laut.de-Kritik

Bitte die Welt noch einmal neu entdecken!

Review von

''Ich habe versucht, alles aus der Perspektive eines Neugeborenen zu schreiben - gesegnet mit dem Geschenk der Sprache, was würde er oder sie sagen?'' Wohl nichts, da Neugeborene bekanntlich nicht nur nicht sprechen können. Dennoch versucht Leadsänger Conor J. O'Brien gesanglich das auszudrücken, was nicht gesagt werden kann. "Awayland" ist sein selbst erdachtes Wort für das, worum es auf seinem zweiten Album geht: ''den Sinn für Neugierde und Wunder wiederzugewinnen, den wir haben, wenn wir Kinder sind und den wir über die Jahre hinweg verlieren.''

Der Ire hat sich über zwei Jahre Zeit gelassen, einen Nachfolger seines erfolgreichen Debüts "Becoming A Jackal" – damals noch als alleiniger Songwriter - zu produzieren. Klang das Debüt eher noch nach melancholischen Tagebucheinträgen, erscheint dieses Werk sehr viel positiver und weise. Zudem hat sich Conor von den rein akustischen Stücken wegbewegt und nimmt hier und da auch mal einen Synthesizer zur Hilfe.

Wie schon auf seinem ersten Album erzählt O'Brien in sehr poetischer Sprache Geschichten, größtenteils über die Natur und deren Schönheit und Instabilität. Er benutzt Symbole wie Bäume, Vögel und das Meer als Metaphern für Leben und Sterben der Menschen, und verliert dabei nie das Leitmotiv des Albums – neues Leben und das unvoreingenommene Entdecken der Welt – aus den Augen.

In "In A Newfoundland You Are Free" findet sich dieses Motiv ebenso wieder wie in "Earthly Pleasure", wo Conors Stimme bis zum ersten Refrain verschleiert klingt. Dann jedoch wird sie klar, bricht aus dieser Hülle aus und arrangiert sich mit der zunehmenden Instrumentalisierung. Schlagzeug, Gitarren und Streicher sorgen für viel Dramatik und lassen den Song gehetzt wirken, dennoch endet er ruhig.

Diese Ruhelosigkeit und Verstörtheit kennzeichnen unter anderen auch "The Waves". Was langsam beginnt, spitzt sich immer weiter zu. Die Instrumente unterdrücken Conors Gesang mehr und mehr, als türme sich eine Wand vor ihm auf, die letztlich in sich zusammenstürzt. "Nothing Arrived" hingegen erinnert sehr an eine Ballade von Benjamin Gibbard; dank eines gleichmäßigen Tempos und konstanter Untermalung mit Akustikgitarre und Piano bleibt der harmonische Song im Ohr.

Schon während er auf Tour war, feilte Conor an den Songs, nahm allerlei Geräusche auf und warf am Ende vieles noch mal durcheinander. Der entscheidende Unterschied zum ersten Album ist, dass die Band diesmal auch an den Aufnahmen im Studio beteiligt war. ''Das erste ist auch ein starkes Album, aber bei diesem hier kann man sehen, wie viel es davon profitiert hat, dass die ganze Band involviert war.'' So stehen mittlerweile neben Conor auch Tommy McLaughlin, James Byrne (beide Gitarre), Danny Snow (Bass) und Cormac Curran (Keyboard) im Mittelpunkt.

''Ich singe die Dinge, die ich nicht sagen kann, dennoch ist mein Lieblingslied auf dem Album das ohne Worte, weil es das Reinste ist, was ich jemals geschrieben habe,'' so der Sänger über den Titel "Awayland". In der Tat zeichnet sich "Awayland" nur durch sanfte Gitarrenpickings aus, die später von Geigen vervollständigt werden. Die verträumt-melancholische Melodie klingt nach der Hälfte des Liedes eher hoffnungsvoll und positiv. Fast kann man sich hier das Baby vorstellen, das gerade erst das Licht der Welt erblickt hat.

Nicht umsonst rät Conor den Hörern, sich Zeit für Awayland zu nehmen: ''Vielleicht hört man es erst mal über Kopfhörer, ohne Unterbrechung.'' Man sollte sich wirklich besser Zeit für diese Art von klanglich sehr komplexen Indie-Folk nehmen. Die intelligenten Texte machen nicht wett, dass die Instrumentalisierung teilweise konfus klingt und die wechselnden Tempi manchmal etwas verwirren oder gar nerven. Dennoch bringt Conor außergewöhnlich viel Emotionalität in die Songs und lässt seiner philosophischen Ader voller Hingabe freien Lauf. Das mag nicht für jeden leicht hörbar sein, macht ihn aber zu einem der wenigen Künstler, die sich mit einem unverwechselbaren Stil von der großen Masse an Songwritern abheben.

Trackliste

  1. 1. My Lighthouse
  2. 2. Earthly Pleasures
  3. 3. The Waves
  4. 4. Judgement Call
  5. 5. Nothing Arrived
  6. 6. The Bell
  7. 7. {Awayland}
  8. 8. Passing A Message
  9. 9. Grateful Song
  10. 10. In A Newfound Land You Are Free
  11. 11. Rhythm Composer

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1 Kommentar mit einer Antwort

  • Vor 8 Jahren

    Die Rezension ist ja ganz hübsch, und die genannten Kritikpunkte lassen sich nicht von der Hand weisen. Aber drei Sternchen sind für meinen Geschmack dann doch mindestens einer zu wenig.
    Im Vergleich zum auch schon auf eine andere Art sehr starken Vorgänger wird's hier deutlich aufwendiger, dichter und komplizierter. Das macht das Ganze nicht ganz so eingängig wie das Debüt, aber dafür langlebiger. Ich mag's Album sehr.