ghost vermummen sich, und sogar im Hip Hop frönt man der Anonymität (siehe Sido oder Cro).

Indie, Metal, R'n'B, Gothic?

Seit 2016 verwirren Sleep Token ihre Fans nicht nur mit kryptisch anonymen Personas, sondern auch mit einem wilden Mix aus vielen Genres.

Auf die Frage, welchen Sound die Truppe aus London nun eigentlich macht, zögert man mit einer Antwort. Ist das jetzt Indie, Metal, R'n'B oder doch Gothic? Oder irgendwas dazwischen? Genregrenzen würden Sleep Token zu sehr einschränken, betont Frontmann und Mastermind Vessel1 diesbezüglich.

Von Gothic-Style bis Baggy Pants

Und so ähnlich sieht folgerichtig auch das Publikum in der Berliner Verti Music Hall aus: Vom Gothic Girl im Lackleder-Korsett bis zum bunten Typ in Baggy Pants ist alles dabei. Die noch recht junge Halle erlaubt ohnehin jegliches Couleur auf und vor der Bühne. Diese selten seltsame Mischung verspricht einen interessanten Abend, und um kurz nach 21 Uhr beginnt die gut 90-minütige Show der britischen Metal-Shootingstars.

Zu den ersten Klängen von "Chokehold" betreten Vessel1 und Band, Drummer, Gitarrist und drei Backgroundsängerinnen, die Bühne. Mehr braucht es nicht - der Rest der bombastischen Arrangements kommt vom Band.

Imposantes Lichtspiel statt Selbstdarstellung

Die Beleuchtung der Bühne ist stark atmosphärisch orientiert. Viele LED-Leuchten, imposante Lichtinstallationen und sphärische Visual Effects dominieren die Show und setzen das Konzept der anonymen Band passend in Szene. Unter ihren Masken sieht man die Protagonist:innen sowieso nicht, und die Lightshow soll diese auch gar nicht ausleuchten.

Es geht hier nicht um die einzelnen Musiker:innen, sondern das gemeinsame Erleben und Erfühlen der Klänge, auch erzeugt mittels der visuellen Stimmungsbilder, in deren Mitte immer prominent das Bandlogo prangt. Die vorherrschenden Farben bewegen sich im Rot-Blau-Spektrum, unterbrochen von kurzzeitigen Stroboskop-Effekten. Und so kommen nur die vorderen Reihen in den Genuss, ein bisschen mehr vom freien Oberkörper des bemalten Frontmanns zu erhaschen.

Vessel1 geht erstaunlich agil zu Werke und nutzt ab dem zweiten Song, "Hypnosis", die komplette Bühne für sich: Er tanzt zum verzückten Gekreische der fast ausschließlich weiblichen Fans in den Frontrows. Dieses Phänomen ist überaus interessant, denn trotzdem das Gesicht des Sängers unbekannt ist, sind die Girls völlig außer Rand und Band. Hit or miss, Beckham oder Quasimodo - denn wer wirklich unter der Maske steckt, wird man in nächster Zukunft wohl kaum erfahren.

Keine Überraschungen

Überraschungen bleiben bei der durchgetakteten Show, die Sleep Token abliefern, gleichwohl aus. Auch Ansagen gibt es keine. Die 17 Songs umfassende Setlist kommt beim Publikum dennoch gut an. Neu wird auf der laufenden Tournee "Take Me Back To Eden" gespielt, der letzte Song des regulären Sets. Die Reaktion auf die einzelnen Tracks bewegt sich meist auf demselben Level: Denn je nach Gewichtung eines Genres klatschen entweder die Gruftis lauter oder eben die R'n'B-Fraktion.

Highlights des Abends sind sicherlich das halbakustische "Atlantic", bei dem die LED-Lichter Regen simulieren und "The Summoning". Der Sound in der Halle ist gut, die Stimme auch, die Gitarre fett und der Rest - naja, wird eben abgespielt. Wobei fast, denn zuweilen begibt sich Vessel1 ans Keyboard. Und so bleibt bei aller Professionalität am Ende doch der Beigeschmack einer generischen Show ohne Verbindung zum Publikum und echten Livecharakter. Für Fans, die ihren Konzertbesuch gerne visuell unterstützt haben möchten, sicherlich ein Erlebnis, für Freund:innen der gepflegten Livemusik eher enttäuschend.

Von Désirée Pezzetta.

Fotos

Berlin, Verti Music Hall, 2023 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London.

2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) 2023 auf dem Metal-Thron angelangt: die maskierten Shootingstars aus London., Berlin, Verti Music Hall, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta)

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laut.de-Porträt Sleep Token

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5 Kommentare mit 15 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Hab nie kapiert, warum die als Genremix so gefeiert werden. Ist für mich aus allen Genres das Langweiligste, der kleinste gemeinsame Nenner. Und wenn ihre Studioscheiben schon so unpersönlich und steril klingen, dann wundert mich die Beschreibung eines relativ glatten Abends wenig.

    • Vor 2 Monaten

      Ist halt der most ethereal kleinster gemeinsamer Nenner.

      Keyboardsuppe trifft Synapsen für kollektive Ekstase, das kennt man so aus charismatischen Freikirchen, hier halt in Okkult und sexy (das erledigt dann den Rest der Anziehungskraft).

