laut.de-Kritik

Ein bisschen zu schnell gelebt?

Review von

Die Trophäe für den am schnellsten verjuxten Hype der Rap-Gegenwart geht an Roddy Ricch. Dem Jungen aus LA lag die Welt zu seinen Füßen: Einen Überhit mit "The Box", ein Cosign von Nipsey Hussle, einen verlässlichen Partner in Crime mit DJ Mustard und eins der viralsten Rap-Debüts der letzten Jahre, "Please Excuse Me For Being Antisocial". 2019 ging jedes seiner Features viral, der Rap-Mainstream hing ihm über jede seiner Hooks an den Lippen. Dann: Zwei Jahre Funkstille, eine unterwältigende Lead-Single und ein Album, das quasi mit dem Release auf dem Wühltisch landet. Wie ist das passiert?

Beim oberflächlichen Hören klingt "Life Live Fast" nicht groß anders wie sein Vorgänger. Es liefert Hochglanz-Mainstream-Rap für die Rap Caviar-Playlist, konform serviert mit den populären anderen Typen der letzten Jahren, einem Hauch von "Astroworld"-Feenstaub in den angedeutet opulenten Beat-Interludes. Oft kauft man sich mit den Features auch gleich ein Stück Vibe mit ein, der schräge Island Boy-Beat kommt mit Kodak Black auf "Hibachi" oder Fivio Foreign holt den Drill-Flavour mit aus New York.

Aber vielleicht ist es genau das: Mehr noch als auf seinem Debüt setzt sich hier das "ein bisschen hiervon, ein bisschen davon"-Gefühl durch. War Roddy davor ein zurückhaltender Charakter, verkommt er hier zu einem Artifiziellen. Keine Ahnung, was er für einen Bezug zu Jamie Foxx und seiner Narration haben will oder warum dieses Album "Live Life Fast" heißt; dieses Projekt matscht mit dem Feingefühl eines Algorithmus wahllose Featuregäste und wahllose Produzenten aneinander. Die Versuche, die ganze Sause ambitionierter klingen zu lassen, entlarvt sich dadurch nur als noch pathetischer. Keiner dieser Menschen hat seinen Part im selben Studio wie Roddy aufgenommen - und man spürt es.

Seinen Versuch eines persönlichen Interludes auf "Crashing The Party" kann man nur mit einem "... wovon redet er gerade?" quittieren. Dieses Album weiß, dass es im Grunde nichts zu erzählen hat und alle Versuche, die innere Leere mit Windowdressing zu übertynchen, lassen das Nichts nur bedrängender klaffen. Ist ja nicht so, als wäre "Antisocial" ein komplexes erzählerisches Meisterwerk. Aber da klang Roddy eben hungriger, und ein hungriger Rapper ist immer schon eine sich erzählende Geschichte. 2021 klingt Roddy satt. Die Flows klingen matt, die Hooks ziellos.

Und was will man schließlich mit einem Roddy Ricch ohne die Hooks? Die Lyrics? Lustig. Songs wie "Thailand", "Hibachi" oder die solide Lil Baby-Featurenummer "Moved To Miami" machen Laune, würden aber auf dem Vorgänger zum unteren Drittel gehören. "Late At Night" klang im Vorfeld wie ein Leftover aus den Sessions, in denen Mustard und Roddy ihr nokturnales Meisterwerk "High Fashion" gemacht haben. Tatsächlich scheint es alles zu sein, was von dieser Magie übrig ist.

"Live Life Fast" kämpft mit negativen Reaktionen, nicht weil es ein schlechtes Album ist. Sondern weil es ein durch und durch langweiliges ist. Roddy war noch im letzten Jahr ein Hoffnungsträger seiner Generation. Ein paar aufgeblasene Tweets und ein Jahr vergehen – und schon ist ihm jede bemerkenswerte Idee ausgebrannt. Die goldene Stimme hat er immer noch. Aber wenn er aus diesem Fluch des zweiten Albums ausbrechen will, muss er seinem Albumcover folgen und verdammt noch mal wieder selbst ans Steuer.

Trackliste

  1. 1. Llf
  2. 2. Thailand
  3. 3. All Good (feat. Future)
  4. 4. Rollercoastin
  5. 5. Hibachi (feat. Kodak Black & 21 Savage)
  6. 6. Paid My Dues (feat. Takeoff)
  7. 7. Crash The Party
  8. 8. No Way (feat. Jamie Foxx)
  9. 9. Slow It Down (feat. Ty Dolla $ign & Alex Isley)
  10. 10. Man Made
  11. 11. Murda One (feat. Fivio Foreign)
  12. 12. Everything You Need
  13. 13. Moved To Miami (feat. Lil Baby)
  14. 14. Don't I (feat. Gunna)
  15. 15. Bibi's Interlude
  16. 16. More Than A Trend
  17. 17. Late At Night
  18. 18. 25 Million

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