laut.de-Kritik

Krachiger Indie-Rock, Balladen und Country-Bruchlandung.

Review von

The Pretty Reckless veröffentlichen nach fünf Jahren mit "Death By Rock And Roll" den Nachfolger zu "Who You Selling For". Die singende Schauspielerin Taylor Momsen tritt nach der verwaschenen Bleistiftzeichnung wieder als Blickfang auf dem Artwork auf. Sex sells, aber wie ist es um die Qualität der Band bestellt?

Die Band hat die lange Pause zwischen den Alben zu einer Bestandsaufnahme genutzt. Der rockige Alternative-Sound, den sie auf "Light Me Up" und "Going To Hell" etabliert hat, ist nach wie vor tonangebend. Dazu gesellt das Quartett eine gehörige Portion Blues, was die Female fronted-Rocker weg von Halestorm und hin zu Laura Cox oder Samantha Fish bewegt.

Der schmale Grat zwischen Schmiss und Schiss verläuft in der Hälfte des Albums. Die rockige Seite lebt von Kollaborationen mit den ehemaligen Soundgarden-Mitgliedern Kim Thayil und Matt Cameron und RATM-Gitarrero Tom Morello. Der Quietsche-Meister spendiert "And So I Went" eine krachig-kurze Version seiner Saiten-Eskapaden. Auch das abgehangene Carpe Diem-Stück "My Bones" oder das epische "25" sind nicht von schlechten Eltern, wenn man die Liaison zwischen Grunge und College Rock mag.

Der Balladen-Block beginnt mit "Got So High" und endet tatsächlich erst am Ende mit der Country-Bruchlandung "Harley Darling". Die Band agiert in Text und Musik sehr pointiert und direkt. Doppelte Böden sucht der Hörer vergebens. Nachhaltigkeit ist auch primär für Klimafragen ein Thema. Musik muss ballern.

Der gesangliche Referenzrahmen reicht vom dünnen Fiepsen wie Avril Lavigne oder Pink bis zu großen Stimmen wie Joan Jett und Courtney Love. Die technische Umsetzung gelingt formidabel, auch in Sachen Charisma macht Momsen einigen Boden gut.

Auf dem Grabstein der Mischung aus Gossip-Girl und Hardrock-Femme Fatale soll nur stehen "Death By Rock And Roll". Ok akzeptiert, es gibt viele Arten aus dem Leben zu scheiden. Diese besingt die junge Sängerin im Titeltrack. Wobei es durchaus mit Blick auf die schlichte Todesart Rock'n'Roll einen Unterschied macht, ob Angus Young das Fallbeil schwingt oder die 27-jährige Entertainerin.

27 Jahre? Da war doch was. Der Fatalismus mit Kajal und Ritzereien mündet in der im Song "Rock And Roll Heaven" formulierten Fantasie im Club 27 gemeinsam mit Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix im Himmel Mucke machen zu können. Hoffen wir, dass Mrs. Momsen noch einige Zeit auf Erden hat, um für den Great Gig In The Sky gerüstet zu sein. Denn rein musikalisch kann sie den Helden nicht den Whiskey reichen.

Trackliste

  1. 1. Death By Rock And Roll
  2. 2. Only Love Can Save Me Now
  3. 3. And So It Went
  4. 4. 25
  5. 5. My Bones
  6. 6. Got So High
  7. 7. Broomsticks
  8. 8. Witches Burn
  9. 9. Standing At The Wall
  10. 10. Turning Gold
  11. 11. Rock And Roll Heaven
  12. 12. Harley Darling

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2 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Sex sells? Ist doch nur ein Aktfoto.

  • Vor 11 Monaten

    Sorry, aber wie herablassend ist bitte diese Review? 'singende Schauspielerin'? Die Frau macht seit circa 10 Jahren fast nur Musik... Frage mich wirklich wer so einen ersten Absatz braucht?
    Ansonsten stimme ich zu, das die balladen nich wirklich die stärke der Band sind, finde das ganze aber dennoch recht schön anzuhören und harley Darling fand ich zum Beispiel nen ganz netten Ausklang (wobei die Motorradgeräusche ziemlich unnötig waren). Auf Albenlänge fand ich dieses Album wieder deutlich überzeugender als den Vorgänger, viel Abwechslung, schön epischer Sound mit super Vocals. Für mich 3,5 als Wertung. Ein solides Rockalbum mit ein paar richtig guten Songs (So it went, 25, Witches Burn...)