laut.de-Kritik

Quietschiger Retro-Pop? Nicht mit dem RATM-Produzenten!

Review von

Herrschaftszeiten, kann denn auch die Chefetage mal mitdenken? Sie lässt Kollegin Butscher einfach so ziehen und jetzt dürfen wir sehen, wie wir mit dem ganzen Britpop-Quatsch samt Ami-Adaptionen klar kommen.

Zum Thema The Bravery fällt mir dann auch als erstes mal die überaus alberne Morrissey-Tolle von Sänger Sam Endicott ein, die er nun zugunsten eines unscheinbareren Strubbel-Looks abgelegt hat. Fängt ja doch ganz gut an. Nicht dass es mir um Oberflächlichkeiten ginge.

Aber mein Fehler ist es auch nicht, dass seine Band vor zwei Jahren mit nichts als einer Single ("Honest Mistake"), gefühlten hundert Promofotos und anständigem Hypegebrüll im Schlepptau diese Musikredaktion flutete.

Endicott, ein scheinbar ziemlich angesagter und stylisher New Yorker Thirtysomething, ganz offensichtlich im Besitz von Haargel, mochte schwarzen Nagellack und Lederjacken und suchte uns Musikjournalisten so den scheinbar ziemlich angesagten und stylishen Retro-Shit seiner Band zu verkaufen. Der natürlich rein zufällig kurz nach den Killers, lang nach den Strokes, und verdammt lang nach New Order auf der Bildfläche erschien.

Ich fand die Single mäßig und lachte (zumindest noch im Januar 2005) lieber gemeinsam mit New Order-Bassist Peter Hook über deren Namenswahl: "The Bravery? That's very brave of them!"

Irgendwann erschien dann tatsächlich das selbstbetitelte Debütalbum, nur ca. sechs Monate nachdem es sämtliche Hipster bereits im Netz runtergeladen hatten. Dass The Bravery in ihren besten Momenten Songs schreiben, die so gut sind, dass andere Bands dafür töten würden, wie Kollege Friedrich ordentlich polterte, erwies sich als gar nicht so weit hergeholt, auch wenn das Album nicht das Level des "Swollen Summer"-Refrains halten konnte.

Und falls hier jemand was über das neue Bravery-Album lesen wollte: Es ist gar nicht übel, wenn auch komplett anders als das Debüt. Dudelten früher noch quietschige Sounds von analogen Synthesizern, bestellte die Band für "The Sun And The Moon" den ausgewiesenen Gitarren-Fachmann Brendan O'Brien als Produzenten (Pearl Jam, Rage Against The Machine), der ihnen diese Herangehensweise anscheinend schnell ausredete.

Fairerweise muss man sagen, dass vor allem die Band selbst eine neue Richtung einschlagen wollte, die Rolling Stones führte Endicott etwa im Munde. Stattdessen erinnern die Bravery von 2007 ein wenig an die melodieseligen Thrills ("Angelina"), die wiederum mal nach den Beach Boys klangen, um im 60s-Kontext zu bleiben.

Offenkundig ist, dass sich das Quintett für die neuen Songs richtig Mühe gegeben hat. Gleich das mit einem Intro geadelte "Believe" präsentiert sich derart routiniert und singletauglich, dass es schon an Fahrlässigkeit grenzt, stattdessen das todlangweilige "Time Won't Let Me Go" auszukoppeln. "Every Word Is A Knife In My Ear" versöhnt die Freunde der alten Bravery nur kurz, bevor das aufgesetzt lustige "Bad Sun" den Tiefpunkt der Scheibe markiert. Das Mitpfeifen einer Hookline ist wahrscheinlich sowieso nur bei Belle And Sebastian cool.

Die hart verdiente Kohle ihrer Endlostournee investierten The Bravery übrigens auch in Streicher, die sowohl dem opulenten "This Is Not The End", als auch den Akustikgitarren-Balladen (!) "Tragedy Bound" und "The Ocean" gut zu Gesicht stehen. Positiv fällt weiter auf, dass Endicotts juveniles Jauchzen nun auf ein erträgliches Maß herunter geschraubt wurde und Songs wie "Split Me Wide Open" (trotz Strokes-Nähe) und "Above And Below" zum Besten gehören, was die Band bislang abgeliefert hat. Da geht noch was.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Believe
  3. 3. This Is Not The End
  4. 4. Every Word Is A Knife In My Ear
  5. 5. Bad Sun
  6. 6. Time Won't Let Me Go
  7. 7. Tragedy Bound
  8. 8. Fistful Of Sand
  9. 9. Angelina
  10. 10. Split Me Wide Open
  11. 11. Above And Below
  12. 12. The Ocean

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