laut.de-Kritik

Ausgewogen und filigran, mit Tempo, Krach und Beschaulichkeit.

Review von

Markus Söder baut seine angestrebte Wiederwahl 2023 wohl auf dasselbe Prinzip wie Death Cab For Cutie: Moderne und Fortschritt mit Naturpflege und sattem Grün zu vereinen. Wiesen und Asphalt sind ein Oxymoron, "Asphalt Meadows", geteerte Wiesen, legen die Cuties aber offenkundig anders aus als besagter Talkshow-Dauergast. Sie benutzen Starkstrom und Lärm, doch sie dringen zu tiefen Gefühlen vor und landen bei einer ihrer wohl stärksten, wenn nicht gar ihrer bisher besten Scheibe - meines Erachtens besser als "Plans".

Wie beim Vorgänger fällt auf, dass ausgeruhte, reflektierende, zurückgenommene und kontemplative Balladen musikalisch wieder viel Raum einnehmen ("Rand McNally", besagtes "Wheat Like Waves", "Fragments From the Decade", und - mit Spoken Word und Tasten-Dissonanz - "Foxglove Through The Clearcut"). An einigen Punkten zwischen den beiden ausgeprägten Polen 'sanft' und 'lebhaft' verquicken sich die beiden Strömungen: "I Miss Strangers" verknotet beide Enden, und noch eine wahre Perle stammt aus dem Raum zwischen Rockriffs und Schmuseschleichern: das poppige "Pepper".

Auf instrumentaler und spieltechnischer Ebene machen die Drums den erheblichen Reiz aus, wie man in "Here To Forever" und im Kravitz-ähnlich groovenden "I'll Never Give Up On You" spürt. Das galant fließende Schlagzeugspiel im Titeltrack "Asphalt Meadows" lässt sich dank eines Auftritts in Jimmy Kimmels TV-Show visuell begutachten. Synkopische Keys-Hüpfer und rhythmische Betriebsamkeit mit Electro-Verzierungen untermalen in "I Don't Know How I Survive" eine Melodrama-Hook und knüpfen stilistisch an die 'alten' Muse von vor 20 Jahren an.

Die behutsamen Tontupfer des geschmeidig fließenden Herzstücks der LP, "Fragments From The Decade" lullen in Prefab Sprout-Style ein. Das sagenhaft verträumte Teil platziert sich weit hinten als Highlight in der Tracklist und endet nach sphärischen Keyboard-Fantasien in einer Geräusch-Kaskade, die so klingt, als drehe man Tastenmann Zac Rae den Saft ab.

Was bei einer Gruppe erstaunt, die einen recht engen ästhetischen Rahmen ausfüllt und schon so viel über 25 Jahre hinweg gemacht hat: "Asphalt Meadows" läuft als launige Platte durch, die so klingt, als ob die Jungs wirklich ganz viel Lust darauf hatten und keine schnöde Vertragserfüllung abarbeiten. Ähnlich wie bei den Red Hot Chili Peppers und deren "Stadium Arcadium"-Loop auf "Unlimited Love" kann man zwar eine gewisse Vorhersehbarkeit und fehlende Innovation festmachen, aber eben auch, dass sie eine gute Rezeptur beibehalten. Schlimm ist das nicht - sondern Markentreue zu sich selbst. Death Cab bedienen sie kompositorisch und handwerklich geschmackssicherer denn je.

Trackliste

  1. 1. I Don't Know How I Survive
  2. 2. Roman Candles
  3. 3. Asphalt Meadows
  4. 4. Rand McNally
  5. 5. Here To Forever
  6. 6. Foxglove Through The Clearcut
  7. 7. Pepper
  8. 8. I Miss Strangers
  9. 9. Wheat Like Waves
  10. 10. Fragments From the Decade
  11. 11. I'll Never Give Up On You

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