Lange haben wir gewartet, gehofft und Versprechungen der Musikindustrie gehört. Jetzt ist es soweit: Vorhang auf für die erste legale Alternative zu Napster.

Konstanz (psj) - Nachdem Napster dazu gezwungen wurde, die Pforten zu schließen, schlossen sich die großen Plattenfirmen zu verschiedenen Allianzen zusammen, um Musik sicher digital über das Internet zu verbreiten. Die beiden wichtigsten Konkurrenten sind auf der einen Seite Pressplay, hinter dem Sony und Vivendi Universal stehen, auf der anderen MusicNet, gegründet von BMG, EMI und Warner Music. Nach langer Wartezeit stellt MusicNet nun als erster ein funktionsfähiges Abo vor.

Der unter Mithilfe von Real Networks aufgebaute Service "Real One" startet mit einer anfänglichen Auswahl von ca. 100 000 Songs. Dank einer dem Real Player ähnlichen Technik soll eine weitaus bessere Klangqualität erreicht werden als bei vielen Tauschbörsen wie Napster oder Morpheus üblich. Zudem darf man von einem kommerziellen Netzwerk erwarten, dass es frei von fehlerhaften Songs, Viren und Co. ist.

Mit einem monatlichen Beitrag von $9.95 darf der Abonnent bis zu 100 Songs pro Monat auf den heimischen PC transferieren, zudem sollen bis zu 100 "Streams" erlaubt sein, bei denen der Track zwar angehört, nicht aber gespeichert wird. Ein erweitertes oder gar unbeschränktes Angebot ist bisher nicht in Aussicht.

Doch leider hat das Ganze auch ein paar Haken: So ist die Liste der vertretenen Musiker zwar beeindruckend, reicht sie doch von Christina Aguilera und Björk über Madonna bis hin zu Robbie Williams, doch es fehlen eben auch wichtige Chartbreaker wie Jennifer Lopez oder Destiny's Child. Außerdem sind die Songs, damit der User sie nicht beliebig an Freunde weitergeben kann, allesamt kopiergeschützt. Daraus resultiert, dass man sie weder auf CD brennen noch auf MP3-Player kopieren kann. Und der dickste Hund: Sobald der Kunde das Abo kündigt, verliert er den Zugriff auf sein komplettes Song-Archiv. Von "Musik kaufen" kann also keine Rede sein, eher von mieten.

So meint auch Adam Sinnreich von Jupiter Media Metrix in der Financial Times: "Bisher konzentrieren sie sich auf die Kunden, die sehr enthusiastisch der neuen Technologie gegenüber sind. Es ist ein sehr neuer Geschäftsbereich, in dem die meisten Fehler noch nicht gemacht wurden." Immerhin stehen nun die anderen Anbieter unter Zugzwang und sobald Pressplay ebenfalls am Start ist, kann man damit rechnen, dass entweder die Preise fallen, oder der Kunde mehr Rechte erhält. Oder beides.

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