laut.de-Kritik

Haka Metal von Sepulturas neuseeländischen Enkeln.

Review von

An Selling Points mangelt es Alien Weaponry wahrlich nicht. Lewis und Henry de Jong sind noch nicht einmal volljährig, statt Babymetal-Quieken entringt letzterer seinen Stimmbändern aber Schlachtrufe, die (mithilfe von Studiotechnik) klingen, als brülle er erfolgreich gegen Khal Drogo an. Dazu verfassen sie ihre Texte häufig in Te Reo Māori, der indigenen Sprache Neuseelands, die wohl kaum ein Metaller abseits der Insel je vernommen hat. Neugierig?

Zurecht, denn Alien Weaponry liefern nicht nur eine schöne Geschichte, sondern auch wirklich gute Musik. So innovativ wie erhofft klingt "Tü" zwar nicht, ist aber allemal eine vielversprechende Grundlage für eine Band, deren Drummer gerade einmal 15 Jahre alt ist. Von ungefähr kommt das freilich nicht, schließlich erspielen sie sich Credibility, Erfolge und Connections seit fast acht Jahren. Statt eines Highschool-Demos legt das von Ethan Trembath am Bass komplettierte Trio deshalb ein brutal tight produziertes Neo-Thrash-Album als Debüt vor.

Im Intro "Waikōrero" erklingt Urwaldzirpen und Henry murmelt gespenstische Zeilen auf Māori. Wenn dann "Rū Ana Te Whenua" mit brachialem Call-and-Response einsteigt, haben Alien Weaponry die Hälfte ihrer Hörer wohl bereits im Sack. Ja, das ist effekthaschend, aber eben auch effektiv. Überzeugend vertonte Gewalt ist im Metal oft schon die halbe Miete.

Dass hier aber doch (noch) keine Band vom Kaliber Sepulturas spielt, merkt man bei den Riffs. Allzu oft setzen Alien Weaponry auf eintönigen Standard – abgesehen von Downtuning, Distortion und basischem Midtempo-Groove, damit auch alle schön headbangen. Zu Beginn von "Rage (It Takes Over Again)" zum Beispiel greifen Schlagzeug, Bass und Gitarre wirksam ineinander, später absolvieren Lewis und Henry ein fesches Doppelsolo als Interlude. In der Strophe ruhen sie sich dagegen auf langen Akkorden aus, der Refrain gerät mit seinem Stakkato ebenso unspektakulär.

Trotz teilweise hervorragender Momente – gerade, was die Tribals angeht – schaffen sie es nicht, einen ganzen Song auf gleichbleibend hohem Niveau durchzuziehen. Im Closer "Te Ara" äußert es sich insofern, dass das Songwriting über viereinhalb Minuten zwar spannend bleibt – das Weglassen der Vocals (bis auf kurzes, runtergemischtes Haka-Gebrüll) aber kaum rechtfertigt.

Obwohl "Tü" einen gespaltenen Eindruck hinterlässt, beweisen Alien Weaponry, welch enormes Potenzial in ihnen schlummert. Wenn sie künftig noch ausgefeiltere Riffs verwenden, dürfte sich die Bande recht flott zu einer fixen Größe im modernen Thrash Metal hochspielen – auf jeden Fall aber in ihrem eigenem Bereich, nennen wir ihn "Haka Metal". Gut dass bei 15- und 17-Jährigen Weiterentwicklung quasi biologisch veranlagt ist.

Trackliste

  1. 1. Whaikorero
  2. 2. Rū Ana Te Whenua
  3. 3. Holding My Breath
  4. 4. Raupatu
  5. 5. Kai Tangata
  6. 6. Rage (It Tages Over Again)
  7. 7. Whispers
  8. 8. PC Bro
  9. 9. Urutaa
  10. 10. Nobody Here
  11. 11. Te Ara

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