      Wundert mich bei den Texten auch null, dass das so durch die Decke geht, bekanntlich gibt es einen Erfolg, den man sich erarbeiten kann, und ein Erfolg, der einem gegeben wird. Das hier ist relativ eindeutig letzteres.

    • Vor 2 Monaten

      Klar, ist da von fast allem ein bisschen was im Mixer aber alles davon machen sie mindestens gut.
      Dass sie aus "allen Genres das Langweiligste, der kleinste gemeinsame Nenner" bieten, sehe ich gar nicht so.
      "Vore" zum Beispiel wäre auch von einer Blackgaze-Band ein famoser Blackgaze-Song und die Progmetal/Djentparts sind toll und viel mehr als kleinster gemeinsamer Nenner.
      Die poppigen R'n'B-Elemente sind vielleicht nicht immer die aller deepesten und das können andere sicher noch besser aber sie sind trotzdem catchy und deswegen hören das auch teilweise Leute, die ansonsten gar keine Gitarrenmusik hören oder bis dato noch nicht mochten.
      Und selbst, wenn einem der Stilmix und die cleane Produktion nicht gefallen, sollte man den Songwritingchops in einem Lied wie "Aqua Regia" und diesen Akkordprogressionen zumindest Respekt zollen, das ist schon richtig gut.
      Der Gesang ist natürlich auch Geschmackssache, ich mag den bis auf die gelegentlichen Momente, wo er die Noten so versucht rauszupressen.

    • Vor 2 Monaten

      Während mir bei den Strophen von "Aqua Regia" die Füße eingeschlafen sind, hat der Chorus aber definitiv schöne Akkordfolgen. Für mehr als "ist nicht komplett scheiße" reichen die paar positiven Aspekte bisher nicht.

      Ich kann mir aber auch AWOLNATION auch nur gelegentlich und homöopathisch geben, und an die erinnert mit der Pop-Sound oft. Der (aufgrund der begrenzten Range des Sängers) große Mangel an guten Leadmelodien kann mein Popherz überhaupt nicht gewinnen. Da gibts quasi nur zwei-drei Töne, auf denen er Ewigkeiten herumkauf. Da ich halt diese super cleane, saftlose Produktion von moderneren Metalvarianten auch nicht ausstehen kann, sind "Sleep Token" das schlechteste aus beiden Welten für mich.

      Aber sie spalten. Die einen vergöttern, die anderen verachten sie. Das passiert in der Regel nur sehr eigenständigen Bands, und dafür hab ich einen Grundrespekt :)

  • Vor 2 Monaten

    Hauptsache Goth Girls. Muss ich die Band kennen?

  • Vor 2 Monaten

    Ich mag die Musik und erkenne die Mühe für das "Lore" an. Das Blackfacing bleibt hingegen irritierend.

    • Vor 2 Monaten

      Mucke war prinzipiell ganz gut, auch wenn mich das stellenweise zu sehr an bspw. Portishead erinnert.
      Aber der Gesang war einfach nur öde. Hat mir (live) gar nicht getaugt. Show war aber ganz gut tatsächlich.

  • Vor 2 Monaten

    Finde den ganzen Beitrag eher so mittel. Halb Wikipedia halb eigenes empfinden ohne richtige Recherche. Sorry, aber die live-präsenz zu kritisieren, nachdem eine Stunde vor Konzertbeginn der Bassist und damit Stimmungsmacher der Band aus familiären Gründen abreisen musste, zeugt schon von Uninformiertheit. Der ganze Auftritt war daher anders als üblich bei sleep token und als die Fans eine römische 3 mit den fingern zeigten (für den Bassisten) weinte Vessel auf der Bühne. Das ist etwas, was in einen Konzertbericht müsste. Schade das Leute Karten bekommen oder kaufen, die die Musik nur okay finden, aber Fans dafür in sie röhre gucken müssen.

    • Vor 2 Monaten

      Hätte es nicht besser sagen können. Mir gefällt der Artikel generell nicht. Dieser leicht abwertende Ton der sich durch den gesamten Beitrag zieht. Fängt schon dabei an von Girls zu sprechen statt Frauen. Und was soll diese Quasimodo/Beckham scheiße...nicht verstanden worum es bei der Band geht. Obwohl es Vessel doch so klar und deutlich wie möglich gesagt hat. Es geht um die Musik und nicht darum wer die künstler sind.

      Ich fand das Konzert ultra geil. Natürlich fehlte III aber die Songs und ihre Energie waren trotzdem fantastisch. Bis auf euclid haben sie auch alle Songs gespielt die ich sehen wollte.

    • Vor 2 Monaten

      Warum soll es in den Bericht, wenn einer von denen auf der Bühne weint? Passiert im Stripclub nebenan dauernd.

    • Vor 2 Monaten

      "und als die Fans eine römische 3 mit den fingern zeigten (für den Bassisten) weinte Vessel auf der Bühne."

      :lol: :rolleyes:

    • Vor 2 Monaten

      Nachtrag: der hat natürlich geheult, weil die Zuschauer drei von zehn Fingern das Konzert bewertet haben.