laut.de-Kritik

Der Weg vom rohen Thrash- zum genreübergreifenden Act.

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Voivod haben in ihrer rund 40-jährigen Karriere eine Menge Höhen und Tiefen miterleben müssen. Denis 'Snake' Bélanger übergab 1994 das Mikro an Eric 'E-Force' Forrest, gab aber kurz nach der Jahrtausendwende wieder sein Comeback bei den Kanadiern. Denis 'Piggy' D'Amour, das einstige Aushängschild der Band, verstarb 2005 an Darmkrebs. Seinen Posten übernahm Daniel 'Chewy' Mongrain.

Nun erscheint anlässlich des Jubiläums mit "Morgöth Tales" eine Werkschau mit neun Neuaufnahmen von speziell ausgewählten und nicht so offensichtlichen Stücken aus den Jahren 1984 bis 2003 sowie einem brandneuen Song. Dabei zeigen die Tracks die Entwicklung der Formation vom rauen Thrash-Metal der Anfangstage hin zu komplexen Riffs und ausgeklügeltem Songwriting hervorragend auf und klingen zudem nüchtern und auf den Punkt gespielt, so dass sich gar nicht erst die Frage stellt, ob 'Chewy' eine würdige Nachfolge für 'Piggy' darstellt.

Nebenher bietet die Werkschau eine Möglichkeit, sich mit der Geschichte des Voivods, einem postnuklearen Vampir, der sich immer mehr in eine Maschine verwandelt, vertraut zu machen. Die erstreckte sich über die ersten fünf Alben und fand mit "Phobos" sowie dem selbstbetitelten Longplayer ihren Abschluss.

Der Opener "Condemned To The Gallows" war ursprünglich auf der "Metal Massacre V"-Compilation vertreten und ist der erste Voivod-Song überhaupt. Dieser besitzt mit schnellen Rhythmen, rohen Vocals und rock'n'rolligen Riffs noch deutliche Anlehnungen an Motörhead und Venom. In eine ähnliche Kerbe schlägt "Thrashing Rage" vom "Rrröööaaarrr"-Album, das 1986 auf den Markt kam. Jedoch lässt die Saitenarbeit die Komplexität späterer Tracks schon erahnen.

In "Killing Technology" kommt zunehmend mit verfremdeten Vocal- und atmosphärischen Gitarreneinschüben eine Science-Fiction- und Cyberpunk-mäßige, beklemmende Stimmung zum Tragen. Die Band reflektiert über eine düstere Zukunft, in der die Maschinen die Kontrolle über die Menschheit übernommen haben und Computer die Geschicke der Welt lenken. Den dazugehörigen, gleichnamigen Longplayer von 1987 konnte man trotzdem noch größtenteils im Thrash verorten.

"Macrosolutions To Megaproblems" vom 88er-Album "Dimension Hatröss" steht schließlich ganz im Zeichen verspielter Riffs und ständiger Tempowechsel. Auf "Nothingface" erweiterten die Kanadier ein Jahr später ihren ausgefeilten Sound um mehr melodische Feinheiten und erreichten so ihren kreativen Höhepunkt, wie "Pre-Ignition" beweist.

Auf "Angel Rat" suchten Voivod dann 1991 den Schulterschluss mit der alternativen Musikszene, ohne dass experimentelle Rhythmen zu kurz kamen, wie "Nuage Fractal" demonstriert, das vom Riffing und vom Gesang her sehr viel sanfter und sphärischer gerät als das Material vorheriger Studiowerke. "Fix My Heart" rockt danach geradeaus und schnörkellos nach vorne. Auf dem dazugehörigen 1993er-Longplayer "The Outer Limits" verband die Band verschiedene Stile und Sounds zu etwas Kohärentem.

Anschließend war es Zeit, wieder mehr zu den rohen Wurzeln zurückzukehren. "Rise" vom 1997er-Album "Phobos" tönt auch in der Neuversion mit garstigem Gesang, den Eric Forrest beisteuert, und tonnenschweren Rhythmen für Voivod-Verhältnisse geradezu angriffslustig. Für die Neueinspielung von "Rebel Robot" von der selbstbetitelten Platte hat man schließlich noch Ex-Basser Jason Newsted (Ex-Metallica) gewinnen können. Der Song hat wieder mehr Anleihen an Alternative Rock, aber auch wieder vermehrt anspruchsvolle Riffs im Stile von "Nothingface" zu bieten. Das Titelstück zeigt dann mit sphärischen Vocals und Gitarrenarrangements, vielen Breaks und rasanten Thrash-Einschüben eine Band, die verschiedenste Schaffensperioden musikalisch unter einen Hut bringt.

Als Bonustrack wartet noch ein Cover des Public Image Ltd-Songs "Home", das sich zwar sehr nah am Original bewegt, aber das Gesamtpaket gelungen abrundet. Jedenfalls ermöglicht "Morgöth Tales" Neueinsteigern einen guten Einstieg in das umfangreiche Werk der Kanadier, während es für langjährige Fans so Einiges zum Wiederentdecken gibt, das vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten war.

Trackliste

  1. 1. Condemned To The Gallows
  2. 2. Thrashing Rage
  3. 3. Killing Technology
  4. 4. Macrosolutions To Megaproblems
  5. 5. Pre-Ignition
  6. 6. Nuage Fractal
  7. 7. Fix My Heart
  8. 8. Rise
  9. 9. Rebel Robot
  10. 10. Morgöth Tales
  11. 11. Home

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