17. Juli 2012

"Es gibt einfach nicht viele großartige Rapper"

Interview geführt von

Scheidung von Kelis, Probleme mit der Tochter und das Finanzamt ruft, aber "Life is Good" - meint ein gewohnt maulfauler Nas im kleinen laut.de-Interview."Ich zähl' jeden Kilometer, Sekunden auf der Uhr", flachrockten Illegal 2001. Genau jene Zeile rotiert in meinem Kopf wie Breakdancer, als ich in einer milden Mitternacht im Juni auf einem Rastplatz der A7 (so auch der Name des zitierten Illegal-Klassikers und dank vieler Kundentermine im Hauptberuf meine zweite Heimat) auf den Anruf von God's Son warte. Street Dreams are made of this – und dann klingelt das Telefon.

Hey, Nas. Lass' uns mit dem neuen Album "Life Is Good" starten. Du hast das Making-Of in einem Interview als "Magic Moment" bezeichnet. Warum?

Es ist einfach ein magischer Moment, Musik zu machen. Ich bin jetzt älter und genieße es mehr. Außerdem hat das Album dank meiner Produzenten No.ID und Salaam Remi diesen bestimmten 90er Style. [Nas is like - half weed half asleep … Anm. d. Autors]

Von "Life's A Bitch" zu "Life Is Good" – kam die Entwicklung über Nacht oder war das ein schleichender Prozess?

Ich habe in den letzten Jahren in meinem Privatleben viele Dinge erlebt, die nicht wirklich cool waren. Ich verstand jedoch im Laufe der Zeit, dass Vertrauen, Leid und Herausforderungen das Leben erst lebenswert machen. Diese Erkenntnis brachte mich zum Lächeln, gab mir Kraft und ließ mich meine Mitte finden.

Warum rappen eigentlich so wenige gestandene Emcees über ähnliche Themen?

Jeder drückt sich in seinen Worten aus. In "Daughters" zum Beispiel rappe ich aus meiner sehr privaten Perspektive, doch jeder hat seinen eigenen Style. Hauptsache, du bist ehrlich zur dir und zu deinen Fans.

Vielleicht können andere das einfach nicht. Warum bist du damit so lange so erfolgreich und andere nicht?

Ganz ehrlich, es gibt einfach nicht so viele großartige Rapper. Viele sind gut, ja. Aber die meisten kümmern sich nicht darum, einen eigenen Style zu entwickeln, geschweige denn, diesen immer weiter auszubauen. Und so kriegen sie, was sie verdienen: kurze Karrieren.

"Meine Skills sind wie gut gereifter Wein"


Hat vielleicht deine oft kritisierte, aber halt sehr eigenständige Beat-Auswahl damit zu tun?

[Etwas aufgeregter] Yo, die Leute hören als erstes mir zu, statt nur auf den Beat zu achten. Manchmal interessiert oder kickt der Beat nicht, aber die Heads sehen, was ich sehe und verstehen, was ich ihnen sagen will. Meine Raps haben immer eine gewisse Substanz und Aussage. Vieles wird erst nach Jahren und mehrmaligem Hören sichtbar.

Gibt es neue Rapper, die irgendwann vielleicht in deine Fußstapfen treten könnten?

[Überlegt lange] Viele gibt es nicht, es sind aber ein paar richtig gute unterwegs. Deren Talent ist jedoch noch sehr roh und ungeschliffen. Genauso roh und ungeschliffen wie meine Skills zu "Illmatic"-Zeiten.

Was denkst du über die "Illmatic"-Tributalben von jungen Emcees wie Elzhi oder Fashawn?

Yeah, ich habe die Alben gehört. Sie haben das richtig gut gemacht.

Wie würdest du deine Fähigkeiten heute umschreiben? Bist du besser geworden?

Heute sind meine Skills wie gut gereifter Wein. Smooth. Am Anfang war ich dagegen nur hungrig und ungestüm. Wenn man es mit der NBA vergleicht, wäre ich jetzt wohl ein Club-Besitzer und kein Spieler mehr.

Yo, Nas, Def Jam. Ich danke für das Gespräch. Peace.

Aight, cool. Ich habe es genossen.

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