laut.de-Kritik

Poppige Neuausrichtung mit Höhen und Tiefen.

Review von

Julia Stone nahm in der Vergangenheit gemeinsam mit ihrem Bruder Angus Stone vier Alben auf, die es allesamt in ihrer australischen Heimat in die Top 10 schafften. Die boten indiefolkige Klänge mit hauchzartem Gesang, ebenso wie ihre zwei Soloscheiben, die dazwischen erschienen. Angus widmete sich in den letzten Jahren der Band Dope Lemon, um neue musikalische Pfade zu erkunden. Julia war aber auch nicht untätig und ließ sich für ihren Drittling "Sixty Summers" ganze acht Jahre Zeit. Auf dem streift sie nun ihr folkiges Image zugunsten poppiger Klänge größtenteils ab.

Unterstützung für ihr Unterfangen bekam sie von Annie Clark, besser bekannt als St. Vincent, und Thomas Bartlett alias Doveman. Zusammen spielten sie rund fünfzig Demos ein, von denen schließlich dreizehn auf dem Album landeten.

Den Beginn macht "Break", das tänzerische Polyrhythmen à la Talking Heads durchziehen. Dabei blitzen immer wieder schmissige Bläser auf, und gegen Ende sorgt St. Vincent an ihrer E-Gitarre für schneidende Akzente. Die Bläser hört man auch im folgenden Titelstück, nur in einem elektronischeren und midtempolastigeren Kontext eingebunden. Das war es dann aber erstmal mit der Eigenwilligkeit und der Experimentierfreude.

"We All Have" kommt, wenn Julia Stone zu ruhigem Piano und sanften Saiten-Klängen eine zuckersüße R'n'B-Melodie singt und The Nationals Matt Berninger melancholische Nuancen hinzufügt, über das Prädikat "nett, aber harmlos" nicht hinaus. "Substance" hat dagegen in den Zeilen nahezu etwas Wütendes, bietet aber melodisch nur wenig Substantielles. "Dance", das es am Ende noch in einer französischsprachigen Version gibt, erweist sich aufgrund des penetranten Dauergesäusels der Australierin als geradezu nervig.

Trotzdem sollte man nicht entnervt aufgeben, beweist doch die 37-jährige in "Free", dass farbenfrohe Synth-Pop-Klänge Stone gut zu Gesicht stehen, wenn man sich zu weitläufigen Großstadtbeats, funkelnden Synthies und knalligen Bläsersounds sowie ihrer kraftvollen Stimme in den nächtlichen Straßen Sydneys wähnt. Demgegenüber stellt "Who" nicht mehr als einen melodisch schwachbrüstigen Abklatsch von Spice Girls' "Who Do You Think You Are" dar. Ganz anders "Fire In Me", das durch die groovigen Rhythmen sowie die fetzigen Bläser- und Soul-Einsprengsel richtig Feuer unterm Hintern hat. Auch im weiteren Verlauf gleicht die Platte einem ständigen Auf und Ab.

"Heron" entpuppt sich als dröge Einschlaftablette, die in Lana Del Rey-Fahrwassern fischt. In "Unreal" wirkt die Australierin mit ihrem verfremdeten Gesang wie auf Valium hängengeblieben, während die Musik ziellos vor sich hinplätschert. "Queen" wartet dagegen mit einem souligen Refrain auf, der äußerst griffig ausfällt. Auch "Heron" und "I Am No One" geraten sehr überzeugend. Die erstgenannte Nummer versprüht mit schwülen Drum- und Gitarrentönen sowie der verschlafenen Stimme Julia Stones bedroomartiges Feeling wie etwa Blood Orange. Das zweitgenannte Stück dürfte mit folkigen Saitenklängen, sachten Drums und nächtlichen Synthies Fans der ersten Stunde mehr als zufrieden stellen.

Letzten Endes pendelt "Sixty Summers" zu unentschlossen zwischen verschiedenen Einflüssen hin und her, um über das Mittelmaß hinauszukommen. Damit ihre musikalische Neuausrichtung gelingen kann, sollte Julia Stone die guten Ansätze des Albums weiter ausbauen.

Trackliste

  1. 1. Break
  2. 2. Sixty Summers
  3. 3. We All Have
  4. 4. Substance
  5. 5. Dance
  6. 6. Free
  7. 7. Who
  8. 8. Fire In Me
  9. 9. Easy
  10. 10. Queen
  11. 11. Heron
  12. 12. Unreal
  13. 13. I Am No One
  14. 14. Dance (French Version)

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1 Kommentar

  • Vor einem Jahr

    Freue ich mich wahnsinnig drauf! Bin seit vielen Jahren großer, großer Fan der beiden und hatte auch schon mehrmals das Glück, nach Konzerten noch kurz mit Angus oder Julia zu quatschen. Gerade bei ihr fragte ich mich dann aber schon, an was sie die letzten Jahre so gearbeitet hat. Angus' Dope Lemon Sachen finde in Teilen richtig gut ("Salt & Pepper"!) und auch die Solo-Alben von Julia hab ich damals andauernd gehört. Die neue Scheibe werd ich mir jedenfalls zu nem guten Moment gönnen :)